Bertuch, Friedrich Justin ; Bertuch, Carl
Bilderbuch für Kinder: enthaltend eine angenehme Sammlung von Thieren, Pflanzen, Früchten, Mineralien ... alle nach den besten Originalen gewählt, gestochen und mit einer ... den Verstandes-Kräften eines Kindes angemessenen Erklärung begleitet (Band 1) — Weimar, 1801 (2. Aufl.)

Seite: 173
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B. I. No. 58.

P'ermischte Gegenstände. 11♦
FABELHAFTE THIERE

No. i. Die Harpyen.
■e Ilarpyen waren, nach der alten Fabellehre,
Ungeheuer, die oberhalb einen Weiber-Leib, un-
ten einen Erachenschwanz , Bären-Tatzen und
unte Fiedermaus-Flügel halten. Eie Götter
Schickten he den Menschen als Blagen zu.
No. 2. Der Greif.
Der G reis, der in der Wappenkunde häufig
aïsSchildhalter vorkommt, war gleichfalls ein fa-
belhaftes Thier der Allen. Er hatte die Gestalt
C|nes Löwen, einen Adlerkopf mit Pferde - Oh-
ïen,Flügel, und anSialt der Mähne einen Kamm
v°n Fisch-Flossfedern. Man dichtete von ih-
sten, he grüben das Gold aus der Erde, und
bewachten es gegen die Räuber.
No, 3. Der Satyr.
Die Satyren waren, nach der Dichtung der
Waldmenschen mit braun -rothen Leibern,
■^OcksfüTsen, Ziegen-Hörnern und Ziegen-Ohren,
hauptsächlich ßcli von ihren Ziegen-Heer-
^en nährten, und als lustige Geschöpfe zum Ge-
b°lge des Bacchus gehörten. Man stellt sie daher
6evvöhnlich tanzend , mit einer Rohrpfeife und
e*nem Hirtenstabe in der Hand, einem Ziegen-
b«lle auf dem Arme, und einem Milch- oder
W .•
ein-Kruge vor. Von ihrer vermeinten Gabe,
^ndere zu verspotten, haben die Satyren, oder
Spottgedichte, ihren Namen.

No. 4. Die Giganten oder Titanen,
Die Giganten oder Titanen waren, nach der
Fabel, ungeheure Riesen , welche an Statt der
Füsse Schlangen hatten, in den Phlcgräischen Ge-
silden aus der Erde hervor kamen, den Himmel
sliirmten , Berge auf Berge thiirmten , und mit
den Göttern einen grossen Kampf hatten. Man
findet sie deshalb auf alten Denkmälern mit ei-
nem Steine und Baum-Aste in der Hand, mit
einer Ocl senbaut über dem Arme. Letzteres
bezieht sich auf die Rinder Geryons, welche lie
dem Hercules geraubt hatten.
No, 5. Das Seepferd.
Gleichfalls ein fabelhaftes Thier der Alten,
das zur See-Equipage des Neptun gehörte. Es
hatte vorn Schwimm - Füsse , und hinten einen
Fischschwanz zum Schwimmen.
No. 6, Nereiden und Tri tonen.
Kereidcn und Tritonen waren Menschen mit
Fisch - Schwänzen, womit dieFabel der Alten das
Meer bevölkerte. Die Männer hicTsen Tritonen,
die Weiber Nereiden. Sie waren Halbgötter, die
das Gefolge Neptuns ausmachten. Die Fabel von
den Nereiden oder f s ajjer - Nymphen hat sich
wahrscheinlich auf die neuern Zeiten fortge-
pflanzt, und es sind in den Volks-Mährclien daraus
die sogenannten JVaJJcr - Nixen entbanden.
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