Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Seite: 125
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Willkürlich benannte Denkmäler.

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Eine Büste im Kaiserzimmer des Capitols Nr. 3 (abg. Bottari
II. 3): Ein junger Mann mit vollem, tief in die Stirn tretendem und
über derselben geteiltem Haar, ähnlich dem sog. Arrius Secundus
in Neapel (Rom. Ikonogr. I. p. 96) oder dem etwas jugendlicheren
sog. Cajus Caesar in Wien Nr. 125 (abg. v. Sacken Die ant. Sculpt.
Taf. 26. Nr. 1), ohne irgend welchen Anklang an die Typen des
julischen Kaiserhauses.

Eine Büste in der Eremitage zu Petersburg Nr. 251 (abg.
Cavaceppi Racc. IL 32), am Ende des Knabenalters.

Eine Büste zu Knole in England, mit vorn kurzgeschnittenem,
hinten langem Haar (Michaelis Anc. Marb. p. 421. Nr. 10).

Bei der sog. Marcellus - Statuette in Blundell Hall (Mich,
p. 354. Nr. 49; abg. Clar. 923) scheint der an heroisierte Kaiser
erinnernde Gewandumwurf den Anlass zur Benennung gegeben zu
haben. Indes deuten weder der Torso noch der aufgesetzte Kopf
mit dem gescheitelten Lockenhaar auf ein Porträt.

Eine bei Guattani (Memor. ant. Apr. 1788) als Marcellus ab-
gebildete Büste von melancholischem Ausdruck, von der ich nicht
sagen kann, wo sie sich jetzt befindet, soll im Mausoleum des Au-
gustus gefunden sein. Indes wurden nicht bloss die Julier hier
beigesetzt, sondern alle Angehörigen der Kaiser bis auf Hadrian.
Der Abbildung nach möchte die Büste (nackt, mit Mantelzipfel auf
der linken Schulter) eher dem 3. Jahrhundert zuzuweisen sein'.

Vollständig hoffnungslos ist natürlich die Umschau auf dem
Gebiet der Gemmen, obgleich Marcellus als Liebhaber dieser
Kunstgattung — er stiftete eine Daktyliothek im Tempeldes pala-
tinischen Apollo2 — mit grösserer Wahrscheinlichkeit als mancher
Andere auch selber eine ikonische Vertretung darin gehabt haben wird3.

1 Dass der hereulanisehe Bronzekopf in Neapel (abg. Bronzi d'Ereol.
Tf. 40 u. 50) nicht den Marcellus, sondern einen griechischen Athletentypus oder
jugendlichen Herakles darstellt, braucht heutzutage nicht mehr gesagt zu werden.

ä Hin. H. N. XXXVII. 11.

3 Der bei Faber (Illustr. imagg. 87) abgebildete und als Marcellus August i
nepos bezeichnete Gemmenkopf des Epitynchanos ist, wie schon Köhler bemerkt
hat, identisch mit dem früher Strozzi'schen, jetzt Blacas'schen Germanicus im brit.
Museum (abg. Taf. XXVI. Nr. 8), nur Hals und Inschrift ergänzt. Die Bezeich-
nung Marcellus beruht auf einer Verwechslung, und gehört sammt dem entspre-
chenden Text p. 52 vielmehr zu Taf. k und umgekehrt (s. Köhler Ueber die
geschn. Steine mit Künstlernamen. Ges. Sehr. ITI. p. 208 u. 112; Brunn G. d. gr.
Kstler. II. p, 497); doch liegt bei dem Kopf auf Taf. k ebensowenig ein Grund
für Marcellus vor.
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