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Brugsch, Heinrich [Oth.]
Thesaurus inscriptionum Aegyptiacarum: altaegyptische Inschriften (Band 1): Astronomische und astrologische Inschriften altaegyptischer Denkmaeler — Leipzig, 1883

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https://doi.org/10.11588/diglit.5488#0007
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EINLEITUNG.

Die Abschritten der astronomischen Inschriften, welche sich auf den ägyptischen Denk-
mälern älterer und jüngerer Zeit, in so weit sie dem Auge zugänglich sind, bis auf den heutigen
Tag erhalten haben, bilden den ersten Band des Thesaurus inscriptwnurn aegyptiacarvm. Sie
sind von dem Herausgeber an Ort und Stelle während seines langjährigen Aufenthaltes in
Aegypten copiert, wiederholt mit den Originalen und mit etwa bereits veröffentlichten Texten
verglichen worden und dürfen den Anspruch auf eine eben so vollständige Zusammenstellung
als auf eine correcte Wiedergabe des vorhandenen astronomischen Materiales der Denkmäler
verdienen. Den Kennern dieses Theiles der ägyptischen Alterthumskunde wird darunter das
Neue, theilweise unbekannte, theilweise wenig bekannte und andererseits leider fehlerhaft
publicierte, nicht entgehen, welches der Herausgeber in diesem Werke der Wissenschaft über-
giebt, in der guten Absicht, hierdurch eine grosse und empfindliche Lücke in der ägyptischen
Alterthumskunde auszufüllen. Die den Inschriften beigefügten Umschreibungen, Uebersetzungen
und Erklärungen werden ausserdem denjenigen, welche den altägyptischen Entzifferungen ferner
stehen, die Gelegenheit gewähren sich mit dem reichen Inhalte der überlieferten astronomischen
Lehren und Anschauungen der alten Aegypter vertraut zu machen und mit Hülfe ihres eigenen
Wissens auf dem Gebiete der modernen astronomischen Kenntnisse den altägyptischen Traditionen
ihren eigentlichen wissenschaftlichen Werth zu verleihen. Dem Beispiel der Denkmäler folgend
hat der Herausgeber der tabellarischen Anordnung der Ueberlieferungen, in absteigender
chronologischer Folge, den Vorzug vor der bloss beschreibenden Darstellung gegeben und die
tiefer begründeten Unterschiede der astronomischen Lehrsätze der älteren Epoche bis zum Ende
des Pharaonenreiches und der jüngeren der griechisch-rümischen Zeit möglichst streng aus
einander gehalten. Nur auf diesem Wege schien es ihm allein möglich zu sein, die Uebersicht
der gesammelten astronomischen Inschriften dem Kenner und Nichtkenner der ägyptischen
Schrittarten zu erleichtern und dem Verständniss derselben die wesentlichsten Dienste zu leisten.

Ueber die Wichtigkeit und den Nutzen der altägyptischen astronomischen Ueber-
lieferungen, welche in dem vorliegenden Bande zum ersten Male in einer vollständigen Zusammen-
stellung den Meistern und Jüngern der Wissenschaft dargeboten werden, dürfte wohl kaum ein
Zweifel auftauchen. Ganz abgesehen von dem ausserordentlichen Interesse, welches sich
historisch an die astronomischen Kenntnisse des ältesten Culturvolkes der Erde knüpft, deren
früheste Zeugnisse, fast tausend Jahre vor den Zeiten der Anfänge der griechischen Astronomie,
in die Epoche der glänzenden neunzehnten (thebanischen) Dynastie des Pharaonenreiches hinauf-
reichen, — gewährt das Verständniss jener altägyptischen Ueberlieferungen, in ihrer fort-
schreitenden Entwicklung, vom astronomischen Standpunkte aus das einzige Mittel, mehrere
unverrückbar feste Punkte der altägyptischen Geschichte auf Grund astronomischer Berech-
nungen zu bestimmen und dadurch die Basis für eine nicht bloss nianethonische, sondern
exaete Zeitrechnung zu gewinnen. In seiner Einleitung zur Chronologie der Aegypter (1849)
 
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