Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Page: 119
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welche ihrer Haartracht nach im Allgemeinen in jenes Zeitalter ge-
hören (s. den vorigen Abschnitt), zu durchmustern, und dann nach
subjectivem Ermessen zu bestimmen, ob sich eines darunter befindet,
das unserer Idee von der Schwester des Augustus, ihrer überlieferten
Schönheit, ihrem Seelenadel und dem mutmasslich vorhandenen Ge-
schlechtstypus ungefähr entspricht; ein nicht eben viel versprechendes
und in keinem Fall zu sicheren Ergebnissen führendes Unternehmen.
Bedeutend solider wäre die Basis, sobald wir uns über die
Zweifel in Betreff des aureus van Quelen hinwegsetzen und den
weiblichen Kopf seines Beverses ebenfalls auf Octavia beziehen
Dadurch würde schon zum voraus das Schwanken zwischen

deren nicht ge-

dürften

den verschiede-
nen Haartrachten
zu Gunsten der
der Cistophoren
erledigt (über der
Stirn vortretende
Scheitelflechte u.
kleiner Nacken-
knauf). Ausser-
dem haben die
Gesichtszüge auf
dieser Münze eine
so grosse Be-
stimmtheit — und
zwar wiederum
im Sinne der Ci-
stophoren-Köpfe
—, dass sie, was
von denen der an-

Fig. 1 6. Basaltkopf der Octavia (?) im Louvre.

sagt werden kann,
gar wohl einer
Vergleichung mit
Monumentalbild-
nissen zu Grunde
gelegt werden
können.

Nun ist es
merkwürdig, dass
bereits früher, ehe
der aureus van
Quelen bekannt
war, ein Statuen-
kopf mit der be-
treffenden Haar-
tracht auf Octavia
gedeutet wurde,
der nachträglich

durch die neue Münze als solche bestätigt zu werden scheint. Es ist
dies der ehmals Koger'sche, nachher Fould'sche Basaltkopf, der jetzt in
den Louvre gekommen und dort im Augustussaal aufgestellt ist (im
Profil abg. Fig. 16)1: Ein Bildnis von mittlerem Lebensalter, ohne her-
vorragende Formenschönheit, aber von schlichtem, edlem Ausdruck. Die
das Gesicht begrenzenden Haare sind in drei Partieen geteilt, von denen
die mittlere aufwärts gekämmt, über der Stirn einen grossen Wulst
bildet und dann bandartig über den Scheitel zurückgelegt ist, wäh-
rend die Seitenpartieen wellig über den oberen Teil der Ohren hin-
laufen; über dem Nacken ein rundlicher unterbundener Knauf. Am

1 En face bei Chabouillet Gab. Pould pl. 6.
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