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Bei den kirchlichen Geräthschaften überwiegt iin (7.
und (8. Jahrhundert, wie im Mittelalter und der Renaissance
und leider auch in der Gegenwart, iin Allgemeinen das
Handwerk. Dieselben Formen der Reiche, Monstranzen und
Reliquiarien wiederholen sich stets, oft mit Geschick und nicht
ohne Geschmack gefertigt, eigentlich kunstgewerbliche Arbeiten
finden sich meist nur in den reicheren Pfarrkirchen und
Rlöstern; ihr, allerdings sehr seltenes, Erscheinen in kleinen
Landkirchen wird gewöhnlich durch besondere Stiftungen
motivirt. In Folge der Stempel der Gold und Silber
arbeiten läßt sich die Herkunft derselben häufig feststellen,
wodurch wir erfahren, daß auch eine Reihe kleiner Orte,
wie z. B. Landsberg und besonders Weilhein: für das
Runstgewerbe entschiedene Bedeutung besitzen, das Meiste
auf diesem Gebiete wurde aber auch jetzt noch in Augsburg
produzirt, mit den: München erst iin (8. Jahrhundert be-
deutender in Toncurrenz getreten zu fein scheint, obgleich
sich mehrfach auch gute, ältere Münchner Arbeiten finden.
Interessant für die Gesichtspunkte, welche wir hier
zunächst in's Auge fassen, tritt auch in den kirchlichen Ge-
räthschaftcn der consequent entwickelte, neue Stil erst mit
dem Anfang des (7. Jahrhunderts auf und bildet sich dann
streng der übrigen Runstentwicklung folgend, weiter. Der
Reich behält z. B. die gothische Grundform durch das ganze
(6. Jahrhundert, nur die Rotuli an: Rnauf werden weg-
gelassen; verändert wird im Gegensatz zum Mittelalter
nur das Mrnament, das den Fuß und Rnauf, zuweilen
auch den unteren Theil der Ruppa ziert. Das (7. Jahr-
hundert dagegen bildet die neue, für die Folgezeit inaß
gebende Form; der Reich wird bedeutend größer, namentlich
höher, der stattliche Fuß, der in die Länge gezogene Rnauf
und der Untertheil der Ruppa werden mit Reliefs oder
Gemälden auf Porzellan zwischen reichem Ornament geziert.
Das Ornament stiinmt dabei stets streng mit dem architek-
tonischen gleicher Zeit überein; in einer Periode, die einen
originalen Stil entwickelt, beherrscht dieser eben alles mit
einer Eonsequenz, die mitunter fast unbegreiflich erscheint,
und tritt uns ebenso charakteristisch an dein Reich und der
Monstranz der kleinen Dorskirche wie an dem gewaltigsten
Rirchenbau der Pauptstadt oder eines reichen Rlosters ent
gegen. Gerade die Monstranz ist für die Stilentwicklung
wieder höchst bezeichnend; auch sie hält bis in den Schluß
des (6. Jahrhunderts den so charakteristischen, architektonischen
Aufbau der Gothik fest, ja derselbe klingt zuweilen noch im
Anfang des 17. Jahrhunderts nach, wie bei der Monstranz
von Benediktbeuern (Abbildung S. 8), bald aber schwinden
auch diese letzten vereinzelten Reminiscenzen und gewinnt die
Monstranz eine völlig veränderte Gestalt. Die Durchsicht
mit der Lunula wird von einein Strahlenkränze und dieser
von den reichsten Ornamentranken umgeben, die natürlich
wieder bis in's Rleinste den gleichen Charakter wie die
Stukkaturen und anderes Ornament der Zeit besitzen und
in denen Heilige und Engel angebracht sind. Sehr be-
zeichnend ist der Gedanke des Weilheimer Meisters Anton
Rypfinger, der (698 die ganze Monstranz als Wurzel Ieste
aufbaut (Abbildung 5. 8); wiederholt, so z. B. um (700
in Miesbach, bildet den Griff der Monstranz ein Engel,
der mit ausgebreiteten Armen die in bewundernswerther
Technik ausgeführte, prächtige Umrahmung des Aller
heiligsten trägt. (Schluß folgt.)
Bon Prof. Br. Max Haushofer.
Vortrag, gehalten in: bayer. Runstgewerbe-Verein an: 5. November (8st(.
aun: eine unter den mannigfachen Erscheinungen
des Runstgewerbes ist so uralt, kaum eine so
verbreitet bei den rohesten wie bei den höchst
gesitteten Völkerschaften, als die Trophäe, kaum eine
E, schmückt so wie sic mit gleicher Berechtigung das
(((Ss einsame Zelt des Wüstenräubers wie den modernen
Raiserpalast.
Der Name Trophäe stammt vom griechischen Tpöraxtov;
mui: müßte also eigentlich Tropäc sagen. In: deutschen
^prachgcbrauche aber hat sich der Ausdruck Trophäe, wenn
or auch fehlerhaft ist, eingebürgert, nach dem spätlateinischen
keoptiLuw.
. Sache ist indessen viel älter, als die ältesten hcllen-
llcheu Sprachdenkmäler. Sie existirte bei allen Völkern schon
::: vorhistorische Zeit.
Jn der Blüthezeit der hellenischen Rultur verstand
man unter eine,,, xpoTtaiov ein Siegeszeichen, aus den Waffen
Cl ^ ^senen Feinde bestehend. Diese Waffen wurden
dort, wo der Feind den Rücken gewandt hatte, an Bäumen
aufgehängt oder auf freiem Felde aufgeschichtet. Sie waren
dem Zehe, xp6tox:o$ geweiht und heilig gehalten. In späterer
Zeit und heutzutage versteht man unter Trophäe jede Ver-
wendung von Waffen und Beutestücken zur Verzierung.
Für das in die grauesten Tage der Vorzeit zurück-
reichende Alter der Trophäe sprechen inehrere Gründe.
Einerseits finden wir heute noch Trophäen bei allen
Völkerschaften, welche jetzt noch in jenen rohen Zuständen
leben, in welchen ohne allen Zweifel die europäischen Völker
vor Jahrtausenden lebten. Schild, Speer und Rriegskeule des
erlegten Feindes wird gesammelt, mitunter auch sein Ropf,
sein Skalp oder wenigstens sein Federschmuck. Das Alles
wird dahein: im krause des Siegers oder an Pfählen vor
demselben angebracht, zur eigenen Freude und zun: Schrecken
anderer. Und da die Jagd bei solchen Volkszuständen auch
noch ein halber Rrieg, imnrer aber eine Vorschule für den
Rrieg ist, vereinigt man :nit solchen Beutestücken nicht selten
_/
s München.
Zeitschrift des bayer. Ullnstaewerbe-vereinl
,895. Heft \ * 2. (»3- 2.)
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Bei den kirchlichen Geräthschaften überwiegt iin (7.
und (8. Jahrhundert, wie im Mittelalter und der Renaissance
und leider auch in der Gegenwart, iin Allgemeinen das
Handwerk. Dieselben Formen der Reiche, Monstranzen und
Reliquiarien wiederholen sich stets, oft mit Geschick und nicht
ohne Geschmack gefertigt, eigentlich kunstgewerbliche Arbeiten
finden sich meist nur in den reicheren Pfarrkirchen und
Rlöstern; ihr, allerdings sehr seltenes, Erscheinen in kleinen
Landkirchen wird gewöhnlich durch besondere Stiftungen
motivirt. In Folge der Stempel der Gold und Silber
arbeiten läßt sich die Herkunft derselben häufig feststellen,
wodurch wir erfahren, daß auch eine Reihe kleiner Orte,
wie z. B. Landsberg und besonders Weilhein: für das
Runstgewerbe entschiedene Bedeutung besitzen, das Meiste
auf diesem Gebiete wurde aber auch jetzt noch in Augsburg
produzirt, mit den: München erst iin (8. Jahrhundert be-
deutender in Toncurrenz getreten zu fein scheint, obgleich
sich mehrfach auch gute, ältere Münchner Arbeiten finden.
Interessant für die Gesichtspunkte, welche wir hier
zunächst in's Auge fassen, tritt auch in den kirchlichen Ge-
räthschaftcn der consequent entwickelte, neue Stil erst mit
dem Anfang des (7. Jahrhunderts auf und bildet sich dann
streng der übrigen Runstentwicklung folgend, weiter. Der
Reich behält z. B. die gothische Grundform durch das ganze
(6. Jahrhundert, nur die Rotuli an: Rnauf werden weg-
gelassen; verändert wird im Gegensatz zum Mittelalter
nur das Mrnament, das den Fuß und Rnauf, zuweilen
auch den unteren Theil der Ruppa ziert. Das (7. Jahr-
hundert dagegen bildet die neue, für die Folgezeit inaß
gebende Form; der Reich wird bedeutend größer, namentlich
höher, der stattliche Fuß, der in die Länge gezogene Rnauf
und der Untertheil der Ruppa werden mit Reliefs oder
Gemälden auf Porzellan zwischen reichem Ornament geziert.
Das Ornament stiinmt dabei stets streng mit dem architek-
tonischen gleicher Zeit überein; in einer Periode, die einen
originalen Stil entwickelt, beherrscht dieser eben alles mit
einer Eonsequenz, die mitunter fast unbegreiflich erscheint,
und tritt uns ebenso charakteristisch an dein Reich und der
Monstranz der kleinen Dorskirche wie an dem gewaltigsten
Rirchenbau der Pauptstadt oder eines reichen Rlosters ent
gegen. Gerade die Monstranz ist für die Stilentwicklung
wieder höchst bezeichnend; auch sie hält bis in den Schluß
des (6. Jahrhunderts den so charakteristischen, architektonischen
Aufbau der Gothik fest, ja derselbe klingt zuweilen noch im
Anfang des 17. Jahrhunderts nach, wie bei der Monstranz
von Benediktbeuern (Abbildung S. 8), bald aber schwinden
auch diese letzten vereinzelten Reminiscenzen und gewinnt die
Monstranz eine völlig veränderte Gestalt. Die Durchsicht
mit der Lunula wird von einein Strahlenkränze und dieser
von den reichsten Ornamentranken umgeben, die natürlich
wieder bis in's Rleinste den gleichen Charakter wie die
Stukkaturen und anderes Ornament der Zeit besitzen und
in denen Heilige und Engel angebracht sind. Sehr be-
zeichnend ist der Gedanke des Weilheimer Meisters Anton
Rypfinger, der (698 die ganze Monstranz als Wurzel Ieste
aufbaut (Abbildung 5. 8); wiederholt, so z. B. um (700
in Miesbach, bildet den Griff der Monstranz ein Engel,
der mit ausgebreiteten Armen die in bewundernswerther
Technik ausgeführte, prächtige Umrahmung des Aller
heiligsten trägt. (Schluß folgt.)
Bon Prof. Br. Max Haushofer.
Vortrag, gehalten in: bayer. Runstgewerbe-Verein an: 5. November (8st(.
aun: eine unter den mannigfachen Erscheinungen
des Runstgewerbes ist so uralt, kaum eine so
verbreitet bei den rohesten wie bei den höchst
gesitteten Völkerschaften, als die Trophäe, kaum eine
E, schmückt so wie sic mit gleicher Berechtigung das
(((Ss einsame Zelt des Wüstenräubers wie den modernen
Raiserpalast.
Der Name Trophäe stammt vom griechischen Tpöraxtov;
mui: müßte also eigentlich Tropäc sagen. In: deutschen
^prachgcbrauche aber hat sich der Ausdruck Trophäe, wenn
or auch fehlerhaft ist, eingebürgert, nach dem spätlateinischen
keoptiLuw.
. Sache ist indessen viel älter, als die ältesten hcllen-
llcheu Sprachdenkmäler. Sie existirte bei allen Völkern schon
::: vorhistorische Zeit.
Jn der Blüthezeit der hellenischen Rultur verstand
man unter eine,,, xpoTtaiov ein Siegeszeichen, aus den Waffen
Cl ^ ^senen Feinde bestehend. Diese Waffen wurden
dort, wo der Feind den Rücken gewandt hatte, an Bäumen
aufgehängt oder auf freiem Felde aufgeschichtet. Sie waren
dem Zehe, xp6tox:o$ geweiht und heilig gehalten. In späterer
Zeit und heutzutage versteht man unter Trophäe jede Ver-
wendung von Waffen und Beutestücken zur Verzierung.
Für das in die grauesten Tage der Vorzeit zurück-
reichende Alter der Trophäe sprechen inehrere Gründe.
Einerseits finden wir heute noch Trophäen bei allen
Völkerschaften, welche jetzt noch in jenen rohen Zuständen
leben, in welchen ohne allen Zweifel die europäischen Völker
vor Jahrtausenden lebten. Schild, Speer und Rriegskeule des
erlegten Feindes wird gesammelt, mitunter auch sein Ropf,
sein Skalp oder wenigstens sein Federschmuck. Das Alles
wird dahein: im krause des Siegers oder an Pfählen vor
demselben angebracht, zur eigenen Freude und zun: Schrecken
anderer. Und da die Jagd bei solchen Volkszuständen auch
noch ein halber Rrieg, imnrer aber eine Vorschule für den
Rrieg ist, vereinigt man :nit solchen Beutestücken nicht selten
_/
s München.
Zeitschrift des bayer. Ullnstaewerbe-vereinl
,895. Heft \ * 2. (»3- 2.)


