Bickell, Ludwig [Hrsg.]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 1): Kreis Gelnhausen: Textband — Marburg, 1901

Seite: 147
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Hailer. Hausen.

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Die Todtencapelle

liegt annähernd in der Mitte der Südseite des Ortes und ist ein origineller maleriseher thurmähnlicher Bau mit
hölzernem Obergesehoss (Tab. 238). Leider ist das bei der Aufnahme 1895 noch unvertünehte Fachwerk jetzt
gänzlich durch einen hässlichen Spritzbewurf entstellt, seit man das Ganze als Spritzenhaus nützlich verwendet hat.

Im Innern befindet sich auf der Nordseite über der Eingangsthüre eine kleine Empore und auf der
Westseite stand eine jetzt zerlegte steinerne Kanzel, welche auf einer achtseitigen Säule ruhte, deren glocken-
förmiger Aufsatz in die kräftig profilirte Grundplatte Uberleitet. Auf der mittleren der von einfachem Rahmen-
profil umgebenen Füllungen ein Isenburgisches Wappen, auf dem Säulenkopf die Inschrift GEN. | INF. j ORS. j 1743 |
Diese Buchstaben bedeuten, wie sich unten bei der Glocke zeigt, die Initialen der Namen der zeitigen Gerichts-
schöffen. Auch auf dem verkröpften flachen Rahmen der Thüre steht eine solche Inschrift GEH. HBFS. 1743.

Glocke hängt in dem Dachstuhl, hat 0,59 unterer Durchmesser, 0,46 m Höhe und zwischen Riemchen
in Grossbuchstaben die Inschrift:

IOHANN GEORG BACH IN WINDECKEN GOSS MICH 1793 | ALS GEORG HA IL CARL STICHEL CONR.
HIRCHENHAIN GERICHTS SCHÖFFEN | VND IOHANN HEINRICH WEBER GESCHWORNER WAREN.

Ziehbrunnen mit runder Einfassung und steinernem Rollengestell haben sich noch mehrfach erhalten,
bieten aber keine ungewöhnlichen Formen. Einer derselben von 1775 (I) wird mit dem Holzbau Nr. 6 in den
hessischen Holzbauten dargestellt sein.

In Privatbesitz zu Hailer hat sich ein von einem Zimmermaler J. G. Hartmann 1853 angeblich nach
einem alten Original copirtes Aquarell erhalten, welches inschriftlich „die Weiskirche wie sie war in der Hailerer
Gemarkung bei Altenhaszlau" darstellt. Der Bau besteht aus einem niedrigen Schiff mit vier Spitzbogenfenstern
und Spitzbogenthüre, an das sich ein dicker quadratischer Thurm mit dünnen runden Kantenthürmchen anschliesst.
Diese laufen in besondere Dachhelme aus, zwischen denen ein runder Mittelthurm mit Kegeldach aufsteigt.
An den Seiten kragen zwischen Spitzbogenfenstern kleine Apsiden im Niveau des zweiten Stockwerkes aus, zu
dem eine Freitreppe emporführt.

Weder urkundliche Nachrichten noch sichtbare Mauerreste bezeugen die Realität dieser scheinbaren
Phantasiearchitektur, doch konnten für die Sammlung des hessischen Geschichtsvereins gepresste gothische
Ziegelfliesse bei einem andern Einwohner erworben werden, welche auf dem Acker gefunden sind, auf welchem
die Capelle gestanden haben soll. Eine Copie der Malerei wurde auf alle Fälle genommen, von einer Repro-
duktion aber zunächst abgesehen.

Hausen.

Weiler, 3'/4 Stunde nordöstlich von Gelnhausen mit den Resten der Burg Hausen und mit dem zuge-
hörigen Hofgut.

Der Name in älteren Urkunden husen ist nach Arnold (p. 390, 392) von hus haus abzuleiten. Der
Ort liegt im ehemaligen Bezirk der Kirche zu Salmünster, wie er in verschiedenen wesentlich gleichlautenden
Ueberlieferungen um 900 beschrieben wird (Urk. I, p. 20). Es ist desshalb wohl anzunehmen, dass die Wasser-
burg Hausen schon früher zum Schutz des Klosters Salmünster von Fulda angelegt, und an geeignete Adels-
familien verliehen wurde, doch findet man sie erst um 1345 im Besitz der fuldischen Familie von Bimbach,
welche sie damals an Friedrich von Hutten verkaufte (Arnd p. 324, nicht im Urkb.). Die Familie v. Hutten
war im 14. Jahrhundert auf der Höhe ihrer Macht, und vereinigte ein erhebliches Territorium in ihrer Hand,
da sie um 1390 (resp. 1435) von Mainz pfandweise die Dörfer Alsberg, Oberndorf, Ffaffenhausen, Burgjossar
Schönhof und von Fulda zu 4/n auf Wiederkauf die Stadt Salmünster, Soden, Burg Stolzenberg erwarb. Doch
schon 1540 war sie genöthigt Hausen und Burgjossa nebst den fuldischen Orten Salmünster u. s. w. an das

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