Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Page: 303
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Einstige Statuen. Münzen.

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doch Hess er zeitweilig den Bart wachsen, namentlich nach dem
Tode seiner Schwester Drusilla '. Der vergoldete Götterbart dagegen,
den er als Jupiter und Neptun trug2, war natürlich bloss Maske.

Zu seinen Lebzeiten wurden ihm, wie jedem Kaiser, viele und
kostbare Statuen errichtet, teils aus Wohldienerei, teils auf seine
unmittelbare Veranlassung hin. Die Wohldienerei gieng ja bekannt-
lich so weit, dass der Senat einmal beschloss, jeder Bildsäule des
Kaisers solle eine Schildwache beigegeben werden 3. Zum Dank für
seine anfänglichen Liberalitäten und Gnadenerweisungen wurde ihm
ein goldener Porträtschild decretiert, der alljährlich unter Lob-
gesängen aufs Capitol gebracht werden sollte4. Auf dem Palatin
hatte er einen Tempel mit goldener Statue in Lebensgrösse, welch
letztere täglich nach dem lebendig umherwandelnden Urbild gekleidet
wurde5. An der Mercurstrasse in Pompeji stand ein Ehrenbogen,
der die eherne Reiterstatue des Kaisers trug, u. s. f.e Caligula selbst
Hess seine Bildnisse massenhaft durch die Provinzen versenden, bis
in den Tempel von Jerusalem"'. Auch Hess er aus Griechenland be-
rühmte Götterbilder herbeischaffen und nach Wegnahme des Kopfes
sein eigenes Bildnis darauf setzen8. — Indes gar lange blieb wohl
keines an seinem Platze stehen. Er hinterliess ein zu schlimmes
Andenken, als dass man diese Denkmäler später geachtet hätte. Die
in Rom befindlichen Hess Claudius sogleich bei seinem Regierungs-
antritt wegschaffen9, um dem feindseligen Drängen des Senats ein
Opfer zu bringen.

Auch von den Münzen sollten diejenigen, welche das Bildnis
des verhassten Fürsten trugen, in Folge eines Senatsbeschlusses ein-
geschmolzen werden10. Dabei konnte es sich allerdings bloss um die
Kupfermünzen handeln, weil nur diese dem Senat unterstellt waren.
Indes selbst in dieser Beschränkung wurde der Beschluss nicht con-
secpient durchgeführt, wie aus den noch vorhandenen grossen und
mittleren Bronzen mit dem Kopf des Caligula zur Genüge hervor-

1 Suet. Cal. 24.
* Suet. Cal. 52.

3 Dio LIX. 26.

4 Suet, Cal. 16; Dio LIX. 16.
6 Suet. Cal. 22.

8 Fiorelli bei Xissen Pomp, Stud. p. .*i7;J.
' Jos. Ant. Jud. 18. 8.

8 Suet. Cal. 22.

9 Dio LX. 4.
10 Dio LX. 22.
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