Büttner, Nils
Die Erfindung der Landschaft: Kosmographie und Landschaftskunst im Zeitalter Bruegels — Göttingen, 2000

Page: 163
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Chorographie als Dekoration 163

welch ewigen Ruhm es einbrächte, wenn seine königliche Hoheit dem Beispiel
des »weyland kriegerischen und sieghaffte Rom« folgen wollten.200 Nur ein Jahr
später wurde der Maler Anthonis van den Wijngaerde beauftragt, zur Ergänzung
der »Relaciones histörico-geogräficas« Veduten aller spanischen Städte anzufer-
tigen.201 Sie sollten die Sammlung von Veduten und topographischen Land-
schaftsbildern ergänzen, die Philipp II. im Escorial zusammengetragen hatte.202
Zu Teilen hatte er diese 1558 von seinem Vater geerbt, der an den Dingen der
Wissenschaft sehr interessiert war. Das geht aus einem Brief hervor, den ein ge-
wisser Alonso de Estanquez am 10. März 1559 an Philipp sandte, den man be-
auftragt hatte, die im Nachlaß des Kaisers befindlichen Landkarten und wissen-
schaftlichen Instrumente zu verkaufen: »Eigentlich wollte ich es tun und sagte,
daß ich nicht Eurer Hoheit diene, und dann tat ich es doch nicht, weil Eure kö-
niglich Hoheit so interessiert sind und so viel von den Wissenschaften verstehen,
die von diesen Dingen handeln - wie vordem schon der Kaiser -, und vor allem,
da sie im Vorzimmer der Prinzen und großen Herren stehend einen gewissen
Wert hatten und nur sehr wenig, wenn man sie verkaufen wollte. Auch beim Ver-
kauf der Kleidungsstücke habe ich ihm widersprochen, denn die wurden in mei-
nem Beisein geschätzt, und über diesen Widerspruch ist der Regent sehr böse ge-
worden und sagte mir, das, was Seine Majestät hinterlassen hätte, wäre für die
Armen. Wenn es Eurer Hoheit dienlich ist, daß die Bücher, Landkarten und In-
strumente mir per Inventar übergeben würden, würde das ein großer Gefallen
für mich sein, und ich werde sie säubern und den Landkarten viele Länder und
Inseln hinzufügen, die, nachdem sie gemacht waren, entdeckt wurden, damit al-
les bereit ist, wenn Seine Majestät in diese seine Königreiche kommt.«203

Allem Anschein nach ließ Philipp auf dieses Schreiben hin die geographi-
schen Karten und Instrumente nicht zugunsten der Armen verkaufen, sondern
nach Madrid bringen, wo er sie seiner eigenen Sammlung einverleibte.204 Von
seinem lebhaften Interesse an allen Bereichen der Geographie zeugt vor allem
das Inventar des Escorial, das etliche gemalte und gedruckte kolorierte Karten
verzeichnet, die zum Teil auf Leinwand montiert waren und gerahmt die Wän-
de des Palastes schmückten.205 Nicht nur Darstellungen ganzer Regionen gab es
hier, sondern auch Ansichten von Städten oder kleinster Landschaftsausschnit-
te wie eines einzelnen Berges: »Beschreibung von Holland und Gelderland hand-
koloriert, auf Leinwand aufgezogen und auf einen Holzstock aufgerollt (...) Ei-
ne kolorierte Federzeichnung, die Beschreibung des Berges S'° von Granada, auf
Leinwand aufgezogen, in einem schlichten Rahmen.«206 Der in dem Inventar
erwähnte Berg mag eine gewisse Ähnlichkeit mit der Ansicht des Montserrat ge-
habt haben, die Anthonis van den Wijngaerde für die »Relaciones histörico-geo-
gräficas« gezeichnet hatte.207

Im Laufe der Jahre war die Landkartensammlung des Königs, zu der auch
diese Ansichten zählten, so sehr angewachsen, daß er eigens Räumlichkeiten ein-
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