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wehren wollen. Ihr Wesen entfaltete sich
unter dem Zauber, stand im magischen Kreis
der Wartburg. Wie wir das beweisen wollen?
Gar nicht! Für uns ist es innere Wahrheit,
ist beispielsweise das später erdichtete, noch nicht
im ältesten Wunderbericht, dem „lübsllus cko
ciioiis gaatuor auoillaruin" erwähnte Rosen-
wunder, wesentlicher als die Nennung von
Elisabeths Namen etwa in Urkunden Lud-
wigs I V., ihres Gemahls. Elisabeth und Wart-
burg — die eine ist ohne die andere nicht zu
denken. In ihren Namen klingen Sage und
Geschichte in wunderbarem Akkord zusammen.
Richard Wagners schöpferische Kraft hat den
Akkord zum volltönenden Klingen gebracht.
Im Kunstwerk ist Dichtung zu Wahrheit ge-
worden, wer fragt da noch nach Wahrheit
oder Schein?
Gehen wir weiter in der Geschichte der
Burg, die immer noch sagenspendend mit dem
Leben des Volkes in Verbindung bleibt, so
stoßen wir auf Martin Luthers Namen.
Wahrlich keine schattenhafte Sagenfigur! Ein
Mensch von Fleisch und Blut, ein Mann von
Eisen. Auf der Wartburg verbrachte er neun
kurze Monate — eine Zeit unfreiwilliger
Ruhe, wie er selbst meinte, vielmehr eine Zeit
höchster geistiger Anspannung, wie wir jetzt
wissen. Und auch an diesem Mann, diesem
Wachen Willensmenschen, der doch auch Träu-
mer sein konnte, bewährte sich der Wartburg-
zauber. Einer Maienknospe vergleichbar —
wurde doch Luther in der Nacht vom 4. zum
5. Mai ans die Wartburg gebracht —, entsproß
aus der Seele des deutschesten Mannes — oder
soll ich sagen: der deutschesten Burg?— die herr-
liche Blüte unserer Sprache, so wie wir sie ver-
stehen, wie sie uns Mittlerin tiefsten deut-
schen Gedankengutes geworden ist. Keine Sprache ist so bildhaft wie die deutsche. Luther gab ihr das Gepräge,
das sie heute noch tragt. War das Gepräge nicht vielleicht darum so bildhaft, weil Luthern, mochte er nur den Blick
erheben, durch runde Butzenscheiben in die Ferne schauen, sich Bild auf Bild in bezaubernder Fülle aufdräugte, deutscher
Wald und Vogelfang sein Ohr mit Musik erfüllten, die in seiner Sprache als innere Musik widerhallte? Luther hat
an vielen anderen Stätten gewirkt, Stätten, auf denen auch heute noch die Weihe einer großen, schicksalbestimmenden
Persönlichkeit ruht. Wir brauchen nur etwa an die Feste Koburg zu erinnern, die unfern der Wartburg auf grünem
Hügel sich erhebt. Auch sie eine denkwürdige Örtlichkeit, als Baumasse der Wartburg unzweifelhaft überlegen, an
sinnbildlichem Wert ihrer Thüringer Schwcsterburg aber nicht zu vergleichen. Warum nur immer die Wartburg?
Sie ist eben eine magische Stätte — so antwortet freilich nicht der Verstand, aber das Gemüt — das oft belächelte,
verspottete, mißverstandene, darum doch von Grund aus echte deutsche Gemüt!
Wenn es noch eines Beweises dafür bedürfte, daß ein Zauber auf der Wartburg wirksam ist, mancherlei wunder-
liche Gestalt annimmt, so gibt uns Luther den Beweis dafür in die Hand: Seine Begegnung mit dem Teufel auf
der Wartburg hat er uns selbst in offner Biederkeit erzählt. Spätere Zeit hat einen greifbareren Teufel, als der
ursprüngliche war, und einen recht handgreiflichen Luther mit seinem Tintenfaß gemacht. Das Tintenfaß als Wurf-
geschoß in der Hand des streitbaren und gereizten Mannes — eine vielleicht schon etwas literarisch abgeschmeckte,
gleichwohl hübsche Erfindung von sinnfälliger Bedeutung. Der berühmte Tintenklecks ist ja nun verschwunden, aber
die Geschichte lebt noch immer, ja ich vermute, der längst vergangene schwarze Tintenfleck haftet fester im Gedächtnis
von Millionen Wartburgbesuchern als irgendein Gebäude, Bild oder sonstiger, wirklich noch vorhandener Kunst-
gegenstand der Wartburg. Wäre das nicht Zauberwerk?! Das Sinnbild lebensfähiger als Tatsächliches!
Der Sängerkrieg, die Zeit der hl. Elisab eth und Luth er auf der Wartburg sind die eindrucksvollsten Abschnitte
in der langen Geschichte der Burg. Bei jenem hat die Sage greifbare Gestalt augeuvmmen, bei diesen sind cs
Eingangstor zur Wartburg.
wehren wollen. Ihr Wesen entfaltete sich
unter dem Zauber, stand im magischen Kreis
der Wartburg. Wie wir das beweisen wollen?
Gar nicht! Für uns ist es innere Wahrheit,
ist beispielsweise das später erdichtete, noch nicht
im ältesten Wunderbericht, dem „lübsllus cko
ciioiis gaatuor auoillaruin" erwähnte Rosen-
wunder, wesentlicher als die Nennung von
Elisabeths Namen etwa in Urkunden Lud-
wigs I V., ihres Gemahls. Elisabeth und Wart-
burg — die eine ist ohne die andere nicht zu
denken. In ihren Namen klingen Sage und
Geschichte in wunderbarem Akkord zusammen.
Richard Wagners schöpferische Kraft hat den
Akkord zum volltönenden Klingen gebracht.
Im Kunstwerk ist Dichtung zu Wahrheit ge-
worden, wer fragt da noch nach Wahrheit
oder Schein?
Gehen wir weiter in der Geschichte der
Burg, die immer noch sagenspendend mit dem
Leben des Volkes in Verbindung bleibt, so
stoßen wir auf Martin Luthers Namen.
Wahrlich keine schattenhafte Sagenfigur! Ein
Mensch von Fleisch und Blut, ein Mann von
Eisen. Auf der Wartburg verbrachte er neun
kurze Monate — eine Zeit unfreiwilliger
Ruhe, wie er selbst meinte, vielmehr eine Zeit
höchster geistiger Anspannung, wie wir jetzt
wissen. Und auch an diesem Mann, diesem
Wachen Willensmenschen, der doch auch Träu-
mer sein konnte, bewährte sich der Wartburg-
zauber. Einer Maienknospe vergleichbar —
wurde doch Luther in der Nacht vom 4. zum
5. Mai ans die Wartburg gebracht —, entsproß
aus der Seele des deutschesten Mannes — oder
soll ich sagen: der deutschesten Burg?— die herr-
liche Blüte unserer Sprache, so wie wir sie ver-
stehen, wie sie uns Mittlerin tiefsten deut-
schen Gedankengutes geworden ist. Keine Sprache ist so bildhaft wie die deutsche. Luther gab ihr das Gepräge,
das sie heute noch tragt. War das Gepräge nicht vielleicht darum so bildhaft, weil Luthern, mochte er nur den Blick
erheben, durch runde Butzenscheiben in die Ferne schauen, sich Bild auf Bild in bezaubernder Fülle aufdräugte, deutscher
Wald und Vogelfang sein Ohr mit Musik erfüllten, die in seiner Sprache als innere Musik widerhallte? Luther hat
an vielen anderen Stätten gewirkt, Stätten, auf denen auch heute noch die Weihe einer großen, schicksalbestimmenden
Persönlichkeit ruht. Wir brauchen nur etwa an die Feste Koburg zu erinnern, die unfern der Wartburg auf grünem
Hügel sich erhebt. Auch sie eine denkwürdige Örtlichkeit, als Baumasse der Wartburg unzweifelhaft überlegen, an
sinnbildlichem Wert ihrer Thüringer Schwcsterburg aber nicht zu vergleichen. Warum nur immer die Wartburg?
Sie ist eben eine magische Stätte — so antwortet freilich nicht der Verstand, aber das Gemüt — das oft belächelte,
verspottete, mißverstandene, darum doch von Grund aus echte deutsche Gemüt!
Wenn es noch eines Beweises dafür bedürfte, daß ein Zauber auf der Wartburg wirksam ist, mancherlei wunder-
liche Gestalt annimmt, so gibt uns Luther den Beweis dafür in die Hand: Seine Begegnung mit dem Teufel auf
der Wartburg hat er uns selbst in offner Biederkeit erzählt. Spätere Zeit hat einen greifbareren Teufel, als der
ursprüngliche war, und einen recht handgreiflichen Luther mit seinem Tintenfaß gemacht. Das Tintenfaß als Wurf-
geschoß in der Hand des streitbaren und gereizten Mannes — eine vielleicht schon etwas literarisch abgeschmeckte,
gleichwohl hübsche Erfindung von sinnfälliger Bedeutung. Der berühmte Tintenklecks ist ja nun verschwunden, aber
die Geschichte lebt noch immer, ja ich vermute, der längst vergangene schwarze Tintenfleck haftet fester im Gedächtnis
von Millionen Wartburgbesuchern als irgendein Gebäude, Bild oder sonstiger, wirklich noch vorhandener Kunst-
gegenstand der Wartburg. Wäre das nicht Zauberwerk?! Das Sinnbild lebensfähiger als Tatsächliches!
Der Sängerkrieg, die Zeit der hl. Elisab eth und Luth er auf der Wartburg sind die eindrucksvollsten Abschnitte
in der langen Geschichte der Burg. Bei jenem hat die Sage greifbare Gestalt augeuvmmen, bei diesen sind cs
Eingangstor zur Wartburg.


