Kunsthistorische Bilderbogen: für den Gebrauch bei akademischen und öffentlichen Vorlesungen, sowie beim Unterricht in der Geschichte und Geschmackslehre an Gymnasien, Real- und höheren Töchterschulen zusammengestellt (Band 1): Baukunst und Bildnerei der Griechen und Römer, der Ägypter und vorderasiatischen Völker, des Mittelalters und der Renaissance (3. Abdr.) — Leipzig, 1879

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VORWORT.

ei Gelegenheit des fünften Abdruckes der erften Sammlung diefer Bilder-
bogen drängt es mich, allen denen, welche mir durch Rath und That
bei meinem Unternehmen Unterftützung angedeiheu liefsen, an diefer
Stelle meinen aufrichtigflen Dank auszufprechen, insbefondere den Herren Prof.
Bergau in Nürnberg, Dr. Br. Bücher in Wien, Prof. Dr. Dobbert, Dr. Dohme
und Dr. Lippmann in Berlin, Prof. Springer und Dr. Wuftmann in Leipzig.
Nicht minder fühle ich mich dem Oefterreichifchen Mufeum in Wien und dem
Germanifchen Mufeum in Nürnberg zu Danke verpflichtet für die Bereitwilligkeit,
mit welcher beide Inftitute mir eine Anzahl von Holzfchnitten aus ihrem Befitz
zur Verfügung Hellten und es mir auf diefe Weife ermöglichten, der kunstge-
werblichen Abtheilung diefer Publikation eine gröfsere Mannigfaltigkeit und Ausdeh-
nung zu geben.

Wenn ich für die übrigen Abtheilungen, Architektur, Plaftik und Malerei,
den weitaus gröfsten Theil der Abbildungen meinem Vorrathe entnehmen konnte,
fo halte ich es doch für meine Pflicht, diejenigen Werke fremden Verlages hier
namhaft zu machen, welche hauptfächlich von mir in Contribution genommen find,
fei es, dafs die betreffenden Verleger mir Galvanotypen von Holzfchnitten käuflich
überliefsen, fei es, dafs einzelne Uluftrationen für meine Zwecke copirt und nach-
gefchnittcn wurden, wo galvanifche Reproductionen nicht zu erlangen waren.
Ich komme damit zugleich der prefsgefetzlichen Beftimmung nach, welche für
Entlehnungen der letzteren Art die Angabe der Quellen verlangt, wenn auch diefem
Erfordernifs bereits in den kunfthiftorifchen Werken meines Verlages, für welche
jene Uluftrationen zunächft angefertigt würden, völlig Genüge gefchehen ift.

Für die verfchiedenften Epochen der Architektur, namentlich der engliichen,
find Uluftrationen entlehnt aus Fergusson's »Hiftory of Architecture«, für die Kunft
des Alterthums aus Overbeck's »Gefchichte der griechifchen Plaftik«, aus desfelben
Verfaffers »Pompeji«, für die mittelalterliche Architektur vor Allem aus Viollet-le-
Duc's »Dictionnaire de l'Architecture francaise«, dann aus Streets' »Gothic Archi-
tecture in Spain«, und aus Parker''s »Glossary«, für die Architektur der Renaiffance
aus Liibke's »Gefchichte der deutfchen Renaiffance« und aus desfelben Verfaffers
»Gefchichte der franzöfifchen Renaiffance«, ferner aus Burckhardt's »Gefchichte
der italienifchen Renaiffance«, für die Gefchichte der italienifchen Malerei endlich
aus der deutfchen Ausgabe von Grawe und Cavalcaselle's grundlegendem Werke.
Die bei der kunstgewerblichen Abtheilung in Frage kommenden Publikationen find
auf der Tafel 149 namhaft gemacht.

Der über alle Erwartung grofse Erfolg, den diefe Bilderbogen weit über
die Grenzen Deutfchlands hinaus zu verzeichnen haben, legten mir den Gedanken
nahe, für deren Ergänzung und Verbefferung nach Kräften Sorge zu tragen. Ich
empfand es als eine Pflicht der Dankbarkeit, die vielleicht in allzurafchem Vorgehen
zu Ende geführte Arbeit nach einem ftrengeren Plane ganz neu zu redigiren, und habe

auch der Verfuchung nicht widerftehen können, bei den die antike Plaftik be-
treffenden Tafeln mit Rückficht auf die tanagräifchen und olympifchen Funde in
den fpäteren Drucken einige Veränderungen, fowie bei einigen andern Tafeln aus
formalen Gründen Umftellungen vorzunehmen. Indefs traten dem weiteren Vor-
gehen auf diefer Bahn alsbald fchwerwiegende Bedenken entgegen. Der Umftand,
dafs die Tafeln im Einzelnen oder in ganzen Folgen vielfach als Lehrmittel an
Fachfchulen und Univerfitäten Eingang gefunden, liefs die Beibehaltung der ur-
fprünglichen Numerirung in hohem Grade wünfehenswerth erfcheinen. Es bleibt
alfo nur der Ausweg offen, einftweilen durch Ergänzungstafeln die Lücken zu füllen
und auf diefe Weife den Rahmen des Unternehmens weiter zu fpannen. Diefen
Ausweg denke ich denn auch, wenn ich Zeit und Mufse finde, zu befchreiten, nicht
ohne die Hoffnung, dadurch den von vielen Seiten an mich ergangenen Wünfchen
und Aufforderungen gerecht zu werden.

Sachkenner werden die Mängel und Lücken diefes Verfuchs einer Illuftration
der gefiimmtenKunftgefchichte leicht erkennen, aber, wie ich überzeugt bin, auch milde
beurtheilen. Ich hätte mit gröfserem Aufwand an Zeit und Geld wohl Vollständigeres
liefern können, aber dann nur auf Koften der Billigkeit des Preifes. Die Wohlfeilheit,
verbunden mit der gröfstmöglichen Bequemlichkeit für alle, die in die Lage kommen,
bei Lehre und Unterricht in der Kunftgefchichte Vorbilder zu benutzen, fchien
mir aber ein Moment von nicht zu unterfchätzender Wichtigkeit zu fein, wenn das
vorhandene Bedürfnifs in vollem Maafse Befriedigung finden follte. — Ferner hätte
bei der Zufammenftellung der Abbildungen auf einzelnen Tafeln vielleicht mehr
Rückficht auf den fyftematifchcn Zufammenhang genommen werden können, fo
dafs nicht, wie es hin und wieder vorkommt, Gegenftände von naher Verwandt-
fchaft von einander getrennt und mit entfernter verwandten Dingen vereinigt er-
fcheinen. Mängel diefer Art wird die Abficht entfchuldigen muffen, jede Tafel
fo reich wie möglich auszuftatten und nebenbei auch den Erforderniffen einer
gefchmackvollen Anordnung einigermafsen gerecht zu werden. Schwer werden
fie wohl von Niemanden empfunden, der fich mit der Materie näher vertraut ge-
macht hat, auch,fallen fie um fo weniger ins Gewicht, als das Textbuch, deffen
erftes, die Kunft des Alterthums behandelndes Heft bereits erfchienen, fortan einem
Jedem, der der Führung bedarf, eine verläfsliche Handhabe bietet.

Dem verehrten Freunde, der fich der mühevollen Aufgabe unterzogen, in
gedrängter Kürze ein anfehauliches Bild von der Entwickelung des Kunftgeiftes
bei den alten und neueren Culturvölkern zu entwerfen, gebührt der Dank aller
derer, die an dieferi Bilderbogen noch etwas mehr finden als blofs einen Zeitver-
treib für müfsige Stunden; mehr aber noch der Dank des Unterzeichneten, deffen
geringe Leiftung durch diefe Zugabe erft den rechten Werth und die volle Be-
deutung erhalten wird.

Leipzig, Frühlingsanfang 1879. E. A. SEEMANN.
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