Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 29.1928

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Wir waren außerdem bemüht, durch die Wiederherstellung der Marksburg, die S. M. der Kaiser als König
von Preußen vor 30 Jahren an die Vereinigung käuflich überwies, ein Beispiel einer größeren Wiederherstellungs-
arbeit zu geben.
Wer die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts miterlebt hat, wird wissen, welcher leidenschaftliche Streit damals
nur die Frage Erhaltung oder Wiederherstellung geschichtlicher Baudenkmale entbrannte und mit welcher Schärfe,
ja Gehässigkeit die Wiederhersteller oft angegriffen wurden.
Auch unsere Vereinigung und die Wiederherstellung der Marksburg ist von diesen Angriffen nicht verschont
geblieben. Ob und wie weit diese schon damals politisch beeinflußt waren, zeigt sich beim Vergleich der Presseäußerungen.
Meine Damen und Herren!
Die Kämpfe find in dem ungeheuren Geschehen, das seit dem Beginn des Weltkrieges über uns dahingebraust
ist, verklungen und verschollen. Und wenn die Angreifer der Wiederherstellungen, die Theoretiker, auch theoretisch recht
behalten haben, und wenn die Wiederherstellung historischer Baudenkmale noch heute in weiten Kreisen als ein Fehler
betrachtet wird, so hat sich die Praxis ganz unbefangen über diesen Sieg hinweggesetzt — es wird mehr als jemals
auf und an den Burgen wiederhergestellt, ausgebaut und verändert. Die Wanderlust der Jetztzeit kommt dieser
Neigung stark entgegen.
Wie die Wanderlust auf unsere Marksburg wirkt und welcher: Erfolg unsere Wiederherstellungen dort haben,
kann man am besten ersehen aus der stetig steigenden Zahl begeisterter Besucher von Burg an der Wupper, vor:
Stolzenfels und der Marksburg, die allein im Jahre 1928 50- und 60000 Besucher hatten.
Lassen Sie mich noch kurz die dritte Art unserer Werbetätigkeit für die Burgen und für das tiefere Verständnis
ihrer Bedeutung hervorheben.
Es ist das die Veranstaltung unserer Burgenfahrten. Im Jahre 1899 trafen die Mitglieder der Bnrgen-
vereinigung auf der Marksburg zusammen, um das neuerworbene Kleinod kennenzulernen und von dort aus Fahrten
rheinanf und rheinab zu machen. Von Jahr zu Jahr haben sich diese Fahrten mehr und mehr ausgedehnt. Sie
haben uns in alle Teile des deutschen Reiches, ja des deutschen Sprachgebietes geführt.
So wurden bisher im ganzen 21 größere Fahrten unternommen. In den Jahren 1901—1905, ausgehend
von der Marksburg an den Rhein, nach St. Goar, Kaub, und an die Mosel.
1906 ging die Fahrt bis auf die Hohkönigsburg,
1907 in die Rheinpfalz,
1908 nach Schlesien,
1909 nach Westfalen und an den Niederrhein.
1910 wurde Thüringen,
1911 Württemberg besucht.
1912 durchzogen wir das Lahntal,
1913 Nord- und Südbayern.
1914 schließlich sahen wir die Burgen und Schlösser Sachsens.
Die erste Fahrt nach dem Kriege fmhrte uns 1922 auf die Marksburg.
1923 wurde wieder eine größere Fahrt nach Oberfranken und auf die Veste Coburg unternommen.
1924 ging es an die Donau,
1925 durch Tirol und Vorarlberg und ins Fürstentum Liechtenstein.
1926 folgte die Fahrt an die Weser,
1927 nach Salzburg, Kärnten und Steiermark und
1928 an den Rhein und in die Eifel.
So sind wir durch die Lande gezogen, haben überall die Bürger: selbst aufgesucht, aber auch ihre Hüter urrd
Besitzer gesprochen, ihre Freunde versammelt, und auch Fernersteherrde durch Vorträge, Rede und Gegenrede urrd
durch gemeinsame ernste und fröhliche Stunden für unser gemeinsames Ziel, die Erhaltung der Wehrbauten, begeistert.
Meine Damen und Herren!
Die ungeheure Arbeit, die diese Burgenfahrten der Vereinigung irr Planung, Vorbereitung und Durchführung
gemacht haben, ist wohl vergütet durch die Begeisterung, mit der sich Hunderte unserer Freunde der Burgenfahrterr
erinnern urrd durch die unglaubliche Fülle von Schönheiten, die wir oft gerade irr den unbekanntesten und verborgenster:
Teilen Deutschlands gesehen haben. Und wir dürfen auch hoffen, ja wir wissen es bestimmt, daß die Anregungen,
die wir hirrausgetragen haben irr unser Volk, durch praktische Erhaltungs- und Rettungsarbeiten und durch die Ver-
tiefung des Verständnisses und der Liebe zu unserer: Burgen reiche Früchte getragen Haber:.
Und wenn wir uns so in die Geschichte vertieften, wenn wir uns versenkten in die Schicksale unseres deutscher:
Volkes und Vaterlandes, die sich in den Schicksalen so vieler Burgen immer wieder getreulich widerspiegeln, so wächst
rrrit der Liebe zu diesen schönen urrd stolzen Baudenkmalen, die so herrlich unsere stolzen Berge bekrönen oder so
träumerisch waldurnrauscht sich in den Wassern der Ebenen widerspiegeln, auch die Liebe zu unserem deutscher: Vater-
lande selbst, die Liebe, die nicht nur das deutsche Land in der: Grenzen des heutigen Reiches umfaßt, sondern die,
ebenso wie die deutschen Burger:, das gesamte deutsche Sprachgebiet umschließt.
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