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2. Abschnitt. ^^bine Heimath ist die Welt überhaupt!"0 — Unb ale
man ihm die Rückkehr nach Florenz unter unwürdigen Be-
dingnngen anbot, schrieb er zurück: „kann ich nicht bas
„Licht der Sonne und der Gestirne überall schauen? nicht
„den edelsten Wahrheiten überall nachsinnen, ohne deßhalk
„ruhmlos, ja schmachvoll vor dem Volk und der Stabt zu
„erscheinen? nicht einmal mein Brod wird mir fehlen!"^
Mit hohem Trotz legen dann auch die Künstler den Accent
auf ihre Freiheit vom Ortszwang. „Nur wer Alles gelernt
„hat, sagt Ghiberti 3), ist draußen nirgends ein Frembling;
„auch seines Vermögens beraubt, ohne Freunde, ist er boch
„der Bürger jeder Stadt und kann furchtlos die Wanbe-
„lnngen deö Geschickes verachten." Aehnlich sagt ein ge-
flüchteter Humanist: „Wo irgend ein gelehrter Mann seinen
„Sitz aufschlägt, da ist gnte Heimath^)."
Eollendurlg der Ein sbhr geschärster culturgeschichtlicher Blick dürfte
P°rfi.mchk-i.. Stande im XV. Zahrhimdert die Zunahme
völlig ausgebildeter Menschen schrittweise zu verfolgen. Ob
dieselben das harmonische Ausrunden ihreö geistigen unb
^) Oe vul^nri elo^uio Did. I, eax. 6. — Uebcr die italienische Jdeal-
sprache eax. 17. Dic geistige Einheit dcr Gebildetcn enx. 18. —
Aber auch das Heimweh in der bcrühmten Stelle ?ur§. VIII, I.
u. ff. und XXV, I.
^) Onutis XIÜAiierii Hxistolss^ eä. Ourolus "Witte, x. 65.
-^) ONiderti, seeouäo eouuueuturio, eux. XV. (Vnsuri, eä. ldk-
ruouuier, I, x. XXIX.
Ooäri Ilreei vitu, vor dcsscn Oxern. — Freilich grenzt dieß schon
an das: Ilbi deue, idi xntrin. Die Masse neutralen geistigcn
Genusses, der von keiner Oertlichkeit abhängt, und dessen die gebil-
deten Jtaliener mehr und mehr sähig wurden, erleichterte ihnen das
Eril beträchtlich. Uebrigens ist der Cosmopolitismus ein Zeichen
jcder Bildungsepoche, da man neue Welten entdeckt und sich in der
alten nicht mehr heimisch fühlt. Er tritt bei den Gricchen sehr
deutlich hervor nach dem peloponnesischen Kricge; Platon war, wic
Niebuhr sagt, kein gutcr Bürger und Xenophon ein schlcchter; Dio-
genes proclamirte vollends die Heimathlosigkeit als cin wahres Ver-
gnügen und nannte sich sclber wie man beim Laertius liest.
2. Abschnitt. ^^bine Heimath ist die Welt überhaupt!"0 — Unb ale
man ihm die Rückkehr nach Florenz unter unwürdigen Be-
dingnngen anbot, schrieb er zurück: „kann ich nicht bas
„Licht der Sonne und der Gestirne überall schauen? nicht
„den edelsten Wahrheiten überall nachsinnen, ohne deßhalk
„ruhmlos, ja schmachvoll vor dem Volk und der Stabt zu
„erscheinen? nicht einmal mein Brod wird mir fehlen!"^
Mit hohem Trotz legen dann auch die Künstler den Accent
auf ihre Freiheit vom Ortszwang. „Nur wer Alles gelernt
„hat, sagt Ghiberti 3), ist draußen nirgends ein Frembling;
„auch seines Vermögens beraubt, ohne Freunde, ist er boch
„der Bürger jeder Stadt und kann furchtlos die Wanbe-
„lnngen deö Geschickes verachten." Aehnlich sagt ein ge-
flüchteter Humanist: „Wo irgend ein gelehrter Mann seinen
„Sitz aufschlägt, da ist gnte Heimath^)."
Eollendurlg der Ein sbhr geschärster culturgeschichtlicher Blick dürfte
P°rfi.mchk-i.. Stande im XV. Zahrhimdert die Zunahme
völlig ausgebildeter Menschen schrittweise zu verfolgen. Ob
dieselben das harmonische Ausrunden ihreö geistigen unb
^) Oe vul^nri elo^uio Did. I, eax. 6. — Uebcr die italienische Jdeal-
sprache eax. 17. Dic geistige Einheit dcr Gebildetcn enx. 18. —
Aber auch das Heimweh in der bcrühmten Stelle ?ur§. VIII, I.
u. ff. und XXV, I.
^) Onutis XIÜAiierii Hxistolss^ eä. Ourolus "Witte, x. 65.
-^) ONiderti, seeouäo eouuueuturio, eux. XV. (Vnsuri, eä. ldk-
ruouuier, I, x. XXIX.
Ooäri Ilreei vitu, vor dcsscn Oxern. — Freilich grenzt dieß schon
an das: Ilbi deue, idi xntrin. Die Masse neutralen geistigcn
Genusses, der von keiner Oertlichkeit abhängt, und dessen die gebil-
deten Jtaliener mehr und mehr sähig wurden, erleichterte ihnen das
Eril beträchtlich. Uebrigens ist der Cosmopolitismus ein Zeichen
jcder Bildungsepoche, da man neue Welten entdeckt und sich in der
alten nicht mehr heimisch fühlt. Er tritt bei den Gricchen sehr
deutlich hervor nach dem peloponnesischen Kricge; Platon war, wic
Niebuhr sagt, kein gutcr Bürger und Xenophon ein schlcchter; Dio-
genes proclamirte vollends die Heimathlosigkeit als cin wahres Ver-
gnügen und nannte sich sclber wie man beim Laertius liest.



