Das Buch für alle: illustrierte Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für die Familie und Jedermann — 15.1880

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„Durchaus gehandelt wie ein alter erfahrener Kriegs-
manu."
„Ich fühle nur zu sehr, wir viel mir zu einem
sulchen fehlt," wehrte Pliugauser ab, „gerade die Er-
fahrung, die entbehre ich auf Schritt und Tritt. Und
oft kann sie der beste Wille nicht ersehen."
Wie wahr der junge Manu in diesem Augenblicke
sprach, wußte er selbst nicht. Ein erfahrener Patrouillen-
führer hätte vielleicht nicht so schnell den Angaben eines
fremden Mannes Glauben geschenkt, wenn sich derselbe
auch für einen Uniscrsitütsfrennd seines Vaters ansgab.
„Einen 'Aussichtspunkt, wie Ihr ihn sucht, kann ich
Euch zeigen," fuhr Ainigvni fort, „nnr müssen wir
tiefer in den Wald cindringcn und dazu möchte es
rathsain sein, die Pferde znrückznlassen. Gleich hinter
den ersten Bäumen können wir sic anbindcn. Dort
entgehen sie neugierigen Singen und Ihr werdet sie bei
Eurer Rückkehr unversehrt wieder finden."
Ans Plinganser's Befehl saßen die Dragoner ab
und folgten, die Pferde am Zügel, Ami-
goni in den Wald. Auf einem etwas
freieren Platz unweit der Lisisre wurden
die Thiere an den Bönnien befestigt, auch
seinige dort. Dann
» Forst hinein,
auf seinen gestrigen
gen schon eine ge-
Gegend erworben,
können, die Bayern
_i scrl i chen Vorposten
reu österreichischen
und sic so zu Ge-
Tamit den Ge-
Leg nicht zu lang
iclt er sic auf das
der Stärke, Zu-
fstellung der kaiser-
ruch von der gut
r Höchstedtcr Land-
, welche dieselben
u der Oestcrreicher
Dazwischen hinein
manche Frage zu
h-französische Heer,
Innd lvann die gc-
die

alten Ptinganscr so kräftig und so stattlich vor mir
zu sehen."
In dem jugendlichen Korporal kämpften Freude
über die unerwartete Begegnung und Beschämung über
sein erstes grobes Auftreten mit einander. Von Miß-
trauen regte sich in ihm keine Spur.
„Run aber zu unseren Geschäften," fuhr der an-
gebliche Freiherr fort, '„Ihr wünscht etwas über die
Stellungen der Oesterreicher zu erfahren,- wie gesagt,
ich bin gern bereit, Euch zu dienen. Euer Regiment
folgt Euch Wohl in kurzer Entfernung?"
„Doch nicht. Wir sind zum Rckognosziren vor-
geschickt, unser Regiment hat allerdings die Vorhut,
aber die ganze Armee des Marquis d'Üsson steht noch
weit zurück. Ich habe hier den Nebenweg durch den
Wald gewählt, weil ich hoffte, mich durch die Bäume
gedeckt besser an den Feind heranschlcichen zu können und
vielleicht einen Anssichtspnnkt zn-gewinnen, der mir einen
Einblick in die österreichischen Stellungen gestattete."

^ffcn dürften,
ten zu ihrer Be-
sehen.
Dragoner in 'eine
stsscligkeit, und als
nid sie bat, hier
rend er voranginge
ch ringsum Alles
hr weit von den
seien, bot Georg
wliche Begleitung
eblichen Freiherrn
rcht, daß der bloße
Uniform genügen
östenlinie zu alar-
heinbarer Civilrock

(Nachdruck verboten.)
reibt Ihr hier?"
fragte der Dragoner, welcher Amigoni
- vorhin angernfen hatte; die Borten
am Kragen des grünen Kollets bezeich-
neten ihn als Korporal.
„Ich möchte mir dieselbe Frage er-
lauben, denn ich stehe hier auf meinem
eigenen Grund und Boden," entgegnete der Italiener
gelassen.
Der Dragoncrkorporal hob drohend den Karabiner.
Hütet Euch, daß der Euch nicht die Antwort auf
„unser Rock

Eure unverschämte Frage gibt," rief er,
kann Euch zur Genüge belehren, daß
wir cs sind, welche hier das Recht haben,
zu fragen."
„Als guter bayrischer Unterthan will
ich dieses Recht durchaus nicht bestreiten
und bin gern bereit, auf höfliche Fragen
Red' und Antwort zu stehen," meinte
Amigoni stets gleich gelassen. „Was meine
Persönlichkeit anlangt, so bin ich der Frei-
herr v. Goldberg, meine Besitzungen grenzen
unmittelbar an die Feldmark der Stadt
Höchstcdt. Wie schon erwähnt, stehen wir
hier auf meinem Grund und Boden."
Georg Pliugauser — er war der Kor-
poral — legte den Karabiner bequem vor
sich quer über den Sattel, indem er weit
höflicher in seinen! Verhör fortfnhr:
„Ihr bezeichnet Euch als bayrischen
Unterthan, Herr Baron, da werdet Ihr
uns einige Angaben über die Stellungen
des Feindes nicht verweigern."
„Im Gegenthcil, ich freue mich, mei-
nen Landsleuten von Nutzen sein zu können.
Vorher aber eine persönliche Frage. Ihr
erinnert mich so auffallend an einen lieben
alten Jugendfreund, mit dem ich einst in
Ingolstadt stndirte. Lange habe ich nichts
von ihn: gehört, wenn ich recht berichtet
bin, lebt ersetzt als Hvfkannnerrath in
München. Sein Name war Pliugauser.
Wahrhaftig, Ihr könntet sein Sohn sein."
„Ich bin es auch," rief Georg er-
freut, „augenblicklich Korporal beim Re-
giment Santini, in Friedenszeiten Re-
visions-Kanzlei-Sekretär und der einzige
Sohn des Hofkanimerrathes Pliugauser."
„Dann laßt Euch die Hand schütteln,
Herr Korporal oder Herr Sekretär, was
Ihr lieber hört," sagte Amigoni herzlich
und reichte Georg die Rechte. „Eine un-
erwartete, aber eine wahre Herzensfreude
ist mir das, einen Sohn meines lieben

Degen und Inlett e.
Historischer Roman ans Bayerns Vergangenheit.
Von
Kgöert Larksseu.
(Forschung.)

Heft 2o.




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