Martin Breslauer <Berlin> [Editor]
Bücher-Sammlung des † Herrn Professor Dr. Carl Schüddekopf: Versteigerung vom Montag, den 23. bis Sonnabend, den 28. September 1918 — Berlin, 1918

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sonders zusammengekauft wurden, oder gar, daß wenig bedachte Ver-
steigerer übermäßige Schätzungspreise und Limiten stellten, Dabei wird
zugegeben, daß das Kapitel der Schätzung ein schwieriges ist. Ein ange-
sehener Münchener Buchhändler hat bei einer seiner letzten Versteigerungen
durchschnittlich sehr mäßige Schätzungen angesetzt, um zu beweisen, daß
er sich an dem Wettläuf nach Rekordpreisen nicht beteilige. Er hat damit
nicht gehindert, daß die a n w e s e n d e n Bieter d i e Preise zahlten, die
ihnen die Werke wert waren und die meist erheblich über die Schätzungs-
preise hinausgingen. Schaden hatten im wesentlichen d i e Bieter, die sich
nicht ptrsönlich an der Versteigerung beteiligen konnten und denen das
meiste entging, da sie ihre Aufträge auf Grund der Schätzungen gegeben
hatten. Sehr gern würde ich es nach all diesen Erfahrungen von zu hoch
und zu niedrig vermeiden, Schätzungspreise zu geben. Sie sind aber —
wie mir viele Büchersammler sagen — für den Käufer durchaus erfor-
derlich, besonders, wenn er nicht persönlich der Versteigerung beiwohnt.
So werden — wenigstens bei den wesentlichen Stücken — nach bester
Kenntnis, und gewissenhafter Prüfung Schätzungspreise festgelegt werden.

Ich komme abschließend zu der Feststellung, daß sich der Käufer nach
Kenntnis und Erfahrung darüber klar werden muß, welche Versteigerungen
die Gewähr einer sorgsam bedachten und zuverlässigen Ausführung bieten.
Danach wird er sich daran beteiligen oder nicht, wie er ebensowenig Gegen-
stände von einem gewissen Wert in einem ihm unbekannten Geschäft kaufen
wird: wie bei jedem anderen Kauf werden Ansehen und Ruf des Verkäufers
dem Kunden den richtigen Weg weisen.

M. B.
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