Robert, Carl ; Furtwängler, Adolf
Programm zum Winckelmannsfeste der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin (Band 50): Homerische Becher / Ueber ein Vorbild neu-attischer Refliefs / Eine argivische Bronze / Orpheus. Attische Vase aus Gela — Berlin, 1890

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bezeichnet wird. Eine siebenzeüige Inschrift über dem Gespann erläuterte die Darstellung,
doch ist nur die erste Zeile und der Anfang der folgenden lesbar. Ich gebe die beiden
ersten Zeilen nach der Lesung von Kumasl-djs, das Folgende nach Mittheilangen von Kern:

OHSEYSAPPASACrHNEAENHNPPflTONMENAYTHNEISkOPINOON

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Also Brßshz ärj-'h'j.z tr,v 'VXivrp irpöi-ov ijlsv «uttjv zU KopivÖov | sttsv sU 'AO^va? x. t. ?..
Da am Ende der zweiten Scene noch eine Stadt genau wie Korinth in perspectivischer
Darstellung angebracht und inschriftlich als Athen bezeichnet ist (AOHNai), so ist es
klar, dass die Beischrift auch die Erläuterung zu diesem zweiten Vorgang enthielt, der
mit dem ersten eng zusammengehören muss. Eine Frau, mit der sog. attischen Frisur,
schreitet, die Arme vor der Brust verschränkt, mit grossen Schritten nach rechts. Ein
neben ihr her schreitender Jüngling wendet sich zu ihr um und umfasst sie, indem er den
rechten Arm um ihren Nacken, den linken an ihren rechten Arm legt. Ein zweiter
Jüngling schreitet voran. Beide Jünglinge tragen Chlamys und Stiefel, die Frau Chiton
mit gegürtetem Ueberschlag. Nach Komanüdis sind die Jünglinge inschriftlich als Theseus
und Peirithoos bezeichnet, und in der That erkennt man auf der Abbildung über dem
ersten PE.P.OS also wohl llatpi&os, neben dem Kopf des zweiten OH. Von der
Beischrift über der Frau sagt Kumanudis nur, dass die Lesung A?8pa absolut unmög-
lich sei; ob er dasselbe von der Lesung 'EXevvj meint, geht aus seinen Worten nicht
hervor. Kern hingegen erklärt AiDpa und 'EXsvij gleichermassen für ausgeschlossen; er
glaubt KP* A sicher erkennen zu können. Dessen ungeachtet wird man zugeben müssen,
dass die Deutung auf Helena sowohl durch den Wortlaut der erklärenden Beischrift, wie
durch die ganze Haltung der Figur ausserordentlich nahe gelegt wird. Nicht mehr in
leidenschaftlicher Aufregung, wie in der ersten Scene, erscheint sie, aber trotzig und kalt
schreitet sie neben Theseus her, der vergeblich seine Liebkosungen an sie verschwendet.
Schliessen aber wirklich die Buehstabenrcste diese Auffassung unbedingt aus, so wüsste
ich nur die Lesung K(A)Y(M)jENH] vorzuschlagen, die uns aber auch nöthigt an Stelle des
von Kern gesehenen P ein A zu setzen. Eine Schwester des Peirithoos, deren Name
bei, Hygin /ab. 79. 92 zu PIrisadw und Thisadie verderbt ist, war neben Aithra
Hüterin der Helena und wird, wie diese, von den Diosknren geraubt, als sie ihre
Schwester befreien. Wh.amowitz hat sie (Hom. Unters. 222) mit der Klymene
der llias V 1442) 'identificirt und Toepffek (Aus der Anomia 41) ihm beigestimmt. In

-•) Danach Stesicboros, Polygnot (Paus. X 26, I), Ovid fferoid. XV 153. XVI 2G7.


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