versuch fül-fM
ssllustnette fsmilienreilung
9. liest. 1915.
1914 IIinon VeMsvke V6rlL§8§686ll8eIiAl't, 8tutt§a,rt.
Am Spätnachmit-
tag dieses Tages gab
es eine tränenfeuchte
Stunde im Hirsinger-
schen Hause.
Das war, als der
Syndikus nach Woster-
manns soeben erfolgter
zweiter Werbung im
Geschwindschritt ins
Wohnzimmer hinein-
fuhr, wo seine Suse auf
dem Fenstertritt saß und
emsig Strümpfe stopfte.
So sympathisch ihm
des jungen Mannes
Rede und Haltung auch
wieder gewesen waren,
er würde doch sein In
und Amen für sich behal-
ten haben, wenn nicht
Lavinias Wunsch und
Wille Wostermanns Be-
gehr vorangestellt ge-
wesen wäre.
Also, dem Vorwurf,
selbst der Urheber die-
ses Abschlusses zu sein,
sich entziehend, warf er
mit hastigem Griff eine
Anzahl hilfsbedürftiger
Strümpfe aus dem
Stopfkorbe heraus und
seiner Gattin in den
Schoß.
„Wenn man mit
Menschen- und Engel-
zungen redete, würde
diese Sprachkunst nicht
ausreichen, zwei Ver-
liebte auseinander zu
sprengen. Es liegt so-
gar der Verdacht nahe,
Kitt und Leim benützen
daß sie solche Versuche als
würden, sich noch fester aneinander zu schließen/'
Frau Suse nickte ergebungsvoll.
„Wenn ich," sagte der Syndikus, „so sicher in die
Zukunft hätte sehen können wie dieser Strumpf,
würde ich mich des Wunsches entschlagen haben, den
Lavinias Wimpern hoben sich, ihr Blick ver-
schwebte in der Ferne. „Auch die Rose wird an-
gefeindet um ihrer Dornen willen, und doch blüht
und duftet sie ruhig weiter."
„Wenn ich das auf mich beziehen darf," sagte
Wostermann, ihre Hand ergreifend, „und daraus
schließen, daß Ihr Vertrauen zu mir stärker ist als
alles, was sich unserem Bunde entgegenstellt, wenn
mich mit diesem Augenblick das Glück so hoch be-
günstigte für das ganze Leben —"
Er drückte seine Lippen auf die weißen Finger,
die sie ihm willig überließ.
„Was ist das Leben?" flüsterte sie, unter deni
Kusse leicht erschauernd. „Ein Traum — nie aus-
geträumt, weil mitten darin der Tod ihn zerreißt.
Oder eine Knospe, die schönes Entfalten verspricht —
und einen Wurm im Innern birgt. Oft nur ein
Ahnen, das wir nicht verstehen. So ist auch die Liebe
nur Traum und Ahnen —
Wostermann drückte ihre Hand so fest, daß sie zur
Wirklichkeit erwachte. „Lavinia, lassen Sie dieses
Ahnen an meiner Seite zum Erlebnis werden, zur
Gewißheit eines dauernden Besitzes. Schenken Sie
Deutsche lladsahrerabteilung im öesecht mit französischer Kavallerie, vriginalreichnung von III. knost. (5.197)
Wort aus Ihrem Munde entzrehen mochte.
Me wollen mir den Weg zu Ihrem Herzen ver- ^^ulu.
Einen Augenblick versagte ihm das Wort. Eine hingerissen, „wie wäre das möglich, ohne zu zerstören,
Vas grüne staus.
vornan aus der Diedermeierreit.
von Seorg stnrtlvig (Lmmg koeppel).
Fortsetzung.) sNachdmck oerdoten.)
Pfarrerin, noch eine Weile im Kinder-
MiI/l W Kammer festgehalten, entbot Lavinia in
Il/Zr iU/ gute Stube, den einzigen Hafen der
ßWlUr Ruhe im ganzen Hause, allwo auch Wo-
stermauu des Pfarrers Rückkehr vom Kon-
mniandenunterricht — das Osterfest stand vor der
Beim Zudrückeu des Schlosses wandte er sich
vom Fenster zurück. Ein Ruck der Überraschung ging
chnr durch die Glieder.
r „Wie hätte ich diese Begegnung erwarten dürfen,"
lWe er nähertretend und fing den Blick auf, der die
Peiche Überraschung verriet. „Wenn es Mamsell
Hirsinger nicht unangenehm ist, daß ich genötigt bin,
>chr Gesellschaft zu leisten —"
.'>5^ 6anz und gar
NEst! Sie lächelte ihn
nnterm Federhütchen
9ar lieblich au. Sie
hatte schon Frühling
tzenmchf in ihrem blu-
jNigen Kleide und der
schwarzen Samtjacke,
von der ihr Hals schier
blendend weiß sich ab-
. „So wäre es auch
Nicht Vermessenheit, die
v.reude auszusprechen,
ich darob empfinde?"
Üagte Wostermann mit
ewiger Erregung, die
jhnr der Augenblick zu-
Mhrte.
„Ich denke—nein!"
senkte vor seinem
-onck den ihrigen. „War-
um auch?"
„Wenn ich mir diese
üMge nur beantworten
uurfte," sagte er, die
-?unst des Zufalls emp-
IMdend, „wenn ich sie
su auslegen dürfte, wie
Nüch die innere Stimme
untreibt — und hoffen,
^ay sic ein Echo sin-
Lavinia, durchbebt
»?M Glanze seines
Luckes rückte gewäh-
lt) lächelnd.
„Ich darf es?" fragte
A'M ^ser zu ihrem
5U lrtz neigend. „Und
°°ch weiß Mamsell Hir-
tzUger, was sich an Wi-
s. 9pruch und Wider-
lud dagegen erhebt?
, bs uür den Boden
l^r der: Füßeip mW
mir die Träume Ihres Herzens, — ich will sie
lebendig machen."
O Erich," flüsterte sie, von seiner Erregung
ÄsUmzhaste Kühle in der'Brust rief ihm Lorchens was uns das Heiligste gewesen!"
° zurück -— Lorchen! Liebes Lorchen! „Es gibt Heiligeres als leere Träume," sagte er
mit drängender Ungeduld. „Glauben Sie mir,
Lavinia, das Vollerfüllte, das Wesenhafte hat den
höchsten Wert. Wer irdisch lebt, der muß auch irdisch
glücklich sein. Ich will dich glücklich machen mit allem
Willen und Trachten meines Herzens. — Und du?
Was willst du?"
Diese mit kraftvoller Energie an sie gerichtete
Frage erschreckte und überwältigte sie zugleich. „Ich
will —"
„Willst du mit diesem Worte dich mir geben?
Mit diesem Worte mich vor deinen Vater treten
lassen? Unvermögend wie ich bin, nur reich an
Selbstvertrauen und Manncsmut? Lavinia, wird
deine Liebe groß genug sein, dich au mich anzu-
schließen in fester Treue, was immer sich dazwischen
drängen möchte? Gib mir mit deinen: Jawort auch
den festen Glauben an seine Kraft und Stärke!"
„Nun blühen alle Rosen meiner Seele auf!"
Sie sank in seine Arme.
Die Flurklingel schrillte. Der Pfarrer war zu-
rückgekehrt.
„Noch heute," flüsterte Wostermann der Auf-
geschreckten zu, „spreche ich mit deinem Vater."
Da ging die Zim-
— —.- -Z mertür auf.
ssllustnette fsmilienreilung
9. liest. 1915.
1914 IIinon VeMsvke V6rlL§8§686ll8eIiAl't, 8tutt§a,rt.
Am Spätnachmit-
tag dieses Tages gab
es eine tränenfeuchte
Stunde im Hirsinger-
schen Hause.
Das war, als der
Syndikus nach Woster-
manns soeben erfolgter
zweiter Werbung im
Geschwindschritt ins
Wohnzimmer hinein-
fuhr, wo seine Suse auf
dem Fenstertritt saß und
emsig Strümpfe stopfte.
So sympathisch ihm
des jungen Mannes
Rede und Haltung auch
wieder gewesen waren,
er würde doch sein In
und Amen für sich behal-
ten haben, wenn nicht
Lavinias Wunsch und
Wille Wostermanns Be-
gehr vorangestellt ge-
wesen wäre.
Also, dem Vorwurf,
selbst der Urheber die-
ses Abschlusses zu sein,
sich entziehend, warf er
mit hastigem Griff eine
Anzahl hilfsbedürftiger
Strümpfe aus dem
Stopfkorbe heraus und
seiner Gattin in den
Schoß.
„Wenn man mit
Menschen- und Engel-
zungen redete, würde
diese Sprachkunst nicht
ausreichen, zwei Ver-
liebte auseinander zu
sprengen. Es liegt so-
gar der Verdacht nahe,
Kitt und Leim benützen
daß sie solche Versuche als
würden, sich noch fester aneinander zu schließen/'
Frau Suse nickte ergebungsvoll.
„Wenn ich," sagte der Syndikus, „so sicher in die
Zukunft hätte sehen können wie dieser Strumpf,
würde ich mich des Wunsches entschlagen haben, den
Lavinias Wimpern hoben sich, ihr Blick ver-
schwebte in der Ferne. „Auch die Rose wird an-
gefeindet um ihrer Dornen willen, und doch blüht
und duftet sie ruhig weiter."
„Wenn ich das auf mich beziehen darf," sagte
Wostermann, ihre Hand ergreifend, „und daraus
schließen, daß Ihr Vertrauen zu mir stärker ist als
alles, was sich unserem Bunde entgegenstellt, wenn
mich mit diesem Augenblick das Glück so hoch be-
günstigte für das ganze Leben —"
Er drückte seine Lippen auf die weißen Finger,
die sie ihm willig überließ.
„Was ist das Leben?" flüsterte sie, unter deni
Kusse leicht erschauernd. „Ein Traum — nie aus-
geträumt, weil mitten darin der Tod ihn zerreißt.
Oder eine Knospe, die schönes Entfalten verspricht —
und einen Wurm im Innern birgt. Oft nur ein
Ahnen, das wir nicht verstehen. So ist auch die Liebe
nur Traum und Ahnen —
Wostermann drückte ihre Hand so fest, daß sie zur
Wirklichkeit erwachte. „Lavinia, lassen Sie dieses
Ahnen an meiner Seite zum Erlebnis werden, zur
Gewißheit eines dauernden Besitzes. Schenken Sie
Deutsche lladsahrerabteilung im öesecht mit französischer Kavallerie, vriginalreichnung von III. knost. (5.197)
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Me wollen mir den Weg zu Ihrem Herzen ver- ^^ulu.
Einen Augenblick versagte ihm das Wort. Eine hingerissen, „wie wäre das möglich, ohne zu zerstören,
Vas grüne staus.
vornan aus der Diedermeierreit.
von Seorg stnrtlvig (Lmmg koeppel).
Fortsetzung.) sNachdmck oerdoten.)
Pfarrerin, noch eine Weile im Kinder-
MiI/l W Kammer festgehalten, entbot Lavinia in
Il/Zr iU/ gute Stube, den einzigen Hafen der
ßWlUr Ruhe im ganzen Hause, allwo auch Wo-
stermauu des Pfarrers Rückkehr vom Kon-
mniandenunterricht — das Osterfest stand vor der
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vom Fenster zurück. Ein Ruck der Überraschung ging
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Hirsinger nicht unangenehm ist, daß ich genötigt bin,
>chr Gesellschaft zu leisten —"
.'>5^ 6anz und gar
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9ar lieblich au. Sie
hatte schon Frühling
tzenmchf in ihrem blu-
jNigen Kleide und der
schwarzen Samtjacke,
von der ihr Hals schier
blendend weiß sich ab-
. „So wäre es auch
Nicht Vermessenheit, die
v.reude auszusprechen,
ich darob empfinde?"
Üagte Wostermann mit
ewiger Erregung, die
jhnr der Augenblick zu-
Mhrte.
„Ich denke—nein!"
senkte vor seinem
-onck den ihrigen. „War-
um auch?"
„Wenn ich mir diese
üMge nur beantworten
uurfte," sagte er, die
-?unst des Zufalls emp-
IMdend, „wenn ich sie
su auslegen dürfte, wie
Nüch die innere Stimme
untreibt — und hoffen,
^ay sic ein Echo sin-
Lavinia, durchbebt
»?M Glanze seines
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„Ich darf es?" fragte
A'M ^ser zu ihrem
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tzUger, was sich an Wi-
s. 9pruch und Wider-
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l^r der: Füßeip mW
mir die Träume Ihres Herzens, — ich will sie
lebendig machen."
O Erich," flüsterte sie, von seiner Erregung
ÄsUmzhaste Kühle in der'Brust rief ihm Lorchens was uns das Heiligste gewesen!"
° zurück -— Lorchen! Liebes Lorchen! „Es gibt Heiligeres als leere Träume," sagte er
mit drängender Ungeduld. „Glauben Sie mir,
Lavinia, das Vollerfüllte, das Wesenhafte hat den
höchsten Wert. Wer irdisch lebt, der muß auch irdisch
glücklich sein. Ich will dich glücklich machen mit allem
Willen und Trachten meines Herzens. — Und du?
Was willst du?"
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Frage erschreckte und überwältigte sie zugleich. „Ich
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„Willst du mit diesem Worte dich mir geben?
Mit diesem Worte mich vor deinen Vater treten
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Selbstvertrauen und Manncsmut? Lavinia, wird
deine Liebe groß genug sein, dich au mich anzu-
schließen in fester Treue, was immer sich dazwischen
drängen möchte? Gib mir mit deinen: Jawort auch
den festen Glauben an seine Kraft und Stärke!"
„Nun blühen alle Rosen meiner Seele auf!"
Sie sank in seine Arme.
Die Flurklingel schrillte. Der Pfarrer war zu-
rückgekehrt.
„Noch heute," flüsterte Wostermann der Auf-
geschreckten zu, „spreche ich mit deinem Vater."
Da ging die Zim-
— —.- -Z mertür auf.


