Bernoulli, Johann Jacob
Griechische Ikonographie mit Ausschluss Alexanders und der Diadochen (Band 2): Die Bildnisse berühmter Griechen vom IV. Jahrhundert v. Chr. bis in die römische Zeit — München, 1901

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178 ARCHIMEDES

Archimedes

Auf Grund einer aufgemalten und nur teilweise noch sichtbaren
Aufschrift1 wurde früher eine Panzerherme in Neapel [abgeb. I.Teil
Tai XII, p. 121 u. 215] Archimedes genannt: ein bärtiger Griechen-
kopf mit ziemlich langem, von einer Tänie umwundenem, seitwärts
in Locken auslaufendem Haar, ungefähr auf die Zeit des Euripides
zurückgehend; schon dieser Zeitbestimmung nach und wegen der
Tänie nicht mit Archimedes zu vereinigen. Jetzt wird die Aufschrift
nach Wolters Vorschlag zu Archidamos (s. d.) ergänzt und auf einen
der spartanischen Könige dieses Namens, entweder auf den Verwüster
von Attica (431 ff.) oder auf den Sohn des Agesilaos (Mitte des 4. Jahr-
hunderts), bezogen.

Die Beischrift APXIMHA sodann auf dem ovalen Medaillon mit
Griechenkopf im Capitol, Philosophenzimmer No. 22 (abgeb. Bott.
1.89)-, rührt von dem Steinschneider Nicol. Corona her, welcher
den Marmor dadurch kostbarer machen wollte." Der Kopf ist eben-
falls mit einer Tänie umwunden und hat grosse Ähnlichkeit mit dem
farnesischen Sophokles; doch ist es zweifelhaft, ob wirklich die gleiche
Person gemeint sei.4

Wegen eines in der Linken ergänzten Winkelmaasses wurde
thörichter Weise eine Jünglingsstatue in Oxford (Mich. Anc. Marb.
p. 552, No. 43; abgeb. Clarac pl. 848 A. 2143 C) früher Archimedes
genannt.

Dass die auf ihn bezogenen Münzen und Gemmen gefälscht
sind, braucht kaum gesagt zu werden. So die zwei Münzköpfe bei
Paruta (La Sicilia tav. 119): ein behelmter unbärtiger und ein un-
behelmter bärtiger, wovon den ersteren auch Gronov in den The-
saurus III. m aufgenommen. Von Gemmen u. a. die bei Maffei
(Montfaucon TAnt. expl. Suppl. III):5 ein Kahlkopf auf nackter Büste
mit einem Zirkel in der Linken und der Beischrift 'Apx»p$7j«r

Endlich mag erwähnt werden, dass P. J. Möbius aus phreno-
logischen Gründen die sog. Aeschylosherme im Capitol, Philos.-
Zimmer 82 [abgeb. Gr. Ikonographie I. Teil, Abb. 20] auf Archimedes
deuten wollte. Die wulstartige Bildung der linken Stirnecke, die an

1 Siehe das Facsimile bei Wolters Rom. Mitth. 1888. p. 115.

2 Righetti I. 55. 3 Vgl. Bottari I. p. 47.

4 S. I. Teil p. 131. 21. 5 Weisser Bilderatlas 33, 21.
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