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kaum entgangen, daß in










Louis Favre, der Erbauer des St. Kottliard-rmmelS.
Nach slim Photogrddhie Michmt von C, NM lZ lvSH


wirst Du nicht!" rief Frau v. Hammerstein

merksamen Ohre wäre es
seiner Stimme sich ein leises Zögern bemerkbar machte,
als wisse er nicht recht, wie er seinen Zuhörern seine
Neuigkeit am schicklichsten einkleide oder als sei er
noch zweifelhaft, wie sie von ihnen ausgenommen wer-
den würde. Vielleicht war Frau v. Hammerstein dies
nicht entgangen, und da sie Friedrich des Großen
Losungswort: „Tov.jonr8 an vculetto!" schon lange zu
dem ihrigen gemacht hatte, so fragte sie sogleich: „Eine
neue Bekanntschaft? Ich glaubte, es sei Dir Jemand
aus der Heimath begegnet?"
„Beides ist zutreffend. Ja, noch mehr; der, mit
dem mich der Zufall zusammenführte, ist sogar gewisser-
maßen ein Verwandter. Jedenfalls steht er in engen
Beziehungen zu uns."
„Du machst mich wirklich neugierig," versetzte
Frau v. Hammerstein; „ich wußte keinen Menschen,

„Doch, Mutter, das werde ich. Wir
haben bereits verabredet, recht viel bei
einander zu sein!"
„So hast Du nun einen Gefährten,
Rom zu studiren," sagte Edwin mit einem
Seufzer.
„Und was für einen!" stimmte Bern-
hard mit leuchtenden Augen bei. „Einen
gründlichen Kenner, einen Mann von
tiefem Wissen und feinem und scharfem
Urtheil. Du wirst Dich seiner Gesellschaft
auch erfreuen, denn er wird mich schon
morgen hieher begleiten," fügte er schnell
hinzu, als er bemerkte, wie die Stirne
des Bruders sich verfinsterte und sich sein
Mund schmerzlich znsammenzog.
„Herr v. Haidhausen will Edwin auf-
suchen? Weiß er auch, daß ich hier bin?"
fragte Fran v. Hammerstein mit scharfer
Betonung.
„Gewiß, Mutter," antwortete Bern-
hard, „ich dächte, das müßte ein Grund
mehr sein, nm uns zu besuchen. Es kam
mir auch vor, als herrsche zwischen Euch
eine gewisse Verstimmung. Als wir in
der Konditorei von Razzari am Spanischen
Platze zufällig zusammentrafen und ich,
einen deutschen Landsmann erkennend,
mich ihm vorstellte, stutzte er auch erst
einen Augenblick, als er meinen Namen
hörte. Tas war aber bald überwunden
und er fand offenbar Gefallen an mir:
wir haben ein paar schöne Stunden mit
einander verlebt. Als ich ihm Vvn Ed-
win s Krankheit erzählte, war er sogleich
erbötig, ihn zu besuchen."
„Tn hattest itzni da noch nicht gesagt,
daß ich hier sei?" forschte Fran v.'Ham-
merstein mißtrauisch.
„"Nein," entgegnete Bernhard unbe-
fangen, „aber ich theilte es ihm un-
mittelbar darauf mit und es schien ihn
durchaus nicht zu stören. Ich kann eS
mit schon denken, Ihr seid bei der Erb-

ans den die von Dir gebrauchten Beziehungen anwend-
bar wären."
„Das wundert mich, Mutter, da Du es doch bist, die
diese Beziehungen vermittelt. Mit einem Worte, ich
spreche von dem Regierungsrath v. Haidhansen."
Als habe sie plötzlich den Biß einer Schlange ver-
spürt, so fuhr Fran v. Hammerstein zurück. „Haid-
hausen hier?" fragte sie beinahe tonlos.
„Der Schwiegersohn Deines Stiefbruders, der Mit-
erbe seines Vermögens?" fragte nun auch Edwin.
„Derselbe," nickte Bernhard, „rind außerdem ein so
vielseitig gebildeter, ein so eigenartiger interessanter
Mann, daß ich lebhaft bedanre, ihn nicht schon früher
gekannt zu haben. Glücklicherweise wird sich Gelegen-
heit bieten, das Versäumte nachzuholen.
„Das
eifrig.

Herl o r e n.
R o m a n
von
Ludwig Kabi ch k.
lFortschimg.)
2Z., (Nachdruck verboten.)
äuge hatte Edwin regungslos mit geschlosse-
nen Augen in seinem Armstuhlc' gelegen,
lange war Fran v. Hammerstein, von ihren
Gedanken umhergetrieben, rastlos im Garten
ab geschritten.
Plötzlich blieb sie stehen und blickte ans ihre Uhr.
Sie zeigte auf halb vier. Der Garten lag noch im
beißen Sonnenlicht gebadet, sie wußte aber aus Er-
fahrung, wie groß die Wärmeuntcrschiede zwischen Mit-
tag und Abend, zwischen Sonne und
Schatten nm diese Zeit in Rom waren,
und war deshalb daraus bedacht, den
Kranken in die zwei Treppen hoch ge-
legene Wohnung, in das gleichzeitig von
der Sonne und dem Kaminfeuer durch-
wärmte Zimmer zurückzuführen.
„Wo nur Bernhard bleibt?" sagte sie
halblaut, denn sie war gewohnt, den
Sohn um diese Stunde znrückkchren zu
sehen, um den Bruder die Treppen mehr
heraufzntragen als beim Gehen zu unter-
stützen.
Als Hütte das ausgesprochene Wort
die Kraft gehabt, den Erwarteten Herbei-
zurufen, ließen sich in diesem Augen-
blicke leichte elastische Schritte vernehmen.
Bernhard v. Hnmmerstein eilte die vom
Hofe nach dem Garten führenden Stufen
hinauf und näherte sich mit herzlichem
Gruß und liebevollem Blicke der Mutter
und dem Bruder. Beim Klange seiner
Stimme öffnete Edwin die Augen. Ein
freundliches Lächeln erhellte seine einge-
fallenen Züge, welche die schräger werden-
den Strahlen der Nachmittagssonne mit
dem täuschenden Scheine der Gesundheit
übergossen.
„Sieh' da, Bernhard," sagte er scher¬
zend, „Du bist heute lange ausgeblieben.
Dafür bringst Du mir wohl auch ein
besonders schönes Stück von der ewigen
Roma mit?"
„Verzeihe, es wird ziemlich klein aus-
fallen, ich habe mich heute sehr wenig
nm Rom gekümmert. Statt dessen bringe
ich Euch Beiden, der Blutter und Dir,
eine recht große Portion Heimath," fügte
er, Edwin's Scherz fortsehend, hinzu.
Fran v. Hammerstein und Edwin
blickten ihn fragend an.
„Ich habe eine Bekanntschaft gemacht,
die mich in hohem Grade interessirt,"
fuhr Bernhard fort, und einem ans-
 
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