Bickell, Ludwig [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 1): Kreis Gelnhausen: Textband — Marburg, 1901

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Vorwort.

Chorstühle, einen geschnitzten Levitensitz und Paramentschränke besitzt nnr Gelnhausen.
Wandt ab ernakel des 15. Jahrhunderts finden sich zu Gelnhausen, Orb. Udenhain und
Wirt Ii ei in.

Von Kanzeln ist keine älter als das 16. Jahrhundert. Interessant aber unschön ist die älteste am
1550 zu Kempfenbrunn, die nächstalte zu Kirchbracht ist um 1590 zu setzen. Originell ist die steinerne
Kanzel zu Lichenroth von 1677. welche an die der Schlosskirche zu Büdingen erinnert, die zu Orb ist um
1680 mit der übrigen Innenausstattung entstanden. Von den späteren verdient die elegante zu Cassel und
die mit einer umfangreichen Täfelung verbunden zu Lohrhaupten Erwähnung.

Tauf steine aus dem Mittelalter haben sich nur in Kesten zu Wächtersbach, Orb und Lohr-
haupten erhalten1). Der zu Gelnhausen stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Der Bokalförmige
zu Orb ist 1688, der zu Cassel um 1789 zu setzen.

Von Orgeln ist. nachdem die hochinteressante zu Gelnhausen und die ebenfalls merkwürdige zu
Unterreichenbach, auch die zu Wächtersbacli zerstört sind, nur die zu Lohrhaupten und Orb zu
erwähnen.

Von den (flocken gehören noch 26 der Form und den Inschriften nach dem Mittelalter an. Darunter
ist keine, welche auch nur der Form nach der romanischen Zeit angehören könnte.

Die ältesten sind dem 13. Jahrhundert zuzuweisen: eine kleine Glocke des Meisters Berthold von
Hülm (= Neckarsulm), Sohn des Meisters Burchardj und die schöne Marienglocke desselben Meisters beide zu
Gelnhausen. Auch die inschriftlose grössere (Hocke, zu Altenhasslau gehört hierher.

Dem 14. Jahrhundert, den Inschriften nach, aber ohne Datum, gehören au die Glocken zu I den-
bain (winzige weitgestellte Majuskeln), die drittgrösste der Marienkirche zu Gelnhausen, eine auf dem
Rathaus daselbst (mit dem Alphabeth), und zwei (Hocken zu Wolferborn und Somborn mit rückläufigen
Evangelistennamen in Majuskeln, bei denen Lapidar und Uncialformen abwechseln.

Dem 15. Jahrhundert entstammen die dätirten zu Orb 1452, Orb 1459. Obern dort 1459. Geln-
hausen (heil. Kreuz 1473. .sieben andere zu Birst ein (Schlossthurm), Gelnhausen (Marienkirche. Ave
maria Glocke), Kempfenbrunn, Spielberg, Wirtheim und Wittgenborn sind undatirt. Interessant
sind 7 schöne, dem Beginn des 16. Jahrhunderts angehörige, zu Niedergründau von Hans von Frankfurt
1509, Kirchbracht von demselben 1511, Somborn, der Schrift nach von demselben, 1505. zu Gonsroth
von Peter Gereys 1520. Gelnhausen, kleine Marienglocke um 1510. Schlierbach 1520. aber schon mit
Antiqua, während eine (Hocke zu Somborn noch 1538 eine gothische Minuskelinschrift hat. Aus dem nach-
reformatorischen 16. Jahrhundert ist nur die kleinste Glocke zu Birstein 1597. Von den wenigen (Hocken
des 17. Jahrhunderts sei nur der Giessernameii wegen die zu Altenhasslau von Heinrich Dörr von Hanau
1675. und die zu Wächtersbach von 1'. Michelin (scheinbar ebenfalls zu Hanau) 1661, eine zu Mernes
1683 von Schneidow ind zu Frankfurt, eine von Ulrich, damals noch in Uersfeld, in der Marienkirche zu
Gelnhausen 1696- und eine von .loh. Roth zu Kirchbracht 1971 erwähnt.

Im 18. Jahrhundert sind es besonders die beiden Glockengiesserfamilien Schneidewind in Frank-
furt a. M. und Bach in Windecken, welche die alten (Hocken ersetzen.

Von ersteren rühren zehn Glocken her. Von letzteren neun. Ausserdem kommen vereinzelt vor: .loh.
Lind (zu Flörsbach', .loh. Taller aus München (Gelnhausen auf dem Rathaus).

Im 19. Jahrhundert tritt an die Stelle von Sehneidewind Bartels aus Frankfurt a. M.. giosst aber
nur wenig (2 Glocken). Der Löwenantheil fällt aber der Familie Bach zu. welche in dieser Zeit 21 Glocken
umgegossen hat. Ausserdem sind Henschel und Sohn in Cassel mit zwei. I (rieh in Apolda mit einer, Hamm
in Frankenthal mit zwei. Bostelli in Asciiaffenburg mit zwei, Jäger in Würzburg, Crosse in Dresden. Klaus in
Heidingsfeld, Colier in Zehlendorf, Fischer in Fellen. Buttstädt in Aschaffenburg und lünker in Sinn mit je
einer Glocke vertreten, sodass in diesem Jahrhundert abermals 89 alte (Hocken verschwanden ! !

Vdii Parameiiten und Geweben haben sich nur die beiden prächtigen Antependien zu Gelnhausen
'Tab. 92 und 93) sowie ein Messgewand aus dem Jahre 1595 zu Orb (Tab. 291) erhalten, von liturgischen
Büchern u. dgl. nichts.

Dagegen finden sich mancherlei kunstgewerbliche Arbeiten zum Schmucke der Kirchen, vor allen
Schmiedearbeiten wie die Thürbeschläge zu Orb (Tab. 276. 277, 290 und 304) und Thurmkreuze, von

') Nach Vollfeüdüiig des Tcxtdnickcs fand der neue Pfarrei- dortselbs* in dem lim-f die Reste eines Tanlstlemes, welche
noch auf Tab. 250 abgebildet werden konnten. '-) ältester Nachw eis dieser Olockciiüiesserfainilie!
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