Weber, Paul [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 5): Kreis Herrschaft Schmalkalden: Textband — Marburg, 1913

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Münzen.

Aber diese Veräußerung war nur von kurzer Dauer. Bereits am 3. November 1505 kündigte der
Landgraf dem Grafen Wilhelm die Pfandschaft und das Verweseramt für den 22. Februar 15061)
und mit letzterem Tage traten die früheren Beziehungen wieder in Kraft.
Infolge des am 10. April 1521 zwischen Henneberg-Schleusingen und Hessen abgeschlos-
senen Erbvertrages2) fiel nach dem Tode des letzten Grafen von Henneberg, Georg Ernst, die
hennebergische Hälfte von Schloß, Stadt und Amt Schmalkalden an Hessen-Cassel, das von den
sonstigen Erben der Grafschaft Henneberg, dem Kurfürsten und den Herzögen von Sachsen, auch
die Vogtei Herrenbreitungen und die halbe Cent Benshausen zugesprochen erhielt3), welch letztere,
und zugleich Barchfeld, im Jahre 1619 gegen das Amt Hallenberg mit den darin befindlichen Dörfern
von Hessen an Kursachsen ausgetauscht wurde4). Im Jahre 1589 hatte Hessen auch Schloß und
Gericht Wallenburg, das zuletzt der Abtei Hersfeld gehörte, erworben5).
Die so erweiterte Herrschaft Schmalkalden blieb ein Bestandteil der Landgrafschaft, späteren
Kurfürstentums Hessen-Cassel, bis die Ereignisse des Jahres 1866 dem Kurfürstentum Hessen
ein Ende bereiteten. Seitdem gehört sie als Kreis Schmalkalden zum Regierungsbezirk Cassel der
preußischen Provinz Hessen-Nassau. Koch.

Münzen der Herrschaft Schmalkalden.
Dr. H.Buchenau, Konservator am Kgl. Münzkabinett zu München, hat die auf Tafel 5
wiedergegebene Zusammenstellung von Prägungen freundlichst für unser Inventarwerk gezeichnet
und dazu folgende Erläuterungen zur Verfügung gestellt:
„Die Tafel bringt eine Auswahl der wichtigsten Typen mit knappen Erläuterungen. Eine
ausführlichere Beschreibung der Schmalkalder Münzen hat Verfasser für die von ihm herausgegebene
numismatische Monatsschrift „Blätter für Münzfreunde", Verlag C. G. Thieme, Dresden, zu-
sammengestellt. Die Abbildungen sind um ein Viertel verkleinert. Nr. 1—3 sind aus hoch-
haltigem Silber; Nr. 4—27 aus legiertem Silber.
Ältere Henneberger Gepräge.
1.—3. Gräflich hennebergische Hohlpfennige (Brakteaten) nach Art der landgräflich thü-
ringischen Reiterbrakteaten, um 1250—1300, aus einer Thüringen benachbarten Münzstätte,
wahrscheinlich Schmalkalden6).
4. Pfennig mit „Vierschlag" nach Regensburger Art. Um 1380. Ein großes S.) (Zwei
Fürstenköpfe in zwei Giebeln7).

1) Urkunde ebenda, in den Akten Sectio II, B 27 (d).
2) Urkunde ebenda, Nr. 2164; Schultes, a. a. O. II, 142.
3) Schultes, a. a. O. II, 359—362.
4) Ebenda 363.
5) Wagner, Geschichte der Stadt und Herrschaft Schmalkalden, 170.
6) Die Deutung dieser Hohlmünzen auf Schmalkalden wurde von Dr. Fikentscher angeregt. 1250 Erwähnung
eines Adolfus Monetarius zu Schmalkalden.
7) Die von Fikentscher auf Elisabeth, Gräfin von Henneberg-Schleusingen, Inhaberin von Schmalkalden
1359—61 zusammen mit den Landgrafen Heinrich II. und Otto von Hessen, gedeuteten Pfennige Regensburger Art mit
6, h, O sind erst in der Münzverwirrung unter König Wenzel (1378—1400) entstanden und wahrscheinlich der Gräfin
Elisabeth von Wirtenberg als Inhaberin der Münzstätte Höchstädt a. d. Donau zuzuschreiben.
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