Weber, Paul [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 5): Kreis Herrschaft Schmalkalden: Textband — Marburg, 1913

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Kunstgeschichtliche Ubersicht. Burgen.

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Kunstgeschichtliche Ubersicht.
1. Burgen.
Zu den ältesten erhaltenen Denkmälern der Herrschaft Schmalkalden gehören einige Be-
festigungsanlagen, die nur Erdwerk aufweisen. Das sind: die sogenannte Rupprechts- Tafel 20
bürg auf dem Ruppberge (siehe unter Oberschönau) und die Falkenburg bei Seligenthal
(siehe unter Seligenthal). Die Zeit ihrer Entstehung müßte durch eingehende Nachgrabungen
festgestellt werden. Nach wissenschaftlichen Grundsätzen sind solche bisher noch nicht erfolgt.
Es ist nicht Aufgabe eines Inventars, über die Konstatierung des jetzigen Bestandes in Wort und
Bild hinaus alle solche Einzelfragen zu lösen, wohl aber zu ihrer Lösung anzuregen. Verschiedene
Gründe scheinen dagegen zu sprechen, daß wir es bei diesen beiden Befestigungen mit Rittersitzen
des Mittelalters zu tun haben. Tafel 26
Außer diesen beiden Anlagen finden sich noch zwei in der Herrschaft, die über ihre Ent-
stehungszeit durch steinerne Überreste keinen Aufschluß geben: die Burg bei Brotte-
rode, die im Mittelalter zur Deckung der wichtigen Paßstraße übers Gebirge diente, und der von
breitem Graben umgebene Hügel inmitten des Dorfes Fambach, im Mittelalter höchstwahrschein-
lich Sitz eines Herrengeschlechtes von Fambach, vielleicht schon eine frühgeschichtliche Be-
festigung.
Die Moosburg bei Rotterode besteht nur aus einem Felsen mit doppeltem Graben davor.
Doch ist sie als bewohnte Burg für das 13. Jahrhundert urkundlich nachgewiesen.
Für die mächtige Burganlage am Werraufer in Burgbreitungen (dem heutigen Herren- Tafel 34
breitungen) läßt sich die Entstehung in frühgeschichtlicher Zeit als thüringische Grenzfeste und als
Sperre für die Werrastraße mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen. Im frühen Mittelalter stand
vielleicht eine kaiserliche Pfalz auf dem steilen Uferhange. Im 11. Jahrhundert wandelt sich die
Burg in ein Kloster, im 16. Jahrhundert das Kloster in ein neuzeitliches Residenzschloß um. Aus
jedem dieser Zustände bis zurück ins 10. oder vielleicht sogar 9. Jahrhundert haben sich Überreste
erhalten.
Von der ehemaligen Wasserburg in dem schon 933 urkundlich genannten Barchfeld, Tafel 21
an einer wichtigen Kreuzung von Heerstraßen gelegen (vielleicht auch einst eine thüringische Grenz-
feste), ist nur der Stumpf des ehemaligen Hauptturmes aus dem Mittelalter erhalten, während die
Wohngebäude sich in zwei neuzeitliche Schlösser, die Gräben in Gärten wandelten.
Die dritte Feste am Werraufer, die Todenwarth, gegenüber Wernshausen am Eingang
zur „Landwehr" auf steilem Felsenrande gelegen, könnte ihrer Lage nach wohl auch eine früh-
geschichtliche Grenzwarte gewesen sein. Doch tritt sie erst in der zweiten Hälfte des Mittelalters
urkundlich hervor. Von älteren Baulichkeiten ist nur der Mauerzug (aus dem Mittelalter) und eine
große Torfahrt (aus der Renaissancezeit) erhalten.
Die alte Burg in Schmalkalden, neuerdings meist als „Wallrabsburg" bezeichnet,
einst eine bedeutende und starke Feste, in welcher jahrhundertelang die Henneberger residierten,
die auch den fürstlichen Gästen der Schmalkalder Tagungen in der Reformationszeit noch als
Absteigequartier diente, fiel leider bis auf geringe Reste dem Neubau der Wilhelmsburg 1584
zum Opfer.
Von dem Hause Hallenberg (der sogenannten „Hallenburg") über Steinbach-Hallen- Tafel 56
berg steht noch der runde Hauptturin und der stark verfallene Palas, während die übrige Burg-
anlage wenigstens in ihren Grundzügen noch erkennbar ist. Die einsam auf waldiger Höhe gelegene
Wallenburg über dem Orte Auwallenburg hat ihren prachtvollen Bergfried in guter Erhaltung Tafel 19
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