Die Bücherstube: kleine Mitteilungen aus der Bücherstube — 2.1922/​1923

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gäbe gestellt haben und die auf ein breiteres Publikum zu wirken imstande sind,
können der verlegertschen Grundlage heute um so weniger entbehren, als ihre Arbeit
auch wirtschaftlichen Erfolg haben muß, um weitergefüyrt zu werden. Damit die
Pressen vom gewöhnlichen Verlag zu unterscheiden sind, hat man sie Privat-Pressen
oder auch Künstler-Pressen genannt. Von Bedeutung sind diese Benennungen nicht,
wesentlich ist nur die Leistung.
Das Verdienst, den Begriff „Presse" bei einer ganzen Sammlerschicht eingebürgert
zu haben, gebührt der im gahre iyO/ gegründeten Ernst Ludwig-Presse in Darm-
stadt. Hier sah man zum erstenmal in Deutschland ein druckerisches Unternehmen,
dessen Hervorbringungen scharsumriffenen Charakter und sicheren Stil hatten. Die
Zahl der im Lause der gayre auf der Ernst Ludwig-Presse hergestellten Bücher ist sehr-
groß. Aber die zuerst yerausgegebenen gewähren auch heute noch den frischesten und
unmittelbarsten Eindruck. Sie sind, darin ähnlich den ersten Frühdrucken, „von vieler
frälLüeur." Das gahr IYO/ bescherte uns auch die „Zanus-Presse", deren „Tasso" ein
bibliophiles Ereignis war. iyOy folgte dann die Gründung der Einhorn-Presse,
deren Opers in mehrjährigen Abständen erschienen und ihren von Melchior Lechter
geschaffenen Typus mit geschmacklichem Steissinn bis zum jüngsten Druck bewahrt
haben. Den Rudolsinischen Drucken (iyn) gingen „Die vier Evangelien" voraus, die
Koch für Diederichs iyiO ausflattete. Eigentlich müßte man diese „Vier Evangelien"
sowohl wie das bei Bard erschienene „Vibelungenlicd" den Mdolfinischen Drucken
zurechnen. Denn alle von Koch ausgestatteten Werke sind so eigenwillig charakteristisch,
daß man sie eigentlich nicht voneinander trennen kann. Auch bei den Lechter'schen
Büchern besteht dieser innere Zusammenhang, nur mit dem Unterschied, daß Koch eine
gesteigerte Entwicklung durchgemacht hat, die dem von Anbeginn in sich ruhenden Lechter
fehlt. Die Bremer-Presse und die Osficma 8erpenti8 entstanden lyn. Die eigentliche
Wirksamkeit dieser Pressen begann jedoch erst nach dem Kriege. Die Cranach-Presse,
schon früher ins Leben gerufen, hat bisher mit der ihr gehörenden Schrift kein einziges
Buch herausgebracht. 3n dieser der Type der Doves-Preffe ähnlichen Schrift, wurde ein
sehr schönes Werk „VirFüs OeorFicä" in der N. A. Schröder'schen Übersetzung vor-
bereitet, aber es existieren von diesem Bestes versprechendem Buche, zu dem Maillol
Holzschnitte gemacht hatte, nur einige Korrekturabzüge. Die späteren Drucke der
Cranach-Preffe wurden mit fremden Schriften gedruckt und als Kriegsdrucke bezeichnet,
für die der Besitzer der Presse, Gras Keßler, die künstlerische Verantwortung nicht
übernommen hat. Die Rupprecht-Presse entstand 1914 und entwickelte sich nach dem
Kriege bald zu einer der produktivsten Pressen. Vach dem Krieg wurden noch die
Kleukens-, die gnsel-, die Eginhard-Presse gegründet, desgleichen begannen die Engel-
Drucke zu erscheinen. Heute blühen die deutschen Pressen und ihre Erzeugnisse sind be-
gehrte Sammelovjekte geworden. Es gibt Pressensammler, und die Species Bibliophile
hat eine seltsame Abart „den Typophilen" bekommen. Das 3deal des heutigen Samm-
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