Königliche Museen <Berlin> [Hrsg.]
Beschreibung der antiken Skulpturen mit Ausschluss der pergamenischen Fundstücke — Berlin, 1891

Seite: 292
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Rankenlinie eingefasst, deren Windungen je zu beiden Seiten einer Ecke korrespon-
dieren. Ein Rest einer solchen Ranke ist auch auf der linken sonst zerstörten
■Nebenseite noch vorhanden. Das Feld der Vorderseite a ist gerauht, und zwar so
stark, dass eine dickere Stuckschicht nötig gewesen wäre, um darauf malen zu können.
Am oberen Rande steht der Name des Verstorbenen M^tpoSiupo? Qso^sizovoz. Die
rechte Neben- und die Rückseite enthalten grössere bildartige Darstellungen: auf
ersterer b steht unter einem Baum, an dem nur zwei Blätter wie von einer Platane
gezeichnet sind, ein Jüngling, der Verstorbene, bogenschiefsend, während sein kleiner
Sklave ihm aufmerksam zuschaut; dieser hält mit der linken Hand zwei Pfeile für
seinen Herrn bereit, die Rechte, welche leer ist, hat er in Brusthöhe erhoben.
Hinter dem Knaben befindet sich eine dorische Säule (vgl. oben), auf der eine
Amphora aufgestellt ist. Vielleicht ist der Knabe an die Säule leicht angelehnt zu
denken. Auf dem letzten Bilde r. ist zwischen einer ähnlichen, gleichfalls eine Am-
phora tragenden Säule und einem etwas niedrigeren Pfeiler, über dem ein Gewand
. Hegt, ein in die Wand geschlagener Nagel sichtbar, an dem mittels langer Schnüre
das palästrische Gerät des Verstorbenen, Strigilis, Oelfläschchen, Schwamm und ein
undeutlicher Gegenstand aufgehängt ist.

Drittes Jahrhundert v. Chr. Einen anderen in derselben Technik verzierten
Grabstein aus demselben Fundort s. bei Studniczka a. a. O. S. 195, 16; vgl. auch
Nr. 1358.

767. Grabrelief. Grobkörniger graubläulich-weifser Marmor. H. 1,54. Br. 0,66.

Das Ganze war etwa in Kopfhöhe der Figur durchge-
brochen, ist aber bis auf geringe Beschädigungen, am stärksten
bei der Frau an der Nase und dem Daumen der rechten
Hand, wohl erhalten.

Gefunden an der Karawanenbrücke in Smyrna und er-
worben 1878. Back, De Graecorum caerimoniis in quibus
homines deorum-vice fungebantur. Diss.. Berol. 1883, S. 37 sq.
Weifshäupl, Grabgedichte der griech. Anthol. Wien 1889,
S. 96.

Die Verstorbene, deren Namen keine Inschrift nennt, ist
in Hochrelief unter einer Aedicula stehend dargestellt. Zwei
kannelierte korinthische Säulen tragen das aus Architrav und
Zahnschnittgeison bestehende Gebälk, über dem sich eine
Attica, von einem Giebel mit Zahnschnitten und drei Akroterien
bekrönt, erhebt. Auf ihrer Fläche ist inmitten ein Kranz mit
leer gebliebenem Inschriftschilde und jederseits eine Rosette
angebracht, eine Rosette auch im Giebelfelde. Das Ganze
ruht auf einer profilierten Krepis. Die Frau, mit nicht ganz jugendlichen Porträt-
zügen, steht in Vorderansicht, den Kopf leicht nach rechts gewandt, die rechte
Hand nach auswärts geöffnet mit gebogenem Ellbogen gehoben, anbetend oder
in einem Redegestus; in der gesenkten Linken hält sie einen Mohnkopf. Ueber
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