Deutsches Archäologisches Institut / Römisch-Germanische Kommission [Editor]
Bericht über die Fortschritte der römisch-germanischen Forschung: im Jahre ... — 3.1906/​7(1909)

Page: 193
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/berfrgf1906_1907/0202
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
VII.

Sächsisches und Fränkisches in Nordwestdeutschland.

Von

Carl Scliuchliardt.

Auf dem Gebiete des Fränkischen und Säclisischen mehren sich jetzt die
Ergebnisse von Jahr zu Jalir.

Eine fränkische Befestigung im Neandertal, 350:190 m gross, hat das
Bonner Provinzialmuseum festgestellt und will sie noch weiter untersuchen,
auch im nächsten Bande (116, 1907) der Bonner Jahrbücher dartiber berichten.

Im Hannoverschen ist bei Nienburg (a. d. Weser) die Brunsburg bei
Heemsen (s. Atlas vorgesch. Bef. Heft VIII Bl. 61A) ausgegraben durch Herrn
LehrerHeller mit den Mitteln des Kreises Nienburg. Es konnte die bölzerne
Wallfront beobachtet werden, auch ein mit Kieseln gepflasterter Weg gleich
hinter dem Wall und im Innern Reste von Häusern. Dazu kamen lauter karo-
lingische Scherben zutage, und als Hauptstück wurde ein schönes fränkisches
Beil vou Eisen, das sclion vorher in dcr Burg gefunden war, jetzt mit ab-
geliefert.

In Osnabrück sah ich im Juli 1907 zum ersten Male im Museum die
Funde aus Knokes „Varuslager im Habichtswalde“. Was sicli davon bestimmt
datieren lässt., ein paar Scherbeu, „vor dcm nördlichen Tore“ gefunden, ist
sicher karolingisch. Dazu verwies mich H. Jellinghaus auf die Nachricht
(Würdtwein Subsidia VI S.408), dass die curia Losa noch 1059 von Hein-
rich IV. an das monasterium Mindense verschenkt wird. Die euria Losa, die
nichts anderes sein kann, als die vom Volke nocli heute als „Schulte Losen
Toslag“ bezeichnete Knokesche Befestigung (s. Mitt. d. Westf. Alt. - Komm.
Heft I S. 35), ist also Königsgut gewesen und wird so mit ihrem regelmässigen
kleinen Mittel-Rechteck und der unregelmässigen Umwallung darum herum iu
die Reihe der Königshöfe, wie Bumannsburg, Dolberg, Heisterburg, gehören,
in die ich sie nach ihrem Grundriss sclion 1899 gestellt hatte (Jahrb. f. klass.
Alt. V, 1900 S. 113).

Auch auf ein paar Arbeiten, die nicht im Gelände, sondern in der Studier-
stube geleistet sind, muss hier hingewiesen werden.

Paul Höfer hat in einem grossen Aufsatze in der Ztschr. d. Harzvereins
XL 1907 S. 80 ff., „Die Frankenherrschaft in den Harzlandschaften“, naeh-

18
loading ...