Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Page: 327
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Claudius.

Claudius.

TL Claudius Nero Germanicus, Sohn des Nero Drusus und der
Antonia, und jüngerer Bruder des Germanicus, wurde im Jahre 10
v. Chr. zu Lyon geboren. Bis zu seiner Thronbesteigung im Jahre
41 n. Chr. blieb er, teils seiner Kränklichkeit halber, teils weil man
ihn für beschränkten Geistes hielt, ziemlich unbeachtet und vernach-
lässigt. Um so mehr hatte er Zeit, sich seiner Liebhaberei für ge-
lehrte Studien hinzugeben, welche denn auch eine grosse Zahl von
Schriften, die alle wieder untergegangen, zu Tage gefördert hat.
Als er nach dem Tode seines wahnsinnigen Neffen, 51 jährig, durch
die Soldaten auf den Thron berufen wurde, hob er die Majestäts-
gesetze auf und erliess eine Amnestie. Auch sonst erwarb er sich
als Kaiser manche Verdienste, namentlich durch Aufführung gross-
artiger Nutzbauten. Aber was etwa in den ersten Jahren seiner Re-
gierung Gutes von ihm ausgieng, wurde bald weit in den Schatten
gestellt durch die vielfachen Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten,
zu denen er sich durch seine Weiber und deren Günstlinge bestimmen
Hess. Denn die eigentlichen Regenten während seiner mehr als
13jährigen Regierung waren die schamlose Messalina mit den Frei-
gelassenen Pallas und Narciss, und nach deren Sturz (48) die herrsch-
süchtige Agrippina. Als er Miene machte, sich den Schlingen der
letzteren zu entwinden, wurde er von ihr vergiftet (54). Er hatte
schon aus zwei früheren Ehen drei Kinder: Drusus, Claudia und
Antonia; Messalina gebar ihm ausserdem den Britannicus und die
Octavia. — Seine einzige militärische Unternehmung war ein Feldzug
nach Britannien gewesen (43 n. Chr.). Doch hatte er die Thaten
seinen Feldherrn überlassen und sich mit dem begnügt, was der eigent-
liche Zweck des Feldzugs gewesen war, dem Triumph.

Die körperliche Erscheinung des Claudius, namentlich die
Art und Weise seines Auftretens, war bekanntlich wenig vorteilhaft.
Wir lassen darüber wieder die alten Schriftsteller selber reden.

„Es fehlte seiner Gestalt, sagt Sueton, nicht an Ansehen und
Würde, weder wenn er stand, noch wenn er sass, noch vollends wenn
«r ruhte. Denn er war gross, ohne schlank zu sein, von gutem Aus-
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