Braun, Joseph
Handbuch der Paramentik — Freiburg i. Br., 1912

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- Abschnitt. Die liturgische Gewandung.

Die Bischöfe wie alle,
welche sich der PontifYkal-
kleidung bedienen dürfen,
tragenden Pileolus, der eben-
deshalb submitrale heißt, auch
unter der Mitra. Zu Beginn
des 14. Jahrhunderts war das,
wie sich aus Kap. 48 und 53
des Ordo Jakobus Gajetanus'
ergibt, noch nicht üblich,

Bild ii Vom Grabmal Kleinem' VI La Chflise-Dieu W0"' a^er ^eiT1 Ordo ^eS

Petrus Amelii (Kap. 144) zu-
folge bei Ausgang desselben. Der Brauch bildete sich demnach im
Laufe des 14. Jahrhunderts, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach noch
vor 1350. Denn wir finden den Pileolus, wenn auch nicht unter der Mitra,
so doch unter der Tiara schon bei der Grabfigur Klemens' VI (f 1352)
zu La Chaise-Dieu (Bild 119). Im 15. Jahrhundert war die Sitte bereits
weit verbreitet, wie zahlreiche Bischofsdarstellungeo aus dieser Zeit, zumal
die Bischofsfiguren der Grabmonumente, bekunden, auf denen wir unter der
Mitra deutlich den Pileolus gewahren. Allgemein wurde sie freilich erst
im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts. Der hl. Karl schrieb vor, es
müßten in der Kathedrale für den Bischof vier submitralia vorhanden
sein. Sie sollten aus Wollzeug bestehen und rund sein, nicht viereckig,
wie das gewöhnliche Bireit. Der Pileolus des 14. und 15. Jahrhunderts
bedeckte den ganzen Hinterkopf und zeigte an den Seiten laschenartige
Erweiterungen, welche die Uhren völlig oder doch fast völlig verhüllten.
So erscheint er schon bei der Grabfigur Klemens' VI. Den Kardinalen
verlieh den roten Pileolus Paul II. 1464, ausgenommen diejenigen aus
einem Grden mit besonderer Ordenstracht, welche ihn erst 1591 durch
Gregor XIV. erhielten. Den Bischöfen gestattete den violetten 1867
Pius IX. Die Zeit der Ingebrauchnahme des Pileolus läßt sich nicht be-
stimmen.
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