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Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 34.1933

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Gabelentz, Hans von der: Die Wartburg in ihrer geistesgeschichtlichen Bedeutung
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https://doi.org/10.11588/diglit.35023#0007
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scheu. Es ist darum schon dieses Jagdabenteuer Ludwigs des Springers von sinnbildlicher Bedeutung. Wie die Jagd-
leidenschaft den Wartburgbegründer zur Entdeckung des Burgberges — „Wart Berg, du sollst mir eine Burg werden!"
— geführt haben soll, so auch brachte die gleiche Leidenschaft den „eiserneil" Ludwig, den zweiten Landgrafen des
Namens, in Berührung mit dem Schmied von Ruhla. Die Erzählung von den: eisenharten Landgrafen wächst als
altehrwürdiger Baum im deutscheil Märchenwalde aus. Der jagende Landgraf, der Schmied im Thüringer Wald —
Sinnbild und Wahrheit zugleich. Wahrheit, denn bis auf unsere Tage bewahren Thüringer Fürsten, bewahren aber
gerade auch die „Rühler" — ein eigenartiges Völkchen inmitten dieser an Eigenart so reichen Thüringer — eine unbe-
zähmbare Jagdleidenschaft.
Der Thüringer Sagenschatz ist etiler der reichsteil in Deutschland. Er kann und soll hier gar nicht gehoben werden.
Auch nicht, soweit er mit der Wartburg in engerer Beziehung steht. Aber eines Vorganges, der Geschichte, Sage
und Sinnbild in einem ist, muß hier gedacht werden: des Sängerkrieges. Wann, wo hat er stattgefunden? Hat
er sich vielleicht überhaupt nicht auf der Wartburg zugetragen? Das sind Fragen, über die Geschichtsschreiber und
Philologen sich die Köpfe zerbrechen mögen. Für die geistesgeschichtliche Bedeutung der Wartburg ist eine exakte


Zum Bortrag des Burghauptmnnns der Wartburg: Die Wartburg von Osten.

Beantwortung der Frage nach dem geschichtlichen Wert der Sängerkrieg-Überlieferung tatsächlich von untergeord-
neter Bedeutung. Genug, daß das Volksbewußtsein ihn hier verörtlicht, daß mittelalterliche Dichter ihn mit dem
Wartburgnameu verknüpften, daß ein Genie ihm die Weihe künstlerischer Wahrheit gab. Für uns ist der Sänger-
krieg, sind die Namen unserer größten Dichter mittelalterlicher Zeit, eines Wolfram von Eschenbach, Walther
v. d. Vogelweide, Heinrich von Ofterdiugen, Tannhäuser mit der Wartburg unlösbar verbunden. Unter Her-
mann I. der erste Thüringer Musenhof — das bleibt wahr. Eine Wahrheit, die über Nur-Tatsächliches hinaus-
geht. Sage ist oft nichts anderes als künstlerisch geformte Wahrheit. Denn innere Wahrheit kommt ihr
ebenso zu wie äußere Form. Die Entscheidung im Sängerwettstreit auf der Wartburg im Jahre 1207, Klingsors
Anwesenheit und die Geburtsstunde der hl. Elisabeth im fernen Ungarn in zeitliche Übereinstimmung gebracht zu
haben, eickspricht einem künstlerischen Formgedanken. Er ist wahr, weil er sinnfällig ist, mögen die Erzählungen
von Sängerkrieg, dem ungarischen Zauberer, der Thüringer Landgräfin noch so fragwürdig, noch so umstritten,
ja teilweise offenbar erfunden sein.
Elisabeth, die man die Heilige nennt, ist eine geschichtliche Persönlichkeit. Nicht aber als solche ist sie in die
deutsche Geistesgeschichte eingegangen, sondern kraft ihrer Eigenart als Vertreterin deutschen Wesens. Denn diese
ungarische Königstochter einer deutschen Mutter, schon seit ihrem zartesten Kindesalter am Thüringer Landgrafen-
hof erzogen, gilt uns mit Recht als Deutsche, wenn wir auch den Ungarn die Inanspruchnahme gleichen Rechts nicht
 
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