Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. 4.

scheinen will, sehr zutreffend der alten Ley/
dener Malerschule zu und läßt durchblicken,
daß er an C. Engelbrechts denkt.

Zu einer Notiz aus Hamburg, die im
ersten Heft meiner Blätter für Gemäldekunde
erschienen ist, trage ich heute die Abbildung
nach. Sie bringt die Farbenskizze des Giovanni
Battista Tiepolo, die im vorigen Jahre durch
Konsul Weber in Hamburg aus dem
Wiener Versteigerungsamte erworben wurde.
Für die Benützung des Klischees habe ich der
Leitung des genannten Amtes meinen ver^
bindlichen Dank abzustatten.

TODESFÄLLE.

Landschaftsmaler Karl Wilhelm Müller ge-
storben zu Dresden 24. April (Seemanns Kunstchronik,
Sp. 395)* — Anfangs Mai starb Maler Fritz Mayer
zu Graz („Die Zeit“ vom 6. Mai 1904). — Am 10. Mai
starb in Wien Herr Sektionschef Dr. Alfred Braun-
hofer Edler von Braunhof, Besitzer einer beachtens-
werten mannigfach zusammengesetzten Gemälde-
sammlung. Holländische Bilder, wie ein frühes Werk
der Rachel Ruysch, ein kleiner guter Klaes Molenaer,
ein Toorenvliet, mehrere interessante Vlamen, z. B.
eine Lagerszene von * AL • C ♦ (etwa Al. Coosemans)
und Deutsche des XVIII. Jahrhunderts: Norb. Grund,
Seekatz, Kupetzky (wohl vom Meister selbst: Flöten-
spieler mit Bärenmütze), Fr. W. Tamm, Hirschely
sind erwähnenswert. — Im Laufe des Mai starb der
Maler LucienSergent in Paris (nach Journal des
arts vom 25. Mai und Ghronique des arts et de la
curiosite vom 28. Mai). — Am 30. Mai verschied im
85. Lebensjahre zu Baden bei Wien Dr. Hermann
Rollett, der Dichter und Kunstgelehrte, der Jahr-
zehnte lang in Baden als Stadtarchivar und Kustos
des Museums eine erfolgreiche Tätigkeit entfaltete.
Sein Werk über Goethes Bildnisse ist allbekannt.
Rollett war ein emsiger Sammler von Gemmen, über
die er auch geschrieben hat, von Zeichnungen und
Kunstdrucken. Er hat seine Sammlungen der Stadt
Baden vermacht, doch verbleiben sie vorläufig noch in
der Familie. — Im Laufe des Winters wurde der
35jährige Maler Gloffka in Okahandja von den
Hereros ermordet (Neue Freie Presse vom 9. Juni
1904). — Um die Mitte des Juni starb zu Paris der
Emailmaler Alfred Meyer (Ghronique des arts et
de la curiosite vom 18. Juni).

BRIEFKASTEN.

Mehr eren Fragern muß ich mitteilen, daß
die Beantwortung ihrer Briefe ganze Abhandlungen
erfordern würde, je eine oder mehrere Lieferungen
stark. Derlei Auskünfte können nur unter besonders
günstigen Umständen gegeben werden, so gerne ich
auch die Wünsche der Fragenden berücksichtigen
will. Danach bitte ich auch die folgende, ganz ge-
drängte Antwort auf eine weit ausgedehnte Frage zu
beurteilen.

Herrn R. L. zurzeit in S. Sie fragen nach
dem Alter, der Geschichte und dem Wesen der Pano-
ramenmalerei. Über Alter und Geschichte geben
Ihnen einigermaßen die Biographien des älteren
(1739—1806) Malers Bark er und seines Sohnes (1774

bis 1856) sowie die Lebensläufe der beiden Maler
Sattler Auskunft (der ältere Joh. Michael ist geboren
am 28. Oktober 1786 und gestorben am 28.„Oktober
1847; der jüngere lebte von 1817—1904)» Über die
Christoph Suhrsehen Panoramen finden Sie Be-
achtenswertes in Hormayrs Archiv für Geschichte,
Geographie usw. von 1830, S. 340. Ich notierte auch
Germain Bapst: Essai sur l’histoire des Panoramas
et de Dioramas. Paris 1891. Die Autobiographien des
jüngeren (Hubert) Sattler ist abgedruckt in der Wiener
„Montagsrevue“ vom 6. Juni 1904. Das Wesen der
malerischen Darstellung von Panoramen besteht in
der geschickten Aneinanderreihung von Ansichten, die
alle mit gleich hohem Horizont konstruiert sind, die
aber mehrere verschiedene Augenpunkte benützen
und auf die regelmäßige Krümmung der Bildfläche
berechnet sind. Die Höhe des Horizonts entspricht
selbstverständlich der Höhe, in der sich das Auge
des Beschauers befindet. Moderne Panoramen be-
nützen plastisch ausgeführte vordere Gründe, um
die Illusion zu verstärken.

Herrn Dr. L. v. B. Florenz. Ihre Angelegen-
heiten interessieren mich. Näheres soll in Florenz
nach Besichtigung der Bilder besprochen werden.

Herrn F. i n W r. N. In bezug auf Führungen
und Wanderungen durch die Wiener Galerien ist
noch keine Entscheidung getroffen.

Herrn R. M. Berlin. Bitte, beachten Sie, daß
sich der Schönb or n-Wiesenth ei d sehe Gemälde-
besitz in Bayern befindet und daß in Wien die Ga-
lerie Schönborn-Buchheim zu sehen ist (NB. Gegen-
wärtig Montag, Mittwoch und Freitag von 10 bis
3 Uhr).

Herrn Dr. G. H. in Wb. Die gesendete Photo-
graphie macht mich begierig, das Original kennen zu
lernen. Sie verbleiben doch in Wb.?

Mehreren Hörerinnen des „Athenäums“. Für
den Herbst habe ich weder einen Kurs über Gemälde-
kunde, noch einen über Galeriekunde angekündigt,
sondern einen über „Galerienkunde“. Man sagt nicht
Warekunde, sondern Warenkunde usw.

Herrn B. S. in Wien. Sie fragen nach Rauch-
malerei und Rauchbildern. Rauchmalerei wird ge-
wöhnlich auf Glas oder Porzellan ausgeführt. Man
bringt durch Auspinseln und Auskratzen dünn be-
rußter heller Flächen eine gewisse künstlerische
Wirkung hervor, nicht ganz unähnlich den Effekten
bei der Schabkunst (Maniere noire). Das fertige
Rauchbildchen kann durch Lacke oder Firnisse fixiert
werden. Rauchmalerei wird zumeist nur von Dilet-
tanten ausgeübt.

Das verspätete Erscheinen der
vierten Lieferung und das Aus/
fallen mehrerer Rubriken wird
durch eine störende Erkrankung
desAutors entschuldigt. Die fünfte,
längstvorbereiteteLieferungdürfte
im Laufe des August heraus^
kommen.

Für unverlangte Einsendungen wird keine Bürgschaft geleistet. Preis dieses Heftes 1 Krone 20 h = 1 Mark.
Klischees mit geringen Ausnahmen von der „Graphischen Union“. Druck von Friedrich Jasper in Wien,
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