Bédacier, Catherine
Wahrhaffte Liebes- Und Helden-Geschichte Heinrichs, Hertzogen der Vandalen — Ulm, 1722 [VD18 13950371]

Page: 118
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und diese Freyheit/ welche Er genossen/ konnte
Er vor ein Zeichen grosser Gnade halten / angese-
hen der wenigen Verwirrung/ die Sie dabey be-
zeugte. Sie entfärbte sich darüber / und Kelims,
welche schröckliche Pein empfände/ als Sie merck-
te/ daß SelbigeSie darüber anschaute, um sol-
ches gleichsam hiedurch zu entschuldigen / verän-
derte augenblicklich Ihr Gesicht / und sagte zu
derPrintzessm gantz lächlend/ aber doch nicht oh-
ne heimliche Schmertzen: Ist es nicht wahr/
grosse Printzessin/ vor einer Stunde hättet Ihr
nicht geglaubt/ daß Ihr dem Verlangen Eures
Liebhabers das geringste zu ertauben tüchtig
wäret ? OhneZweifel / antwortete Sie hierauf/
und daß du darauf Achtung gibst/ solches ver-
mehret auch mein Nachsinnen darüber. O sehr
wohl l meine Printzessin / antwortete kelime, ich
sage Euch hiermit/ daß alle Sachen einen sol-
chen Anfang nehmen / man erlaubet unschuldige
Kleinigkeiten / die Schamhafftigkeit unterlasset
nicht sich darwider zu setzen; Aber der Liebhaber/
welcher sich allezeit schmeichelt im Standzu seyN/
selbe bestreiten zu können / macht sich auch eine
sonderbahre Ehre darauß selbe gäntzlichen über-
winden zu können / und dieses geschieht fast al-
lezeit. Es wäre ein rechter Ernst unter dem
Schein deß Schertzens derkelime verborgen /
worüber die Printzestm die Zähne heimlich
knirschte; Die Fraulein selbsten zeigte auch in
der That eine spöttische Mine / daß man Ihren
vilcourz nicht vor eine Ihr sonst gewöhnlichen
Scheetz-
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