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Altertumsverein zu Wien [Editor]
Berichte und Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien — 1.1856

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Birk, Ernst von: Bildnisse österreichischer Herzoge des XIV. Jahrhunderts und ihrer Gemahlinen
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https://doi.org/10.11588/diglit.73999#0140

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Ernst Birk,


Sämmtliche Porträte sind einer prachtvollen Pergamenthandschrift entnommen, die im Jahre 1665 der
kaiserlichen Hofbibliothek zu Wien aus der Sammlung im Schlosse Ambras nebst vielen andern auf Befehl
Kaiser Leopold des Ersten einverleibt wurde. Die erste Nachricht davon gab des Kaisers Bibliothekar, Peter
Lambeck. Im zweiten Buche seiner Commentar. de augustiss. bibliotheca Caesarea Vindobonensi (Viennae
1669) beschrieb er die Handschrift pag. 778—782 und theilte einige Bruchstücke daraus mit. Sonderbarer
Weise erwähnt er dieser schönen Bildnisse nicht, während einige in historischer Beziehung unbedeutende
Miniaturen ihm wichtig genug erschienen sie in Kupfer gestochen beizugeben. Die von Kollar besorgte zweite
Ausgabe der Commentare Lamb eck’s (Viennae 1769. Vol. II. 582 — 591) übergeht dieselben gleichfalls mit
Stillschweigen. So kam es, dass diese merkwürdigen Bilder Herrgott’s eifrigen Nachforschungen entgingen.
Denis war der erste, der 1795 in seinem trefflichen Werke Codices manuscripti theologici bibliothecae
Palatinae Vindob. I. III. 2875 — 2878 den Gemälden dieser Handschrift grössere Aufmerksamkeit zuwendete
und die dargestellten Persönlichkeiten näher bestimmte. Seither hat G. F. Waagen in den Nachträgen zur
zweiten Ausgabe von Kugler’s Handbuch der Geschichte der Malerei (S. Deutsches Kunstblatt Jahrg. 1850.
S. 324) die Miniaturen der Handschrift mit bekannter Meisterschaft voip kunsthistorischen Standpunct gewürdigt.
Ein so schönes und seltenes Denkmal vaterländischer Kunst verdient jedoch auch in weiteren Kreisen
bekannt zu werden, und ist einer ausführlicheren Beschreibung würdig.
Der Codex, gegenwärtig an der kais. Hofbibliothek mit No. 2765 (olim Ambras. No. 61) bezeichnet,
ist in grösstem Folio (17 Zoll hoch und 13 Zoll breit) auf 327 Blättern auserlesenen Pergaments in
zwei Spalten sehr schön, aber nicht immer fehlerfrei geschrieben. Er enthält in deutscher Übersetzung das
Rationale divinorum officiorum des Bischofs von Mende, Wilhelm Duranti, ein Werk das nebst dessen
Speculum judiciale Jahrhunderte lang einen ehrenvollen Platz in den Studien des westlichen Europa’s einnahm.
Noch jetzt ist es eine reiche Fundgrube für liturgische Studien und enthält beachtenswerthe Andeutungen über
kirchliche Archäologie.
Wilhelm Duranti wurde um 1230 zu Puymisson in der Diözese von Beziers geboren, studierte wahr-
scheinlich zu Montpellier, und trat in den geistlichen Stand. 1254 Canonicus an der Kirche zuNarbonne, zog
er im folgenden Jahre zu seiner Ausbildung nach Italien, wurde Doctor des canonischen Rechts und lehrte später
selbst zu Bologna und Modena. Auf dem Concil zu Lyon 1274 befand er sich unter der Zahl der mit Redigierung
der Acten des Concils beauftragten Geistlichen. Als Legat des päpstlichen Stuhles verwaltete er seit 1279 das
Patrimonium sancti Petri und führte mit kräftiger Hand die Zügel der Herrschaft in dem von Parteikämpfen
der Welfen und Gibellinen zerfleischten Lande. Seit 1285 Bischof von Mende ( episcopus Mimatensisj, blieb
er als Rector in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten in der ihm anverlrauten Mark Ancona, Romandiola
und Britonoro bis wenige Monate vor seinem Tode, der ihn zu Rom am i. November 1296 in seinem 65-Jahre
ereilte. Sein Grabdenkmal mit einer seine vielfachen Verdienste rühmenden metrischen Inschrift ist zu Rom in
der Kirche Santa Maria sopra Minerva. (Eine Abbildung bei M a m a c h i: Annales ordinis PraedicatorumI.Jk51.)
Die Inschrift beginnt:
Hic jacet egregius doctor, praesul Mimatensis,
Nomine Duranti Guilielmus, regula morum.
Splendor honestatis, et casti candor amoris
Altum consiliis, speciosum, mente serenum,
Hüne insignibant. — — — — —
Ediditinjure librum, quo jus reperitur,
Et Speculum juris, patrum quoque Pontificale,
Et Rationale divinorum patefecit etc.
Eine gediegene Biographie dieses ausgezeichneten Mannes nebst kritischer Würdigung seiner Werke, Nach Weisung
der Manuscripte und Ausgaben, verdanken wir Victor Le-Glerc: S.Histoire litteraire de la France Tom. XX.
 
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