Blümner, Hugo
Archaeologische Studien zu Lucian — Breslau, 1867

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Erstes Kapitel.

Luciaiis Urtheile über Kunst, Künstler und Kunstwerke.

§1.

Die Bildhauer.

Die Bildhauer der ältesten Zeit können wir liier füglich übergehen:
nämlich Dadalus (Philops. 19) und Perilaos oder Perillos (Phal.
prior. 11 sqq.); sie werden nur beiläufig erwähnt und bieten an sich,
zumal ihce Wirksamkeit mehr dem Mythus, als der Kunstgeschichte
angehört, kein besonderes Interesse dar.

Die ältesten Künstler, von denen Lucian ausführlicher spricht
und deren Eigenthümlichkeit er betont, sind Hegesias, Kritios
und Nesiotes, die Rhet. praec. 9 als „Künstler des alten Stils," rrjg
naXaiäg sgyadag, zusammen erwähnt werden. An jener Stelle ist
von einem Redner der alten Schule die Rede; Lucian räth einem
Jünglinge, der sich an ihm mit der Frage, wie er Rhetorik treiben
solle, gewandt hat, in ironischem Tone, er möchte sich vor diesen
alten Rednern in Acht nehmen: thü 6s y.tXivöu tqXovv sxslvovg
Toiig aQ%cdov$ avögag, eaXa naQadti'yfiata iKXQari&elg zcov Xoycav
ov qÜöik fujuEiööm, ola r« r^s naXuiäg egyaoLag iöxiv, Hyrjoiov
xal äfiyl Kqulov xal Ntjöieirqv, aniöyiyjuev« xal vtvQcoöt]
xul 6xli]Qcc xcci d%Qißc5g KTCotETafieva ralg ygafifialg. l)

l) Sehr mit Unrecht hat Sommerbrodt an dieser Stelle conjicirt und änoTS-
rfirniiva für &7iOT£ra[iha geschrieben. Einige andere Stellen des Lucian zeigen
deutlich, dass ärorsivsiv rüg ypK/i,uus ein den alten Kunstschriftstellern sehr
geläufiger Ausdruck war, der nach Zeux. 5 direct zur Terminologie der Künstler
gehörte und ungefähr dieselbe Bedeutung hatte, wie unevftvvHV (vgl. Imagg. 12).
So wird von Gemälden gesagt: otnozilvai rag yQafifius ig rö iv&vtcctov,
(Zeux. r>), und von der knidischen Aphrodite heisst es (Amor. 14): firjQov rf
«al wrj/xrjg in tv&i) TEta/lhmg &y,Qi noSbg rjKQißa)[i£voi Qv&fiol. Namentlich
die letztere Stelle zeigt deutlich, dass die Lucianische Bezeichnung der Werke
des Hegesias etc. keineswegs auf die Härte und geringe Vollendung dieser archa-
ischen Werke, sondern auf ihre Trefflichkeit hinsichtlich des ßtifl/tös, der
Proportion, zu beziehen ist.
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