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Heft 2t. Illnstvivte FnmiUen-Zeitnng. Zahrg. IM.


Das Räthsel der Bergnacht
Roman von K. Werk.
tFortsetzung.)

wtachdruck verboten.)

H^^ie mit Eisenklammern drückten Carlotta's Gatten
1/die Gedanken auf die Schläfen,- immer tiefer
sank ihm das Haupt auf die Brust herab.
Wenn es wahr wäre, was Earlotta von seinem
Vater behauptete!
Leonhard wußte so wenig von diesem Vater. Aber
unheimlich, seltsam war die Existenz des Mannes
immer gewesen, der bald in Sicilicn, bald in Paris,

bald in Moskau auftauchte, dem zuweilen Europa nicht
groß genug erschien für seine ruhelose Wanderlust.
Wenn eine schwere schuld ihn heimathlos über die
Erde jagte! Wenn es wahr wäre!
Ter junge Manu wagte nicht mehr seiner Iran
in's Gesicht zu sehen; er fürchtete, daß sie seine Zweifel
herauslcsen würde. Mit aller Gewalt suchte er die
eigene Beklemmung abzuschütteln.
„Tu hättest früher zu mir sprechen sollen, Earlotta.
Es wäre besser gewesen. Ich mußte Dich ja für krank
halten, da ich den entsetzlichen Gedanken, der Dich fol-
terte, nicht crrathen konnte, pinn wollen wir zusammen
überlegen, was wir thun können, um Dich von der
Dual Deiner Vorstellungen zu befreien. Sir beruhen
auf einem Jrrthum, müssen auf einein Jrrthum be-
ruhen. Mein Vater wird Dir beweisen können, wo

er zu jener Zeit weilte - vielleicht in einem anderen
Welttheil! Er wird Dich von seiner Unschuld über-
zeugen, die blutigen Schatten, die Tu zwischen uns
schweben sichst, bannen können. Ich nehme neuen
Urlaub. Ich suche meinen Vater auf. Ain besten bittest
Du einstweilen die Gräfin um Gastfreundschaft. Aber
versprich mir mit Deinem heiligsten Schwur, daß Du
leben willst, bis ich Wiederkehre, bis ich den Argwohn,
der in Deinen Augen auf meinem Vater lastet, von
ihm genommen, und Dein Herz wieder frei gemacht
habe."
Sie zögerte eine Weile. Dann legte sie ihre Hand
in die seine. „Ich gelobe, es Dir," sagte sic traurig.
„Aber ich habe keine Hoffnung."
Als sie wenige Tage später von einander schieden,
da klammerte sie sich in krampfhaftem Schmerz an

Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha und seine Gemahlin. Nach Photographien von E. Uhleahulh, Hojphotograhh in Coburg. iS. 502)
 
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