Deutsches Archäologisches Institut / Römisch-Germanische Kommission [Editor]
Bericht über die Fortschritte der römisch-germanischen Forschung: im Jahre ... — 3.1906/​7(1909)

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Bericht liber die Tätigkeit der Römisch-Germanischen Kommission

im Jahre 1907.

Von

H. Dragendorff.

Die Jahressitzung der Kommission konnte erst am 13. Juni 1908 statt-
finden, da zu dem sonst iiblichen Termine der Direktor nocli abwesend
war. Aus der Kommission ist satzungsgemäss nach Erlöschen seines Man-
dates in der Zentraldirektion lierr Loeschcke ausgeschieden, einer von denen,
die am meisten um das Zustandekommen unserer Organisation sich verdient
gemacht liaben und vom ersten Tage an dem Direktor in lebhaftester Mit-
arbeit helfend und beratend zur Seite standen. Mit seinem, von allen sehr
schwer empfundenen Ausscheiden kann uns nur das Bewusstsein versöhneu,
dass er auch ausserhalb der Kommission ihr ein treuer Berater bleiben wird,
und dass wir an seiner Stelle als Vertreter der Zentraldirektion einen anderen
Vorkämpfer fiir unsere Bestrebungen aufs neue in der Kommission begriissen,
Herrn Conze, der an der diesjährigen Sitzung bereits teilnahm. Die Herren
Adickes, Ed. Meyer, Schumacher, Jacobi, Kanke, von Herzog, Fabricius,
Henning, deren Mandate 1907 erlosclien waren, sind vom Reichskanzler bezw.
den betreffenden Landesregierungen auf weitere ftinf Jahre in die Kommission
entsandt.

Die Forschuugen zur Frühzeit dcr römischen Occupation auf westfälischem
Boden, die Ausgrabungen in Haltern, Oberaden und Kneblinghausen konnten
energisch gefördert werden und hatten gute Ergebnisse, iiber die der Bericht
S. 155ff. das Nähere enthält. Eine Informationsreise fiihrte den Direktor in das
nördliche Westfalen und die angrenzenden Teile von Hannover, wo namentlich
die von dem verstorbenen Prof. Diinzelmann als Kömerlager angesprochenen
Ortlichkeiten besucht wnrden. Auch das negative Resultat, das die Grabungen
auf der Grotenburg bei Detmold, der sog. Teutoburg, lieferten, wo Herr Weerth
mit Mitteln der Kommission grub (oben S. 160), bedeutet fiir die Forschungen
auf diesem Gebiet einen Fortschritt.

Von sonstigen Arbeiten auf dem Gebiete der Ringwall- und Befestigungs-
kunde seien die Grabungen auf der Wittekindsburg an der Porta Westfalica,
der Pipinsburg bei Geestemiinde und der Alteburg bei Niedenstein in Hessen
erwälmt, letztere, möglicherweise die Stelle des Taciteischen Mattium, auch
diese Forschungen wieder mit den Forschungen zur Friihzeit der römischen
Occupation verkniipfend.

In wirksamer Weise konnte die Kommission die durch die Kasernenbauten
bei Cannstatt plötzlich dringend gewordene Aufdeckung des dortigen Kastells
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