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Das Buch für alle: illustrierte Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für die Familie und Jedermann — 50.1915

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Heft 17
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https://doi.org/10.11588/diglit.47351#0373
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Illustrierte ^millenreltung

17. heft. IMS.
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vor den 5chlgchten.

vornan von sttthur Zapp.


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us Herbert Haidens Mienen schwand jede
Spur ungläubigen Lächelns. Ein freu-
diger Schein tiefinnerlichster Genugtuung
lief über sein Gesicht. „Dank, vielen
- Dank, Fräulein Rydberg!" sagte er warm
ergriff ihre Hand. „Wir wissen ja alle, daß
r - unfähig sind zu irgendeiner Hinterlist .. . Dann
neuich, dann ist schnelles Handeln nötig. Doch
iwor wir irgendwie eingrcifen können, müssen wir
^zweifelhaft feststellen, daß Madeleine Vernon und
Unna Pawlowna Sawurow ein nnd dieselbe Person
st- Aber wie?" Er blickte sinnend zu Boden. „Das
Ochste wäre, Sie, Fräulein Rydberg, der Französin
-'-genüberzustellen. Aber sie wird natürlich sehr vor-


sichtig sein. Mit Gewalt können wir doch nicht bei
ihr eindringen!"
„Jane könnte an sie schreiben und sie zu einer
Zusammenkunft einladen," schlug Wanda Halden
vor.
Der junge Ingenieur lachte. „Das geht doch
nicht, Wanda, denn dann wüßte sie ja sofort, daß
sie durchschaut ist. — Wie haben Sie denn mit ihr
bisher brieflich verkehrt. Fräulein Rydberg?"
„Ich habe ihr immer nur geantwortet, wenn sie
an mich zuvor geschrieben hatte. Meine Briefe gab
ich auf ihren Wunsch postlagernd auf."
„Na also! - Nein, wir müssen etwas anderes
finden. — Ja, das geht. Ich werde ihr einen Brief
schreiben, der auf russisch nur die Worte enthalten
soll: Anna- Pawlowna, fliehen Sie! Gefahr im
Verzüge!"
„Dann wird sie eben fliehen," warf Wanda ein.
Herbert Halden nickte. „Schön! Das wäre dann
ein Eingeständnis ihrer Schuld."
„Du willst sie also entwischen lassen?"

„Das wäre in Rücksicht auf die Familie Schilling
allerdings wohl das beste," entgegnete der Gefragte
nachdenklich. „Aber sie könnte auch irgend etwas
Wichtiges mitnehmen. Die höhere Pflicht muß uns
in dieser schweren Zeit maßgebend sein. Ich werde
mich also mit einem Detektiv in Verbindung sehen
und sie überwachen lassen. Sollte sie tatsächlich den
Versuch der Flucht machen, so soll der Detektiv sie
verhaften lassen."
Wanda legte für ein paar Sekunden die Hand auf
die Stirne. Alle drei standen ganz unter dem Ein-
druck des Augenblicks, alle waren innerlich tief bewegt.
Keines Seele aber war wohl in ihrem Grunde
so aufgerührt wie die Wandas. Das Weib, das sie
mit aller Kraft ihres Herzens haßte, als Verbrecherin
entlarvt, schwerer, entehrender Strafe ausgesetzt,
der Mann, den sie liebte, trotz alledem noch liebte,
in Schmach und Schande verstrickt, der bittersten,
demütigendsten Erfahrung, dem heißesten Schmerz
preisgegeben! Zwischen diesen beiden Polen des
Gefühls schwankte ihre gequälte Seele hin nnd her.


1915.

Phot. Berliner Illustrations-Gesellschaft m. b. H- in Berlin,
öreneschuhoorkehrungen in der 5chweir: einer Militärdsracke in den lllpeu. (5. Z71)
 
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