Phot. Berliner Illustrations-Gesellschaft m. b. H, Berlin.
kin 5ümmung5dild aus dem überschwemmten Nordländern.
Var Luch fülMe
hlustriette fgmilienreitung
21. heft. 1915.
Amerika,!. Copyright 1915 by Union Deutsche Verlaitsgesellschaft, Stuttgart.
Der Freibeuter.
Nomun von Urtur Winckler-Iannenberg.
lrorlsetiung.)..- - — (Nachdruck orrvolsn.)
7.
^WMfüerland hatte ein auffällig sonderbares
R il/W Wesen, als er am folgenden Tage neben
R WM dem Amtsrat heimwärts ging. Sie hatten
Studdendorf das Abschiedsgeleit gegeben.
Die drei Jäger waren sich allgemach
nähergetreten, und so etwas wie eine keimende
Freundschaft war zwischen ihnen aufgekommen.
Steineck, der dritte Skatbruder, war baden ge-
gangen. Endlich, meinte er, müsse man doch auch
wissen, wozu man an die See gekommen sei, und
übrigens fühlte er sich als Nichtjüger aus dem aller-
engsten Kreise ein wenig ausgeschlossen.
So waren die beiden allein.
Der Amtsrat hatte auch zur Rückkehr vom Bahn-
hof einen Wagen nehmen wollen, aber Düerland
bestand darauf, zu gehen — und dies in so knurriger,
eigensinniger Weise, daß Emmerich aus dem Ver-
wundern nicht herauskam.
In dem Kiefernwalde herrschte eine drückende
Schwüle, zudem ging es fortwährend bergauf und
bergab. Der Amtsrat blieb wiederholt stehen und
trocknete sich den Schweiß vom stark geröteten Ge-
sicht.
„Ich hätte doch fahren sollen," seufzte er. „Aber
Sie bestanden ja, als ob's um einen Preis ginge,
auf diesem infamen Laufen! Und ein abgekürzter
Weg soll das sein? Ist schon mehr 'ne Gebirgs-
partie, wie mein armes Weib sie gestern gemacht
hat. Kann noch heute keiu Glied rühreu, wie zer-
schlagen ist sie und weiß nicht, ob sie bis zum Strand-
korbe kommen wird."
Düerland brummte etwas Unverständliches.
An der Wegbiegung stand eine Bank, auf die
steuerte der Amtsrat zu, setzte sich, öffnete die Weste
und'legte den Hut neben sich auf die Latten.
Der Rentier gab sich einen Ruck. Er war ein
scheuer, ängstlicher Mann und wagte sich schwer
an eine Sache, aber hier glaubte er ein notwendiges
Freundeswerk zu tun, und so begann er: „Gut-
hier sind wir schön allein, so kann ich am besten
reden."
„Ja, was gibt's denn? Sie sind schon immer-
fort so unruhig wie ein Huhn, das sein Ei legen
will — und dazu diese Andeutungen! Nun schießen
Sie mal los, Verehrtester, und erleichtern Sie Ihr
Gewissen! Was haben Sie ausgefressen, und wo
kann ich etwa helfen?"
„Ich?" Ganz empört schaute Düerland auf.
„Ich was ausfressen — ich was auf dem Gewissen
haben? Nee, ich bin jetzt sechzig Jahr und habe
mein Lebtag nichts mit dem Gericht zu tun gehabt,
will's auch nicht — nee, weiß Gott, ich nicht, ich
nicht!"
Emmerich beruhigte sein von der Anstrengung
heftig pochendes Herz, indem er auch den Hals-
kragen ein wenig öffnete und den Schlips abband.
I9ig.
kin 5ümmung5dild aus dem überschwemmten Nordländern.
Var Luch fülMe
hlustriette fgmilienreitung
21. heft. 1915.
Amerika,!. Copyright 1915 by Union Deutsche Verlaitsgesellschaft, Stuttgart.
Der Freibeuter.
Nomun von Urtur Winckler-Iannenberg.
lrorlsetiung.)..- - — (Nachdruck orrvolsn.)
7.
^WMfüerland hatte ein auffällig sonderbares
R il/W Wesen, als er am folgenden Tage neben
R WM dem Amtsrat heimwärts ging. Sie hatten
Studdendorf das Abschiedsgeleit gegeben.
Die drei Jäger waren sich allgemach
nähergetreten, und so etwas wie eine keimende
Freundschaft war zwischen ihnen aufgekommen.
Steineck, der dritte Skatbruder, war baden ge-
gangen. Endlich, meinte er, müsse man doch auch
wissen, wozu man an die See gekommen sei, und
übrigens fühlte er sich als Nichtjüger aus dem aller-
engsten Kreise ein wenig ausgeschlossen.
So waren die beiden allein.
Der Amtsrat hatte auch zur Rückkehr vom Bahn-
hof einen Wagen nehmen wollen, aber Düerland
bestand darauf, zu gehen — und dies in so knurriger,
eigensinniger Weise, daß Emmerich aus dem Ver-
wundern nicht herauskam.
In dem Kiefernwalde herrschte eine drückende
Schwüle, zudem ging es fortwährend bergauf und
bergab. Der Amtsrat blieb wiederholt stehen und
trocknete sich den Schweiß vom stark geröteten Ge-
sicht.
„Ich hätte doch fahren sollen," seufzte er. „Aber
Sie bestanden ja, als ob's um einen Preis ginge,
auf diesem infamen Laufen! Und ein abgekürzter
Weg soll das sein? Ist schon mehr 'ne Gebirgs-
partie, wie mein armes Weib sie gestern gemacht
hat. Kann noch heute keiu Glied rühreu, wie zer-
schlagen ist sie und weiß nicht, ob sie bis zum Strand-
korbe kommen wird."
Düerland brummte etwas Unverständliches.
An der Wegbiegung stand eine Bank, auf die
steuerte der Amtsrat zu, setzte sich, öffnete die Weste
und'legte den Hut neben sich auf die Latten.
Der Rentier gab sich einen Ruck. Er war ein
scheuer, ängstlicher Mann und wagte sich schwer
an eine Sache, aber hier glaubte er ein notwendiges
Freundeswerk zu tun, und so begann er: „Gut-
hier sind wir schön allein, so kann ich am besten
reden."
„Ja, was gibt's denn? Sie sind schon immer-
fort so unruhig wie ein Huhn, das sein Ei legen
will — und dazu diese Andeutungen! Nun schießen
Sie mal los, Verehrtester, und erleichtern Sie Ihr
Gewissen! Was haben Sie ausgefressen, und wo
kann ich etwa helfen?"
„Ich?" Ganz empört schaute Düerland auf.
„Ich was ausfressen — ich was auf dem Gewissen
haben? Nee, ich bin jetzt sechzig Jahr und habe
mein Lebtag nichts mit dem Gericht zu tun gehabt,
will's auch nicht — nee, weiß Gott, ich nicht, ich
nicht!"
Emmerich beruhigte sein von der Anstrengung
heftig pochendes Herz, indem er auch den Hals-
kragen ein wenig öffnete und den Schlips abband.
I9ig.


