C. G. Boerner, Auktions-Institut, Kunst- und Buchantiquariat <Leipzig> [Hrsg.]
Katalog der Goethe-Bibliothek des verstorbenen Freiherrn Woldemar von Biedermann sowie einer wertvollen Sammlung deutscher Literatur der klassischen und romananischen Periode, Stammbücher: Versteigerung 13 .- 15. November [1905] (Katalog Nr. 81) — Leipzig, 1905

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Die wertvolle Bibliothek, die der 1903 verstorbene Literaturkenner, Goethe-
forscher und hochverdiente Schriftsteller Woldemar Freiherr von Biedermann
in Dresden, im Laufe eines langen, arbeitsreichen Lebens gesammelt und wahr-
lich nicht bloß gesammelt, sondern ausgiebig und erfolgreich benutzt hatte,
umfaßt als kostbarsten Bestandteil eine reichhaltige nahezu vollzählige Sammlung
Goethischer Dichtungen und Schriften und der ausgebreiteten erläuternden,
historischen, ästhetischen und kritischen Literatur, die dem Dichter, seinen Zeit-
genossen und seiner Zeit gewidmet ist. Es bedarf keiner Auseinandersetzung,
welche tiefe Vertrautheit mit Leben und Werken Goethes, welche lange, Jahr-
zehnte hindurch bewährte, liebevolle und eifrige Aufmerksamkeit des Kenners
und Sammlers, welche Zeit, Mühe und Kosten nicht scheuende Beständigkeit
dazu gehört hat, um einen Bücherschatz, wie Biedermanns Goethe-Bibliothek,
zusammenbringen. Der einfache Vergleich des Katalogs seiner Sammlung mit
dem Katalog der berühmten Hirzelschen Goethe-Bibliothek ergibt, daß die
gleiche Begeisterung und Hingebung hier beinahe gleiche Resultate gezeitigt hat.
Ist es Biedermann nicht möglich gewesen, ausnahmslos alle Erwerbungen Hirzeis
auch für 'Seine Sammlung sich anzueignen, so fehlen doch nur wenige Nummern,
für die das Vorhandensein einiger Seltenheiten, die selbst in Hirzeis Schätzen
nicht vorhanden sind, entschädigen mag. Die Goetheliteratur nach Umfang
und Mannigfaltigkeit, wie nach innerer Bedeutung nicht nur zu kennen, zu be-
herrschen, sondern sie zu besitzen, ist seit etlichen Jahrzehnten das Streben gar
Vieler. Aber der Verfasser der „Goethegespräche“, „Goetheforschungen“ und
einer fast unübersehbaren Reihe von Einzelarbeiten auf seinem Lieblingsgebiet,
gehörte zu den glücklichen Vorläufern der heutigen Sammler, die eine gewisse
Vollständigkeit nicht bloß wünschen und erstreben, sondern auch erreichen
konnten.

Gewiß wäre es von Vorteil gewesen, wenn sich eine große Bibliothek oder
Sammlung zum Ankauf der Biedermannschen Bibliothek, mindestens der Goethe-
bibliothek, entschlossen hätte und nicht ohne Wehmut sieht man ein Ganzes,
dessen Gewinn und Erwerb so viel geistige Arbeit und reine Freuden eines
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