Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Page: 198
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Drusus, der Sohn des Tiberius.

Ausserhalb dieser beiden Gruppen stossen wir, soviel ich sehe,
auf keine bedeutsameren Aehnlichkeiten mehr. Die meisten sonstigen
Bildnisse scheinen ziemlich allein zu stehen. So leider auch die schöne
sitzende Figur in Neapel (Nr. 23), in der man so gern etwas mehr
als ein blosses Privatporträt erkennen möchte.

Drusus, der Sohn des Tiberius.

Drusus, der Sohn des Tiberius und der Vipsania Agrippina, zum
Unterschied von seinem Oheim der jüngere oder Drusus Caesar ge-
nannt, war geboren am 7. Oktober 15 vor Chr.1 Er war von mütter-
licher Seite ein Enkel des Agrippa, von väterlicher der Vetter und
Adoptivbruder des Germanicus, hinter dem er jedoch wie an mili-
tärischer Begabung, so auch an Vornehmheit der Ahnen zurückstand.
Im J. 14 n. Chr. (28 jährig) schickte ihn Tiberius in Begleitung
des Sejan nach Pannonien, um den Aufstand der dortigen Legionen
zu stillen, im Jahre 17 sodann nach Illyrien, um sich ferner im
Kriegsdienste zu üben und den Maroboduus zu beobachten. Sein
Hauptverdienst bestand in der Geschicklichkeit, mit welcher er dem
Maroboduus Feinde erweckte, und ihn zwang zu den Römern zu
flüchten (19 n. Chr.). Der Senat dekretierte ihm dafür eine Ovation,
welche im folgenden Jahre abgehalten wurde. Im Jahre 22 erbat
sich Tiberius für ihn beim Senat die tribunicische Gewalt und schlug
ihn zum Mitregenten vor. Aber die Tücke des Sejan, den er durch
eine Ohrfeige beleidigt hatte, und der selbst nach der Herrschaft
strebte, bereitete ihm bald darauf ein frühzeitiges Ende (23 n. Chr.),
in seinem 37. oder 38. Lebensjahr. Er war mit seiner schönen Base
Livilla vermählt, welche ihm eine Tochter und zwei Knaben geboren
hatte. — Offener und gutmütiger als sein Vater, war er doch keine
sittlich gross angelegte Natur. Er war jähzornig und brutal2, dem
Wein und namentlich den blutigen Fechterspielen leidenschaftlich er-

1 Vgl. Hoeek Köm. Gesell. I. 3. p. 117; Schiller Gesch. d. röm. Kaiserz.
I. p. 292.

s Promplwm ad asperioria ini/eniwn. Tacit. Armal. I. 29; vgl. Dio LVII. 13.14.
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