Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 36.1935

DOI article:
Hahr, August: Schwedische Burgen aus dem Mittelalter und der älteren Wasazeit: eine kurze Übersicht
DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.35025#0012
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
10

besteht. Es ist neulich restauriert worden, wobei der alte, aus der Wasa-
zeit stammende Reichssaal wieder zu Ehren gekommen ist.
Ganz verschwunden sind das ältere Stockholmer Schloß und
Schloß Svartsjö, welche beide eine so große Rolle im Leben und
Fürsorgen der ersten Wasakönige spielten, und deren Baumeister während
der Zeit Johanns III. ein südniederländischer Künstler namens Willem
Boy war. Dieser, der auch durch seine königlichen Grabdenkmäler in
der Upsalaer Domkirche bekannt ist, baute in Stockholm unter anderem
die Schloßkirche, den neuen Königsflügel, die Kolonnenarkaden, die Frei-
treppe, alles am großen Schloßhof, und leitete daneben die Dekorations-
arbeiten des Inneren, in prachtvollen Paneelen und Decken bestehend.
In Svartsjö war z. B. der zirkelrunde Burghof mit seinen Pfeilerarkaden
sein Werk, ein vor dem Gebäude gelegener Hof, der zumindest für Ring-
rennen und festliche Aufzüge berechnet und wahrscheinlich von Vorbilder
von Sebastian Serlio oder Ducerceau inspiriert worden war (Abb. 17 u. 18).
Zu den Schlössern, welche die Wasazeit vom Mittelalter geerbt
hatte, rechnen wir auch die zu Nyköpiug, WästerLs und Orebro.
Wenige Erinnerungen aus jener Zeit bestehen bis jetzt. In Nyköping
sind einige Reste ausgegraben worden. Das Schloß gehörte Herzog Karl,
und von Interesse ist, daß ein viertes Mitglied der Familie Pahr,
Kristoffer Pahr, hier gewirkt hat. Wie sein Bruder Franciscus, war auch
er mit Stückarbeiten vertraut.
Ganz vom Grunde wurde jedoch Schloß Wadstena am Wettersee
von Gustav Wasa, wie wir oben erzählt haben, als eine starke Festung
mit Wällen, Gräben und Rondellen im Jahre 1545 errichtet, aber von
Ubb. 13. Schloß dachten«. Sudwe,. seinem Sohne König Johann, dem baulustigsteu aller schwedischen Re-
genten, auf das prächtigste erweitert und verschönert. Man hat es darum
„unfern eigentlichen Renaissancepalast" genannt. Den König selbst können wir da wohl unter den Wasaregenten
als denjenigen ansehen, der in Bauinteressen den Renaissancefürsten in südlicheren Ländern am meisten ähnlich war.
In seinen religiösen wie künstlerischen Bestrebungen fand er in seiner katholischen Gemahlin Katarine Jagellonica
eine treue Stütze. Sie gehörte einer kunstliebenden Familie als Tochter Sigismunds I. von Polen und seiner Königin
Bona an, die eine geborene Prinzessin des Hauses Sforza in Mailand war, die beide um die Einführung der Renaissance-
kunst in Krakau sich verdient gemacht haben. Schon 1536 waren am dortigen Schlosse die herrlichen klassischen Hof-
arkaden mit ihren ionischen Kolonnen eine Wirklichkeit, ein Muster für andere spätere, auch diejenigen zu Stockholm.
Das Haus zu Wadstena wird von Johann sowohl erhöht wie verlängert und gegen den Hof mit zwei hervorspringenden
Treppentürmen versehen. Die nördliche Fassade, aus Sandstein wie das Schloß im übrigen, steigt hinter dem Graben
in monumentaler Größe auf, mit vornehmen Umrahmungen um die hohen Fenster und einem klassisch schönen Portal,
das freilich eine frühe Jahreszahl — 1563 — trägt. Uber der Mitte, die im dritten Geschoß zwei Spitzbogenfenster
und ein gotisches Rundfenster hat — sie gehören zur Schloßkirche —, erhebt sich ein breiter, von einer Lanterne
gekrönter Turm. Der Architekt des Königs war ein Niederländer namens Arent de Roy, ja die Künstler, die hier
arbeiteten, scheinen überhaupt aus niederländischer oder nordwestdeutscher Herkunft gewesen zu sein. Wir können
auf eine Verbindung mit Emden und seinem berühmten Rathaus, ja auch auf die von westfälischen Schlössern und
Rathäusern vertretene sogenannte Weserrenaissance Hinweisen, indem, wie man neulich erwiesen hat, unter
anderem gewisse Ornamentmotive, z. B. Waffelmuster u. dgl., davon stammen, Motive, die später in der Schloß-
bauhütte Orebro und an anderen Orten erscheinen. Im Jahre 1598 wurde das Innere des Schlosses durch Brand
verheert, freilich bald darauf, aber bedeutend einfacher wiederhergestellt. Die führenden Meister waren während
dieser letzten Bauperiode des Schlosses (bis 1620) der Baumeister Hans Flemming und der Bildhauer Bernt von Mün-
ster, von welchen die beiden stattlich geschwungenen, reich dekorierten Giebel im Osten und Westen herrühren.
In der Entwicklung der schwedischen Adelsburgen erblicken wir schließlich gegen das Ende der ersten Wasazeit
deutliche Einflüsse von den Burgen und Schlössern des Adels in Dänemark und Schonen, wo solche in weit größerer
Ausdehnung, monumentaler und künstlerischer als in Schweden gebaut wurden. Im Anfang dominieren noch die
Forderungen auf Mehrbarkeit. Nach dänischen Vorbildern wie Borreby auf Seeland, Hesselagergaard, Egeskov, Nacke-
bölle, Örbaeklunde auf Füneu werden also feste schwedische Häuser gebaut, Burgen von rektangulärem Grundriß, die
auf der äußeren Langseite zwei quadratische Ecktürme und gegen den Hof einen Treppenturm in der Mitte des
Gebäudes aufweisen. Solche waren z. B. Sturefors, Ekenäs, Gräfsnäs, Wisingsborg u. a. Sie wie auch
andere feste Burgen gehörten Großmännern aus Familien wie Melke, Bauer, Brahe, Leijonhufvud, Stenbock usw.
In den kriegerischen Verwicklungen zwischen Herzog Karl und seinem Neffen Sigismund, Sohn Johanns III.
und König von Schweden und Polen, nahmen diese Herren oftmals Partei für den legitimen, wenn auch katho-
lischen Regenten und mußten mit Landflucht oder Tod dafür büßen. Auch die berühmten Schonenburgen Torup
 
Annotationen