Brugsch, Heinrich [Oth.]
Thesaurus inscriptionum Aegyptiacarum: altaegyptische Inschriften (Band 6): Bautexte und Inschriften verschiedenen Inhaltes altaegyptischer Denkmaeler — Leipzig, 1891

Page: IX
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/brugsch1891bd6/0014
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
IX

in denen nicht einmal die bekanntesten Worte richtig umschrieben noch ihrer Bedeutung nach
auch nur annähernd zutreffend bestimmt worden sind.

Da es mir daran gelegen war, möglichst korrekte Abschriften der Inschriften vorzulegen,
so wird es der Leser begreiflich finden, daß sich mancher bereits von anderer Seite her ver-
öffentlichte Text wiederfindet, der mir eine berichtigte Gestalt zu verdienen schien. Dazu gehört
vor allen übrigen die vollständige Wiedergabe des hochberühmten Siegesberichts Thuthmösis III.
(s. S. 1153—1185), der außerdem durch die richtige Anordnung einzelner Fragmente an gehöriger
Stelle an Klarheit und Verständniß nur gewonnen haben dürfte. Unter den unpublicirten
Texten befindet sich mancher, den ich seiner Zeit in Aegypten vorfand, auch in Privatsamm-
lungen, ohne daß ich heute in der Lage bin über seinen späteren Verbleib Auskunft geben zu
können. Meistentheils habe ich durch genommene Abklatsche auf Papier dafür gesorgt, die
Authenticität des Denkmals bezeugen zu können. Herrn Prof. Dr. A. Erman bin ich Namens unserer
Wissenschaft außerordentlich verpflichtet für die Mittheilung mehrerer wichtigen Inschriften, die
ich nach Kopirbüchern von seiner ägyptischen Reise mit möglichster Sorgfalt in der Wieder-
gabe entlehnt habe. Deßgleichen fühle ich die angenehme Verpflichtung außer ihm den Herren
Le Page Eenouf in London, P. Pierret in Paris und Lanzone in Turin für die Unterstützung zu
danken, durch welche sie meine Studien in den ihnen unterstellten Museen gern haben erleich-
tern wollen.

Seinem ältesten Freunde, dem französichen Archäologen, August Mariette, mit welchem
ich vom Jahre 1853 bis zu seinem Abscheiden aus dieser Welt durch das Band der engsten
Freundschaft verknüpft war, kann der Ueberlebende leider nur ein Ave pia anima! nachrufen.
Die während der Ausgrabungen im Serapeum von Memphis mit ihm gemeinschaftlich verlebten
Tage, welche für die Hebung der demotischen Schätze so bedeutungsvoll waren und fast stünd-
lich neue Ueberraschungen bereiteten, bleiben mir unvergeßlich. Die Erinnerungen an unsere
auf dem Boden der Wüste von Saqqarah verlebte fröhliche Jugendzeit des Lebens thut dem
gealterten Manne noch heutigen Tages wohl, wenn auch meinen Hoffnungen von damals die
Zukunft keinen so günstigen Abschluß spendete als August Mariette sie am Ende seines
irdischen Daseins für sich verwirklicht sah.

Heinrich Brugsch.
loading ...