Boehlau, Johannes
Aus ionischen und italischen Nekropolen: Ausgrabungen und Untersuchungen zur Geschichte der nachmykenischen griechischen Kunst — Leipzig, 1898

Seite: 151
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4. Unbemalte Vasen. 151

mendes ist Revue 1894 II S. 266 publiciert. Von ihm stechen die plumpen Schälchen
aus dem Kindergrab Tafel VIII. 1 sehr ab, die mit roten Streifen auf Thongrund vier-
ziert sind.

Wie aus den Schalen, so scheint nach Mafsgabe der S. 126 citierten Darstellungen
auch der Kelch Tafel VI. 1 zu Grabesspenden benutzt worden zu sein. Nicht zum Trinken
eingerichtet und für Aufnahme fester Gegenstände, der Kuchen und der Früchte, wenig
geeignet, ist er vielleicht für den Honig benutzt worden, der zu den Totenspenden gehörte.
Über seine Form ist bei Gelegenheit des kyrenäischen Exemplars gesprochen; rotthonig
mit Streifen kommt er noch einmal in Miniatur in der Nekropole vor.

Den Schlufs des Kapitels möge der kantharosartige Becher Tafel VII. 1 bilden. Ob-
wohl er in einem Sarge gefunden wurde, der sich durch nichts von den sonst üblichen des
6. Jahrhunderts schied (S. 48), wird er doch einem jüngeren Jahrhundert angehören und
von einer vereinzelt gebliebenen späteren Benutzung des Friedhofs herrühren. Formen-
gebung und Technik sind keine archaische, sondern stellen ihn zu den apulischen Vasi
di Gnathia. Deren Zeitbestimmung liegt noch ganz im Argen, und so können wir ihn
nur annähernd datieren. Ich würde ihn etwa der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts zu-
weisen.
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