25
hundert dem mächtigen Burgenbau wich, den wir heute noch bestaunen. Ins 12. oder 13. Jahrhundert also werden
wir die Geburtsstunde der heutigen Mindelburg zu verlegen haben.
Gegen Ende des 12. Jahrhunderts hören wir auch erstmals von Herren von Mindelburg. Es steht jedoch nicht
durchaus fest, ob diese Herren von Mindelburg nicht personengleich sind mit gleichnamigen und gleichzeitigen Herren
von Mindelberg, die auf der Feste Mindelberg nördlich von Mindelheim ihren Stammsitz hatten. Als die ersten
beglaubigten Besitzer der Mindelburg erscheinen gegen Mitte des 14. Jahrhunderts die Hohenberg, ein mächtiges
württembergisches Grafengeschlecht. Von diesen trugen die Mindelberger die Mindelburg zu Lehen. Um diese
Zeit war aber das einst hochangesehene Geschlecht der Mindelberger bereits so verarmt, daß sie die beiden Festen
Mindelberg und Mindelburg sowie ihre Stadt Mindelheim veräußerten, und zwar an die beiden Augsburger Dom-
herren Heinrich und Walter von Hochschlitz (1363). Die neuen Besitzer verkauften schon nach zwei Jahren die erworbenen
Güter an ihren Vater, den Augsburger Bischof Markwart von Randeck. Dieser bestieg, noch bevor er die Kaufsumme
erlegt hatte, den Patriarchenstuhl von Aquileja, und Walter von Hochschlitz wurde an seiner Statt Bischof von
Augsburg. BeiseinerErhebung
zum Bischof hatte Walter auf
Mindelheim, Mindelberg und
Mindelburg zugunsten des
Hochstifts Augsburg verzichten
müssen. Sein Vetter Heinrich
war mit diesem Verzicht nicht
einverstanden. Einen Bundes-
genossen gewann er an Herzog
Friedrich von Teck, dem 1365
Mindelheim, Mindelberg und
Mindelburg zu treuen Händen
übergeben worden waren, und
der nun von den anvertrau-
ten Gütern nicht mehr lassen
wollte. Es kam zum Waffen-
gang. Bischof Walter rückte mit
Heeresmacht vor Mindelheim,
fand aber bei der Belagerung
denTod, und Friedrich vonTeck
blieb im tatsächlichen Besitz der
umstrittenen Güter. Die Teck
waren Herren der Mindelburg,
bis im Jahre 1439 das glanz-
volle Geschlecht mit Ludwig,
dem Patriarchen von Aquileja,
ausstarb. Ludwigs Bruder
Ulrich und dessen zwei Ge-
mahlinnen zeigen uns zwei
künstlerisch hochwertige Grab-
Die Mindelburg bei Mindelheim, Toranlage.
mäler in der Stadtpfarrkirche
zu Mindelheim.
Nach dem Erlöschen der
Teck zogen ihre Verwandten,
dieRechberg, auf der Mindel-
burg ein; allein sie verkauften
bereits 1467 ihre Mindelheimer
Besitzungen an ihre Verwand-
ten, die Frundsberg.
Mit dem Geschlecht der
Frundsberg ist auch die
Mindelburg eine geschichtliche
Größe geworden. Der erste
Frundsberg, der auf der Min-
delburg gebot, war Herr Ulrich,
der Gemahl der Barbara von
Rechberg. Sein und seiner
Sippe Bild ist weiten Kreisen
bekannt durch den prächtigen
Altar, den Frau Barbara um
1505 bei dem Memminger
Meister Bernhard Strigel in
Auftrag gab. Nach Ulrichs Tod
verwaltete das Vatererbe haus-
väterlichtreu sein Sohn Adam,
und nach dessen Tod übernahm
die Mindelburg und die Herr-
schaft Mindelheim der größte
und berühmteste der Frunds-
bergsöhne, Herr Georg I. (1475
bis 1528). Auf der Mindelburg war er geboren, hier verlebte er auch seine Jugend. In seinen Mannesjahren
führte ihn der Ruf des Kaisers und das eigene Pflichtgefühl voll Kampffeld zu Kampffeld. Aber je mehr er sich
mit aller Welt herumschlagen mußte, desto mehr packte ihn auch der Ekel am Kriegswerk, und desto lieber wurde
ihm die Mindelburg. Bewegtes Leben herrschte zu Georgs Zeiten auf der Mindelburg. Gäste kamen und gingen;
selbst Kaiser Maximilian I. kehrte mehrmals hier oben ein. Auch „das neue Wesen", Luthers Glaube, warb um
das Herz der Burgbewohner; Luther selbst weilte wohl nicht auf der Mindelburg, aber sein Parteigänger Johannes
Warmer aus Konstanz. Trotz zeitweiligem Schwanken und trotz seiner Abneigung gegen Rom blieb Frundsberg
beim alten Glauben. Und als er 1528 auf der Mindelburg, kaum heimgekehrt vom italienischen Feldzug, seine Seele
aushauchte, fand er seine letzte Ruhestätte in der Pfarrkirche zu Mindelheim. Ein Grabmal hat ihm die Nachwelt
bis heute nicht gesetzt. Im Geist des großen Vaters waltete nach Georgs Tod sein Sohn Kaspar; seine und seines
Vaters Kriegstaten hat uns der gelehrte und grüblerische Adam Reißner beschrieben. Meißner hat sein Werk Kaspars
einzigem Sohn Georg gewidmet, der als der letzte seines Stammes 1586 starb. Eine Glanzzeit der Mindelburg
ging damit zu Ende. Der Glanz, den die Frundsberg über die Mindelburg breiteten, rührt nicht allein her von ihren
Kriegstaten. Ebensosehr wie im Schlachtfeld, ja vielleicht noch mehr und mit noch heißerer Seele lebten sie in der
friedsamen Welt des Geistes und der Kunst. Sie besaßen, wie uns ein Schloßinventar von 1491 ausweist, eine über-
raschend große und reichhaltige Bücherei, einen äußerst wertvollen Silberschatz und eine ansehnliche Gemälde- und
Teppichsammlung. Es mag Herrn Georg bitterschwer gefallen sein, dieses schöne Erbe seiner Väter in fremde
hundert dem mächtigen Burgenbau wich, den wir heute noch bestaunen. Ins 12. oder 13. Jahrhundert also werden
wir die Geburtsstunde der heutigen Mindelburg zu verlegen haben.
Gegen Ende des 12. Jahrhunderts hören wir auch erstmals von Herren von Mindelburg. Es steht jedoch nicht
durchaus fest, ob diese Herren von Mindelburg nicht personengleich sind mit gleichnamigen und gleichzeitigen Herren
von Mindelberg, die auf der Feste Mindelberg nördlich von Mindelheim ihren Stammsitz hatten. Als die ersten
beglaubigten Besitzer der Mindelburg erscheinen gegen Mitte des 14. Jahrhunderts die Hohenberg, ein mächtiges
württembergisches Grafengeschlecht. Von diesen trugen die Mindelberger die Mindelburg zu Lehen. Um diese
Zeit war aber das einst hochangesehene Geschlecht der Mindelberger bereits so verarmt, daß sie die beiden Festen
Mindelberg und Mindelburg sowie ihre Stadt Mindelheim veräußerten, und zwar an die beiden Augsburger Dom-
herren Heinrich und Walter von Hochschlitz (1363). Die neuen Besitzer verkauften schon nach zwei Jahren die erworbenen
Güter an ihren Vater, den Augsburger Bischof Markwart von Randeck. Dieser bestieg, noch bevor er die Kaufsumme
erlegt hatte, den Patriarchenstuhl von Aquileja, und Walter von Hochschlitz wurde an seiner Statt Bischof von
Augsburg. BeiseinerErhebung
zum Bischof hatte Walter auf
Mindelheim, Mindelberg und
Mindelburg zugunsten des
Hochstifts Augsburg verzichten
müssen. Sein Vetter Heinrich
war mit diesem Verzicht nicht
einverstanden. Einen Bundes-
genossen gewann er an Herzog
Friedrich von Teck, dem 1365
Mindelheim, Mindelberg und
Mindelburg zu treuen Händen
übergeben worden waren, und
der nun von den anvertrau-
ten Gütern nicht mehr lassen
wollte. Es kam zum Waffen-
gang. Bischof Walter rückte mit
Heeresmacht vor Mindelheim,
fand aber bei der Belagerung
denTod, und Friedrich vonTeck
blieb im tatsächlichen Besitz der
umstrittenen Güter. Die Teck
waren Herren der Mindelburg,
bis im Jahre 1439 das glanz-
volle Geschlecht mit Ludwig,
dem Patriarchen von Aquileja,
ausstarb. Ludwigs Bruder
Ulrich und dessen zwei Ge-
mahlinnen zeigen uns zwei
künstlerisch hochwertige Grab-
Die Mindelburg bei Mindelheim, Toranlage.
mäler in der Stadtpfarrkirche
zu Mindelheim.
Nach dem Erlöschen der
Teck zogen ihre Verwandten,
dieRechberg, auf der Mindel-
burg ein; allein sie verkauften
bereits 1467 ihre Mindelheimer
Besitzungen an ihre Verwand-
ten, die Frundsberg.
Mit dem Geschlecht der
Frundsberg ist auch die
Mindelburg eine geschichtliche
Größe geworden. Der erste
Frundsberg, der auf der Min-
delburg gebot, war Herr Ulrich,
der Gemahl der Barbara von
Rechberg. Sein und seiner
Sippe Bild ist weiten Kreisen
bekannt durch den prächtigen
Altar, den Frau Barbara um
1505 bei dem Memminger
Meister Bernhard Strigel in
Auftrag gab. Nach Ulrichs Tod
verwaltete das Vatererbe haus-
väterlichtreu sein Sohn Adam,
und nach dessen Tod übernahm
die Mindelburg und die Herr-
schaft Mindelheim der größte
und berühmteste der Frunds-
bergsöhne, Herr Georg I. (1475
bis 1528). Auf der Mindelburg war er geboren, hier verlebte er auch seine Jugend. In seinen Mannesjahren
führte ihn der Ruf des Kaisers und das eigene Pflichtgefühl voll Kampffeld zu Kampffeld. Aber je mehr er sich
mit aller Welt herumschlagen mußte, desto mehr packte ihn auch der Ekel am Kriegswerk, und desto lieber wurde
ihm die Mindelburg. Bewegtes Leben herrschte zu Georgs Zeiten auf der Mindelburg. Gäste kamen und gingen;
selbst Kaiser Maximilian I. kehrte mehrmals hier oben ein. Auch „das neue Wesen", Luthers Glaube, warb um
das Herz der Burgbewohner; Luther selbst weilte wohl nicht auf der Mindelburg, aber sein Parteigänger Johannes
Warmer aus Konstanz. Trotz zeitweiligem Schwanken und trotz seiner Abneigung gegen Rom blieb Frundsberg
beim alten Glauben. Und als er 1528 auf der Mindelburg, kaum heimgekehrt vom italienischen Feldzug, seine Seele
aushauchte, fand er seine letzte Ruhestätte in der Pfarrkirche zu Mindelheim. Ein Grabmal hat ihm die Nachwelt
bis heute nicht gesetzt. Im Geist des großen Vaters waltete nach Georgs Tod sein Sohn Kaspar; seine und seines
Vaters Kriegstaten hat uns der gelehrte und grüblerische Adam Reißner beschrieben. Meißner hat sein Werk Kaspars
einzigem Sohn Georg gewidmet, der als der letzte seines Stammes 1586 starb. Eine Glanzzeit der Mindelburg
ging damit zu Ende. Der Glanz, den die Frundsberg über die Mindelburg breiteten, rührt nicht allein her von ihren
Kriegstaten. Ebensosehr wie im Schlachtfeld, ja vielleicht noch mehr und mit noch heißerer Seele lebten sie in der
friedsamen Welt des Geistes und der Kunst. Sie besaßen, wie uns ein Schloßinventar von 1491 ausweist, eine über-
raschend große und reichhaltige Bücherei, einen äußerst wertvollen Silberschatz und eine ansehnliche Gemälde- und
Teppichsammlung. Es mag Herrn Georg bitterschwer gefallen sein, dieses schöne Erbe seiner Väter in fremde


