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DasBuchfürAllo

Heft 1

„Und a neu's G'rvand für dich!"
„Das müßt'scho' aHochzeiksjuppen sein!" erwiderte das Mädel
und schaute den Bauern keck an.
„Wann d' nit mehr an den Toni denkst..."
„Grad an den denk' i."
„Sell gibk's nit!" brauste der Bauer noch einmal auf.
„Dann gibt's des a nit!" sagte Kathrin trocken und deutete
mit dem Daumen nach dem Stall, wo die Kuh brummte.
Der Weidbruckbauer paffte ärgerlich aus seiner Pfeife.
„Uberlegt's. Es eilt mir ja nit!" warf das Mädel leicht hin
und wandte sich ab.
erdrossen stapfte der Bauer über die aufgeweichten Felder
^^heimwürts. „Die Weibsleute sind all miteinander nir wert!"
brummte er wütend vor sich hin.
Als er auf seinen Hof kam und die neue Magd faul im Heu
liegend fand, dachte er, die Mariekathrin sei doch besser gewesen
als die jetzige, die Monika. Und gekocht hatte sie so gut wie seine
Alte selig. Und der Toni ging auch brummig umher, seit die Mal-
ierin nicht mehr da war — „der Toni, das saudumme Mannsbild".

/^Legen Abend hockte der alte Weidbruckbauer vor der großen
Kleidertruhe seiner verstorbenen Frau und kramte in den
Habseligkeiten. Das beste Kleid, das er fand, packte er dann in

einen großen Deckelkorb, legte nach kurzen: Zögern auch das
„Tschapperl", das goldene Hochzeitskrönlein derWaldbäuerinnen,
dazu. Dann rief er dem Toni und sagte, damit solle er zur
Eeißbauerndirn gehen.
„'s ist für die Kuh. Das Frauenzimmer gibt s' nit anders
her." Er schmunzelte heimlich und zwinkerte mit den Augen.
Der Toni brauchte kaum die Hälfte der Zeit wie sein Vater
am Vormittag. Jetzt hängte er auch den Kopf nicht mehr und kam
in bester Laune zu Kathrin, die am Herd stand und Maismehl
für einen „Stopfer" in die Pfanne rinnen ließ.
„Pack nur aus!" sagte das Mädel, als er den Korb an ihre
Seite stellte. „I hab'jetzt kei'Zeit." Eifrig stieß sie mit dem Löffel
die Grießkrüstchen von den Rändern der Pfanne.
Die „Juppe" war schön. Aus festem schwarzglänzendem
Leinen, stand sie mit ihren zahllosen engen Falten ganz von selbst
am Boden. Das blaue Bändchen, das ihr in Kniehöhe auf-
genäht war, leuchtete, und der gestickte Schmuck prangte in
allen Farben.
Toni freute sich, daß der Alte nicht knauserig gewesen war.
Als er aber das Krönlein aus dem Papier wickelte, vergaß Kathrin
den Stopfer und fiel ihrem Buben glücklich um den Hals.
Die Mutter rettete den Stopfer im letzten Augenblick vor dem
Verbrennen, während die beiden zur Hütte hinausliefen, gerades-
wegs zum Pfarrer, um die Hochzeit zu bestellen.

Kleingärten, eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit zur Wiedergesundung.
Von Hermann Allerd.


as deutsche Volk ist arm geworden. Wer das noch immer nicht hat
einsehen wollen, den belehrt umso empfindlicher der Zwang zur
Einschränkung über seine tatsachenscheue Selbsttäuschung. Es hilft

müssen, doch noch das Verlangen nach einem, wenn auch engumgrenzten,
Stück Heimatscholle, nach einem kleinen Garten. Manche, die in diesem
Jahr noch nicht so weit waren, mit Hacke und Grabscheit die Beete zu be-





Phot. O. Hoeckel, Berlin.

Die Siedlung Lkndenhof in Berlin-Schöneberg mit Hausgärten.

nichts, wir müssen ler-
nen, auf vieles verzich-
ten, was sich in wohl-
habenderen Zeiten als
vermeintlich unent-
behrlich eingebürgert
hatte. Ging es nicht
vielen schon so mit der
üblichenSommerreise?
Heuerreichteskaumzu
kleinen Ausflügen in
dienähereUmgebung-
Soll man nun deshalb
alle Hoffnung fahren
lassenund jederFreude
aus dem Wege gehen?
— Diese unnatürliche
Unterbindung des Le-
benswillens wäre ge-
radeso töricht, wie der
sinnlicheVergnügungs-
taumel unwürdig ist.
Es gibt Freuden, die
uns jetzt so bitter nötig
sind wie geschwächten Körpern reine Höhen-
oder Waldesluft, und die gesündeste ist
jedenfalls die Freude an der Natur. Vor
dem Krieg hat man das wohl auch schon
gewußt. Viele Tausende sehnten sich da-
nach, wenigstens auf Stunden der auf-
reibenden Unrast der Großstadt zu ent-
rinnen, und sich von der Arbeit zu erholen
in einem stillen grünen Waldwinkel oder
in dem schmalen Revier eines Schreber-
gartenanteils. Wie viele hat dieHoffnung,
ein kleines Stückchen Land erwerben und
darauf gartenumfriedet ein bescheidenes
Eigenheim errichten zu können, aufrecht
erhalten in aufreibendem Stellungskrieg.
Nun die allgemeine Not die Erfüllung
dieses Wunsches vereitelt hat, bleibt für
viele, die auf Siedlungsplüne verzichten

plw!. G. Haeckel, Berlin.
Gartenpflege im Vorort.

stellen, hat doch beim
Anblick der Blüten-
pracht und des Ernte-
segens an Sträuchern
und Bäumen der Ge-
danke nicht losgela,-
sen:Jmnächsten Früh-
jahr solltest du doch
auch an dieser Freude
teilhaben.' Mag auch
die deutsche Not zu
manchem anderenVer-
zicht zwingen, wirwol-
lendoch hoffen, daßdie
Siedlungs-und Klein-
gartenpläne, wenn
auch in verlangsamtem
Tempo, verwirklicht
werden.
Große Freud en kön-
nen die kleinen Gär-
ten spenden und nicht
geringen praktischen
Nutzen auch. Zum
guten Glück hat man ja auch längst ein-
gesehen, daß es im allgemeinen Interesse
liegt, ja daß es eine der dringendsten Be-
dingungen für die Wiedergesundung des
ganzen Volkes ist, möglichst vielen die
unmittelbare Berührung mit der Mutter
Erde, das freie Schaffen in der Natur auf
eigenem Boden zu ermöglichen. Die all-
mähliche Beruhigung der erregten und
verwirrten Gemüter wird umso eher
gelingen, je mehr die stärkende Wirkung
der gesunden Beschäftigung im Garten
ausgenützt wird. Nichts ist mehr dazu an-
getan, in Ergänzung der vielfach allzu
mechanischen Berufsarbeit dein Leben
einen Inhalt zu geben, verkümmerte Ee-
mütsbedürfnisse wieder zu wecken und zu
befriedigen, als das Pflegen und Be-

KM T
 
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