Braun, Joseph
Handbuch der Paramentik — Freiburg i. Br., 1912

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Erster Abschnitt, AUgemelr

liehen Darstellung. Diese Zengstückchen
heißen Appliquen, weshalb auch die
Aufnahstickerei mit anderem Namen Appli-
kationsstickerei genannt wird (Bild 19).
Vor dem Aufnähen müssen die Appliquen
dem Stickgrund aufgeklebt werden. Das
Aufnähen selbst geschieht durch Flecht-,
Schlingen-, Ketten- oder einfache Nähstiche,
hei Blättern und Blumen auch durch längere,
strahlenartig rings um den Rand herum an-
gebrachte Abhcftstiche. Ihm folgt dann die
Gliederung und Belebung der aufgesetzten
Applique durch Einsticken, z. B. der Adern bei Blättern, des Kerns, der
Staubgefäße usw. bei Blumen, der Falten und Schattierungen bei Gewändern,
des Details bei Gesichtern, Händen, Füßen, wozu man sich gewöhnlich des
sog. Stielstiches, des Kettenstiches oder aufgesetzter Goldfäden bedient.
Mosaikstickerei wird die Applikationsstickerei genannt, wenn die Zeich-
nung, z. B. ein Wappen, eine Figur, eine Gruppe, ausschließlich oder doch
fast ausschließlich in Aufnäharbeit hergestellt wird. Natürlich erheischt die
Mosaikstickerei, um voll wirken zu können, große Zeichnungen und darum
auch große Flächen, wie solche z. B. Fahnen, Wandbehänge und Ante-
pendien bieten, Eine Abart der Mosaikstickerei ist die Intarsien-
stickerei, bei welcher die Appliquen nicht dem Grundstoff aufgenäht,
sondern eingesetzt werden. Sie hat ihren Namen von der ähnlichen
Marmor- und Holzarbeit (Marmor- und Holzintarsien).

Die Lasurstickerei entspricht der Lasurmalerei, bei der be-
kanntlich einem farbigen oder goldenen Grunde durch eine dünn
aufgetragene, durchsichtig wirkende Farbe ein besonderer Ton gegeben
wird. Bei der Lasurstickerei wird solches allerdings nicht durch Auf-
trag einer Farbe auf den durch abgeheftete Goldfäden gebildeten Gold-
grund erzielt, sondern durch Über-
sticken mit sog. Überfangstichen,
die, je nachdem sie mehr oder
weniger dicht zusammenstehen, den
Goldgrund weniger oder mehr zum
Vorschein kommen und wirken
lassen. Bei den feinsten Lasur-
stickereien werden die Goldfäden
des Fonds einzeln überstickt, sonst
gewohnlich je zwei zugleich. Die
Fäden, welche zum Übersticken
gebraucht werden, müssen, um
auf dem Goldgrund genügend zu
wirken, von satter, kräftiger Farbe
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