Die Bewegung: Zeitung d. dt. Studenten — 11.1943

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v Hch, nrmmt man Gen Druck auf ffle Neutralen

hinzu, den England auszuüben vermochte. Dies
traf zu, weil seine Seeherrschaft noch ungebro-
chen war, wodurch gleichzeitig wir selber rich-
tig „blockiert" blieben. Im ''gleichen- Maß da-
gegen es heute um uns besser, steht es um
England schlimmer. Nicht nur wirken unsere
U-Boote lähmend auf alle militärischen Bewe-
gungen unserer Gegner, auch soweit diese den
östlichen zu unterstützen suchen; das' Geflecht
ihrer todbringenden Fahrten legt sich immer
würgender um England herum, das so überwie-
gend von der Zufuhr über See lebt. Dazu
kommt noch die ungeheure Einbuße, die unsere
Gegner im pazifischen Raum durch das kriegs-
gewaltige Japan erlitten haben. Jenen damali-
gen Vorteil endlich, daß wir England wenig-
stens von seinem industriellen Norden und von
Belgien abgeschnitten hielten, wiegt es doch
weithin auf, daß uns heute fast das ganze
nichtbolschewistische Europa dabei hilft, den
Krieg wahrhaft „total" zu führen. Dies leitet
aber schon zur wirtschaftlichen Lage im Innern
über. Da erst recht stellt-sich der Abstand
fz w i s chen damals und heute zu
unseren Gunsten auf.

Wie ist die deutsche Wirtschaft in den heu-
tigen Krieg eingetreten? Im überlegenen Geiste
des Vierjahresplanes als eine von echter Politik
einheitlich gelenkte Wirtschaft. Dadurch bot sie
nicht nur dem so gefährlich plötzlichen Uber-
gang in den Kriegszustand die Stirne, sie blieb
dauernd den riesigen Anforderungen des Krie-
ges gewachsen und dabei auch wendig genug,
um sich den rastlos wechselnden Kriegslagen
immer wieder anzupassen. Im krassen Gegen-
satz dazu fehlten damals vorerst alle Voraus-
setzungen dafür. Eine „kapitalistische", also
„im freien Spiel der Kräfte" sich selber über-
ladene Wirtschaft „taumelte" förmlich in den
Krieg. Denn während die militärische Mobil-
machung, im Geiste Moltkes geplant, exakt wie
ein Uhrwerk ablief, beschränkte sich die Pla-
nung der wirtschaftlichen Mobilmachung auf
einige einschneidende Umordnungen im Geld-
wesen. Infolgedessen wuchtete sich der Aus-
bruch des Krieges als jener „Kriegsstoß" aus,
der zunächst das ganze Wirtschaftsleben lähmte.
Aktiv gebärdete sich bloß das Gezücht der
Juden und Schieber. In diesen schrecklichen
Wirrwarr, bei dem der unheimlich anschwel-
lende Kriegsbedarf steigend ungedeckt blieb,
versuchten zunächst die „Kriegsgesellschaften"
Ordnung hineinzubringen; ein Versuch wirt-
schaftlicher Selbstverwaltung, um Rohstoffe
kriegsmäßig zu „bewirtschaften", jedoch selber
wieder von unheilvoll „kapitalistischem" Ge-
präge. Erst das großgedachte, aber längst zu
. spat sich auswirkende Hindenburg-Pro-
g r a m m errang noch zu Ende des Krieges eine
erstaunliche Leistungssteigerung. Inzwischen
ab.er hatte nicht nur eine schiefe Finanzpolitik,
auch eine unglückliche Lohnpolitik das deut-
sche Wirtschaftsleben auszuhöhlen begonnen,
so daß es unaufhaltsam dem Siechtum der Infla-
tion zutrieb; überhaupt vermorschten Wirt-
schaftskraft und Kampfstärke des Reiches von
innen heraus, weil allem Heldentum der
Front zum Hohn allmählich das Volk, von
Ve!ks,frr.rnden zersetzt, in seiner Haltung ver-
sagte. Da recht eigentlich saß der Wurm.

Die „Politiker" versagten

Soweit es auf das Volk selber ankam, war es
ursprünglich zwar Mann für Mann mit einer
hingebenden Begeisterung in den Krieg einge-
treten; als ein Volk aber, dem echte politische
Führung seit zwanzig Jahren versagt blieb.
Pqlitik lief damals hinaus auf ein Tauziehen
zwischen den Parteien und den Cliquen und
Interessentengruppen hinter diesen; ein Tau-
ziehen um den Besitz der höchsten, letztent-
scheidenden Macht im Gemeinwesen. Die Re-
gierung lavierte bloß dazwischen. So fehlte es
zugleich an Stetigkeit und an Einheit der poli-
tischen Führung; nicht umsonst also wurde in
jeglicher Hinsicht „schlechte" Politik getrieben.
Die Figuren jenes Tauziehens, die „Politiker",
waren nur vorübergehend vor der Woge der
Begeisterung zurückgewichen. Als die Haltung
des Volkes von jenem Hochstand absank
— eben weil ihr keine echte Politik eine Stütze
bot —, da wagten sich diese Karikaturen eines
wahren Führertums wieder hervor und trieben
immer weitere Schichten des Volkes gesin-
nungsmäßig in die Irre. Statt daß der Krieg
damals einer großen Idee folgte, stritt man
dann in Parlament und Presse um seine „Ziele".
Tückische Einflüsterungen von Seiten des Geg-
ners fanden ein willig Gehör. Von da aus
lähmten trügerische Wunschbilder vom Frieden
den Wehrwillen der Massen. Für alle diese Ein-
impfungen bereitete die steigende Not im Lande
den Nährboden. Uber einem schier selbstmörde-
rischen Zerfall des Volkes, bis in extremste
Parteien, ging, schließlich seine wehrhafte Hal-
tung völlig zu Bruch. Nicht also jenem bösen
Sprüchlein gemäß „zu Tode gesiegt", son-
dern selber verraten hat sich da-
mals das deutsche Volk.

Kann man blind dafür bleiben, wie radikal
anders auch in dieser Hinsicht heute die Vor-
aussetzungen eines glücklichen Ausgangs des
Krieges beschaffen sind? Leuchtet doch diesem
Krieg aller Kriege für unser Teil eine große
Idee voraus. Es geht nicht bloß für unser
Volk und alle europäischen Völker um Leben
und Tod, zu retten gilt es menschenwürdiges
Dasein und eine Kultur, als köstliche Frucht
von Jahrtausenden. In diesem weltgeschicht-
lichen Kampfe ist aber just das deutsche Volk
im unschätzbaren Besitz einer echten politi-
schen Führung. Sie ist in langen Jahren heran-
gereift und kann heuer auf zehn Jahre der Er-
probung auf praktischen Erfolg stolz zurück-
blicken. Damit ist der Haltung des Volkes sel-
ber noch ein fester Halt geboten und dieses
fähig, selbst der schwersten Lagen des Krieges
mutig Herr zu werden.

Politisch, militärisch, wirtschaftlich und volk-
lich, in jeglicher Hinsicht liegt es heute von
Grund aus anders, unvergleichlich besser als
damals. Wenn Kleinmut vor diesen verheißungs-
vollen Abständen die Augen schließen würde,
so wäre dies nicht einfach helle, sondern
geradezu verbrecherische Unvernunft

Seite 2 / Die Bewegung / Folge 4

75 Jahre Ingenieurschule Mittweida

Von Ing. F. f/oeber, Fadischulungsführer f. V.

Die in weiten Kreisen des In- und Auslandes
bekannte und geschätzte Ingenieurschule
Mittweida konnte kürzlich auf ein 75jäh-
riges Bestehen zurückblicken. Die im Jahre
1867 von dem Ingenieur Weitzel gegründete
Anstalt zählt damit zu den ältesten ihrer Art.
Der einzigartige Aufschwung dieser techni-
schen Lehranstalt, die seit ihrer Gründung
nahezu 30 000 Ingenieure ausgebildet hat, da-
von etwa ein Drittel aus dem Ausland, ist vor
allem dem Weitblick und der Tatkraft des Hof-
rats Prof. Dr.-Ing. Holzt zu verdanken, der
dem Technikum — unter diesem Namen wurde
die Anstalt weltbekannt — von 1891 bis 1936
vorstand. Das Verdienst Holzts besteht haupt-
sächlich darin, daß er die Lehrpläne und vor
allem die Laboratorien ständig der fortschrei-
tenden Weiterentwicklung der Technik anpaßte
und somit jederzeit eine den Belangen der
Praxis entsprechende Ingenieurausbildung ge-
währleistete.

Die bis dahin im Privatbesitz von Holzt be-
findliche Schule ging 1938 an die unter Be-
teiligung des Landes Sachsen, der Stadt Mitt-
weida und namhafter Wirtschaftskreise ins Le-
ben gerufene Stiftung „Ingenieurschule Mitt-
weida" über, um die Fortführung der Anstalt,
deren Bestand infolge der Wirtschaftskrise der
vergangenen Jahre schwer gefährdet worden
war, auch weiterhin zu gewährleisten. Im Zuge
der Durchsetzung der vom Reichserziehungs-
ministerium aufgestellten „Reichsgrundsätze

Eine Stimme von der Front:

für die einheitliche Ausrichtung der. Fach-
schulen des Bau- und Maschinenwesens" er-
hielt dann die Ingenierschule Mittweida die
verdiente volle staatliche Anerken-
nung hinsichtlich der Zulassung ihrer Absol-
venten zu den Beamtenlaufbahnen und zum
Hochschulstudium ohne Sonderreifeprüfung.
Die somit erworbene Gleichberechti-
gung mit den staatlichen Anstal-
ten und die durch den Übergang än die Stif-
tung erreichte wirtschaftliche Festigung haben
einen neuen günstigen Entwicklungsabschnitt
für die Ingenieurschule Mittweida eingeleitet,
an dessen Beginn nun der stolze Rückblick auf
eine erfolgreiche 75jährige Tätigkeit steht.

Des 75jährigen Bestehens konnte wegen der
Kriegsverhältnisse in Mittweida selbst nur in
einer schlichten Feierstunde im Kreise der Do-
zenten- und Studentenschaft gedacht werden.
Die Möglichkeit zu einer größeren Veranstal-
tung bot sich jedoch in Berlin, wo ein kame-
radschaftliches Beisammensein am 12. Dezem-
ber 1942 im Ingenieurhaus des VDI. etwa 200
Alte Herren mit einer Reihe namhafter Gäste
vereinte. Der Reichsberufswalter des NSBDT.,
Ministerialrat Pg. Himmler, nahm dabei Ge-
legenheit, in eindringlicher und überzeugen-
der Form auf die Anforderungen, die heute an
die Ingenieurschule und an den Ingenieurnach-
wuchs zu stellen sind, sowie auf die Ingenieur-
berufsfragen der Gegenwart einzugehen. Die
Veranstaltung, die vom Kriegsvertreter des

iegsversehrter und Studienurlauber
im studentischen Leben

Erinnerst Du Dich noch, Kamerad, wie es Dir
damals zumute war, als Du aus der be-
engenden, karbolgeschwängerten Atmosphäre
des Lazarettes zum ersten Male hinausgehen
konntest, weil Du Dir Schritt für Schritt den
neuen Lebensraum und damit das Leben selbst
wiedererobertest? Und denkst Du noch an das
Gefühl der Ehrfurcht und des Stolzes, als Du
zum ersten Male die Räume Deiner „Alma
mater" betratest? N

Ein, zwei oder drei Semester ist es erst her,
und doch scheint alles schon so weit, weit hin-
ter Dir zu liegen! Und Du, Kamerad Studien-
urlauber, mit welch hochgestimmten Gefühlen,
mit welch großen Voraussetzungen bist Du zu
Beginn des Semesters an Deine alte oder neue
Hochschule gegangen! Ich glaube, wir wären
schlechte Soldaten und noch schlechtere Kame-
raden gewesen, hätten wir uns in diesen Stun-
den nicht ganz besonders all jener erinnert, die
wir zurücklassen müßten, draußen im Toben
der Front, in den Feldlazaretten und den Re-
servekriegslazaretten fern der Heimat.

All diese Kameraden mahnen Dich und mich,
mahnen jeden von uns, der einmal in ihren
Reihen stand, auch in der Heimat einer der
Ihren zu bleiben. Gewiß, wir sind etwas zer-
mürbt, wir kennen uns selbst nicht mehr und
müssen uns erst langsam zum eigenen Ich zu-
rückfinden. Und doch darf dieses Suchen nicht
zu lange dauern. Die Heimat mit dem Gefühl
der Geborgenheit, das sie uns vermittelt, das
Entgegenkommen, das von allen Seiten dem
Fronturlauber und vor allem dem Kriegsver-
sehrten dargebracht wird, die neuerliche Be-
gegnung mit den kulturellen Gütern unseres
Volkes, sie alle tragen dazu bei, das Mensch-
werden zu erleichtern. Und dieser neugeborene
Mensch vergißt dann leicht. Hast Du ver-
gessen, daß Du all jenen, denen es nicht
vergönnt ist, mit der Waffe in der Hand für
unser Vaterland zu kämpfen, deutsches Solda-
tentum vorleben, sie die einmalige Größe die-
ses herrlichen Geheimnisses wenigstens ahnen
lassen sollst?

Nein, Kamerad, Du hast es nicht vergessen
und wirst Dich bald wieder darauf besinnenl
Wir können und wir dürfen nicht anders. Ge-
rade an unseren Hochschulen, wo die Zahl der
Gäste aus den verbündeten und befreundeten
Staaten ständig wächst, gerade dort muß der
deutsche Soldatengeist dominieren.

Unsere Aufgabe ist, sie das fühlen zu lassen,
was zu erleben ihnen die Umstände verweh-
ren! Wo die rein Wissensmäßige Lehre auf-
hört, wo der Verstand endet und das Herz be-
ginnt, dort müssen auch wir einsetzen.

Reich bist Du an Erfahrungen im Umgang mit
Menschen geworden. Du hast den deutschen
Soldaten, den deutschen Mann schlechthin
kennengelernt in all seinen menschlichen Eigen-
heiten und Feinheiten, Du hast Dich bemüht,
mit den Waffengefährten der verbündeten
Armeen in ein freundschaftliches Verhältnis zu
kommen, und Du hast alle Schulbrocken zusam-
mengescharrt, um mit den Einwohnern des be-
setzten Landes zu verkehren? Und diesen gro-
ßen Schatz willst Du allein besitzen?

Nein, tausendmal nein! Schon Deinen leben--
den und vor allem Deinen toten Kameraden an
der Front bist Du es schuldig, in ihrem Geist und
in ihrer Art weiterzuleben und weiterzuwir-
kenl An der Hochschule ist Dir bestimmt schon
das Wort von der studentischen Selbst-
erziehung begegnet, und irgendwann ist man
sicher auch schon an Dich herangetreten, hat
Dich aufgefordert, das Leben in einer Kamerad-
schaft kennenzulernen. Du hast damals abge-
lehnt? Du wolltest Abstand gewinnen von den
Dingen, zurückkehren zu Dir selbst. Aber das
Ist nun geschehen. Das zivile Leben hat Dich
ganz umhüllt, was soll nun weiter werden?

In unseren Kameradschaften finden sich die
deutschen Studenten, die sich wohl bewußt
sind, welche Auszeichnung es bedeutet, in die-
ser Zeit eine deutsche Hochschule besuchen zu
können, finden sie sich, um in gemeinsamer
Arbeit sich selbst zu formen, um an der deut-
schen Hochschule den Typ des soldatischen
Studenten heranzubilden. Aber noch eine

andere große Aufgabe haben sie; Wenn nach
dem siegreichen Abschluß des gewaltigen
Ringens Tausende und aber Tausende deut-
scher Studenten die Uniform wieder ausziehen
und statt Tornister und Handgranate Melde-
buch und Kollegheft ergreifen, um ihr Studium
fortzusetzen, dann müssen sie in den gefestig-
ten Kameradschaften des Nationalsozialisti-
schen Deutschen Studentenbundes einen Ersatz
finden für die Kameradschaft der Front, aber
nicht nur einen Ersatz, sondern etwas Gleich-
wertiges, das ihnen die neue Heimat in der
jungen Gemeinschaft gibt.

Nicht nur Weltanschauung, nicht nur Theorie
sollen wir predigen! Wir entlassenen Kriegs-
versehrten und gegenwärtigen Soldaten müs-
sen unseren Kameraden überall mit bestem
Beispiel vorangehen.

Uber all dies, lieber Kamerad, denke einmal
nach in einer ruhigen Stunde! Sieh Dich ein.
mal um an Deiner Hochschule, wer seine stu-
dentische Pflicht in unserer Gemeinschaft er-
füllt, und überlege, ob Du auch weiterhin
abseits stehen oder zu uns stoßen willst!

Denn bedenke: auch Dich bindet der Auf-
trag der Front!

Meise nbui g, KameiadschaStsiührer
des NSDStB. an der Universität Wien

Fachschulringführers des NS.-Altherrenbundes,
Ing. H o e b e r , geleitet wurde, vermittelte
einen starken Eindruck von der tatkräftigen
Anteilnahme der Alten Herren am Schicksal
ihrer einstigen Ausbildungsstätte. An diesem
Abend gelangte auch eine anläßlich des 75jäh-
rigen Bestehens herausgegebene Sonderfolge
des Mitteilungsblattes der Altherrenschaften
und Kameradschaften zur Ausgabe.*)

Das besondere Gepräge, das die Ingenieur-
schule MitwEida vor allen anderen ähnlichen
Fachschulen'auszeichnet, ist nicht zuletzt auch
auf die an ihr ,seit Anfang an gepflegte stu-
dentische Erziehungsarbeit zurückzuführen. So
entstanden schon bald nach der Gründung der
Schule die ersten studentischen Verbindungen,
deren Zahl dann in Zeiten der stärksten Be-
sucherzahlen (1923: 2100) bis auf mehr als 30
anschwoll. Abgesehen von einigen konjunktur-
bedingten Zusammenschlüssen, die auch manch
unerfreuliche Begleiterscheinungen mit sich
brachten, haben sich zahlreiche Korporationen
ein großes Ansehen erworben und durch ihre
Alten Herren der Ingenieurschule vor allem in
den Kreisen der Industrie jederzeit einen star-
ken Rückhalt gesichert. Heute sind die be-
deutendsten Altherrenverbände in den Alt-
herrenschaften des Fachschulringes auf-
gegangen.

Neben der Zusammenfassung eines Teiles
der Studierenden in den verschiedenen Ver-
bindungen ist aber auch seit 1899 eine Gesamt-
vertretung der Studentenschaft in Form eines
„Ausschusses der Studierenden" vorhanden,
der bis zu seiner Ablösung durch die Deutsche"
Fachschulschaft im Jahre 1934 in durchaus wir-
kungsvoller Weise die studentischen Belange
gegenüber der Schulleitung, der Stadtverwal-
tung us^w. zu vertreten wußte und sich auch
frühzeitig z. B. um die Unterstützung minder-
bemittelter Studenten durch Schaffung sozialer
Hilfsmaßnahmen, wie auch um die allgemeine
körperliche Ertüchtigung der Studentenschaft
bemüht hat. Ähnlich wie an den Hochschulen,
so stand dieser Ausschuß auch in Mittweida
schon lange vor der Machtübernahme unter
nationalsozialistischer Führung, denn schon
1931 war an der Ingenieurschule
Mittweida als eine der aller-
ersten Fachschulgruppen derNSD.-
S t udentenbund ins Leben geru-
fen worden. Schon ein Jahr früher, im Juni
1930, fiel der ^f-Mann und Student der In-
genieurschule Mittweida, Heinrich G u t s c h e ,
anläßlich des Gauparteitages in Chemnitz
einem kommunistischen Mordanschlag zum
Opfer und wurde damit für alle Zeiten zu einem
der frühen Blutzeugen des nationalsozialisti-
schen deutschen Studententums.

Im Geiste Heinrich Gutsches, dessen NamS
in einer Kameradschaft vr.d ihrer Altherren-,
schaff für immer weiterlebt, vollzieht sich seit-
dem in unermüdlicher Erziehungsarbeit die na-
tionalsozialistische Ausrichtung des Mittweidaer
Studententums. /
- I

*) Interessenten können da« Heft erhalten durch,
den NS.-Altherrenbund der Deutschen Studenten,
Faehaohulring Ingenieurschule Mittweida, Schulzen-
dorf (Kr. Teltow), Eichwalder Straße 23.

Wohnheime für Versehrte Studenten

Im Laufe des Krieges ist die Beschaffung von
geeignetem Wohnraum für die Studefften an
den Hoch- und Fachschulen immer schwieri-
ger geworden. Die vorhandenen möblierten
Zimmer, besonders in der Nähe der Hoch- und
Fachschulen, sind fast überall durch Verwal-
tung, Wehrmacht und Rüstungsindustrie be-
setzt worden, deren Gefolgschaftsmitglieder
als Dauermieter bevorzugt werden. Durch diese
Entwicklung werden die Studenten, die zum
Studium abkommandiert, beurjaubt -oder ent-
lassen ^Verden, und unter ihnen vor allem die
Versehrten, betreffen.

Das Reichsstudentenwerk hat daher zu Be-
ginn des Sommersemesters einer Reihe seiner
Dienststellen den Auftrag gegeben, für Ver-
sehrte Studenten ausreichenden
und guten Wohnraum zu beschaf-
fen. Die Leiter der örtlichen Studentenwerke
sind dieser Aufforderung freudig gefolgt. Es
wurden nicht nur bereits bestehende Wohnheime
den Versehrten vorbehalten, sondern trotz aller
überaus großen kriegsbedingten Schwierig-
keiten auch neue Wohnheime errichtet, so daß
in diesem Wintersemester neben den Zimmern
in den Wohnheimen, die allen Studenten zu-
gänglich'sind, in 12 Wohnheimen rund
500 Betten -nur für Versehrte zur
Verfügung stehen.

In Frankfurt, Leipzig, Charlottenburg, Mün-
chen, Königsberg, Straßburg sind bestehende
Wohnheime in Versehrtenwohnheime um-
gewandelt worden. In Prag, Wien, Breslau,
Posen, München konnten neue Wohnheime für
Versehrte eingerichtet werden. In sechs neuen
Wohnheimen, die, soweit es die Kriegsverhalt-
nisse erlauben, in der Nähe der Hochschulen
und mit Rücksicht auf die Versehrtheit ihrer
Bewohner besonders wohnlich eingerichtet
wurden, können 300 verwundete Studenten Auf-
nahme finden. In München nehmen die be-
stehenden Wohnheime in der Türkenstraße
und in der Poschingerstraße, mit zusammen
110 Betten, ausschließlich kriegsversehrte Stu-
denten auf. Daneben sind zwei neue Wohn-
heime mit je 25 Betten in der Maximilian-
und in der Sternwartstraße eingerichtet wor-
den. Ein drittes neues Wohnheim in der Thea-
tinerstraße ist in Vorbereitung.

Die Münchener Versehrtenwohnheime wur-
den am 15. Dezember 1942 in einer schlichten
Feier, an der neben Versehrten Studenten
Reichsleiter Bouhler, Reichsleiter Fieh-
ler, Stabsführer Thomas, Reichskassenver-
walter Parteigenosse Schweßinger, die

Rektoren und Studentenführer der Münchener
Hochschulen und der Leiter des Studenten-
werkes München, Parteigenosse Dr. Friedel
mit seinen Mitarbeitern teilnahmen, in Vertre-
tung des Reichsstudentenführers, Gauleiter und
Reichsstatthalter Dr. Scheel, durch den Lei-
ter des Reichsstudentenwerks, Dr. Reise, er-
öffnet. Dr. Reise dankte in seiner Ansprache,
in der er die Aufgaben der Versehrtenwohn-
heime im Rahmen der umfassenden Maßnahmen
des Soldatendienstes der Reichsstudentenfüh-
rung umriß, Reichsleiter Bouhler für seine
warmherzige und großzügige Förderung der
Wohnheime und Gaustudentenführer Dr. F r i e-
d e 1 für seine treue Fürsorge und seinen uner-
müdlichen Einsatz, ohne den die Errichtung
der Wohnheime zum Wintersemester nicht
möglich gewesen wäre. Im (Verlaufe der Feier
sprach Reichsleiter Bouhler, der selbst
Versehrter Student des ersten Weltkrieges ge-
wesen ist, zu den Kameraden. Nach der Be-
sichtigung des schönen Heimes In der Poschin-
ger Straße nahmen die Gäste mit den Versehr-
ten Kameraden das Mittagessen ein und blie-
ben noch längere Zeit mit ihnen zusammen.

Die Versehrtenwohnheime sind ein Glied in
der Kette der vielen Maßnahmen, die das
Reichsstudentenwerk im Auftrage des Reichs-
studentenführers, Gauleiter und Reichsstatt-
halter Dr. Sdheel, für die Soldatenstudenten
getroffen hat. Sie ergänzen wirkungsvoll die
Erholungsaufenthalte , für Versehrte Kriegsteil-
nehmer in dem „Dr.-Scheel-Haus" in Krynica
(Beskiden) und in Seeshaupt am Starnberger
See, die umfassenden Förderungsmaßnahmen
in Verbindung mit der Sonderförderung für
Kriegsteilnehmer, die Zahnsanierung für Kriegs,
teilnehmer, die Weiterführung der Studenten*
Speisungen und die Bemühungen um die Ver-i
sorgung der Studenten mit den nötigen Lehr-
behelfen und Büchern. Die gesamte sozialpoli-
tische Arbeit des deutschen Studententums
steht heute unter dem Leitwort „Soldaten-i
dienst" zum Nutzen und zum Wohl» der stu-
dentischen Kriegsteilnehmer.

Hauptschriftleiter: Dr. Heini W o 1 f f. Anschrift der Haupt-
Schriftleitung: München, Schellfngstr. 39. Fernruf 20801. Für
den Anzeigenteil verantwortlich Joh. Biittnicblijer.
Verlag: Franz Eher Nachfolger G. m. b. H. — Druck: Buch-
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