Blümner, Hugo
Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künste bei Griechen und Römern (Band 4) — Leipzig, 1886

Seite: 302
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Hainruers oder eines Kegels. Ein entsprechendes Geräth, aus
römischen Funden von Chatelet in Frankreich herrührend,
bilden wir hier Fig. 46 (nach Daremberg et Saglio I,
793 Fig. 959) ab; dasselbe inusste, um benutzbar zu sein, auch
noch irgend eine Handhabe oder Griff haben. Aus den
gleichen Ausgrabungen rührt Fig. 47 (Daremberg ebenda
Fig. 958) her, möglicherweise ein Löthrohr. Das Löthrohr,
dessen sich heut noch die Goldarbeiter bedienen, ist ein recht-
winklig gebogenes, etwas konisches Metallrohr zum Anblasen
der Flamme; sein Zweck ist, durch Hineinblasen in die
Flamme derselben eine bestimmte Richtung zu ertheilen und
sie nach derjenigen Stelle hinzuleiten, welche gelöthet werden
soll. Freilich ist die Form des modernen Löthrohres etwas
abweichend von der des hier abgebildeten Geräthes; nament-
lich ist die Mundöffnung nicht so stark erweitert, wie bei
Fig. 47, und die andere Oeffnung, die in die Flamme gehalten
wird, ist rund und klein, während sie hier eckig zu sein
scheint. Es muss also dahingestellt bleiben, ob man in diesem
Geräth wirklich ein Löthrohr. zu erkennen hat. In einem
Epigramm der Anthologie, welches die Geräthe des Gold-
schmieds namhaft macht, wird das Löthrohr mit dem Namen
auXöc KajuiveuTip bezeichnet1); es scheint dies die einzige Er-
wähnung des Werkzeugs zu sein. Antike Darstellungen des
Verfahrens fehlen, da die hierfür gehaltenen ägyptischen,
wie oben erwähnt, anders zu deuten sind.

Die verschiedenen Arten der Metallarbeit nach den

einzelnen Metallen betrachtet.

§ 16.
Arbeit in Gold und Silber.2)

Die Arbeit in edeln Metallen ist in der heutigen Praxis
der Gewerbe vielfach vereint; wir unterscheiden zwar auch

*) Anth. Pal. VI, 92. Dass das Löthrohr lat. calamus geheissen

habe, ist nur eine Vermuthung von Saglio bei Daremberg I, 812.

2) Vgl, IIg- u. Bucher in Buchers Gesch. der technischen Künste
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