CSharis.
uestert.
fuͤr
Leben und Literatur; Poeſie und Kunſt
Redarteur und Herausgeber: Fr. K. Sreiherr v. Erlac.
Dieſes Blatt erſcheint
jeden Mittwoch und Sonnabend, und kann
— —
ein Abonnement mit 1 fl. 30 kr. vierteljährig auf daſſelbe eröffnet werden.
No
Mannheim, den 21.
Juli, 1821.
Der Batermorder an5 Sohnesliebe.
Cine e nach ernren Blättern von Emmerich Weſthofen. 7
Es ſin nd. jezt. ohngefaähr 30 Jahr, als ein junger
Mann mit ſeinem alten Vater und ſeiner uralten
Großmutter, an der Kuͤſte von Hampſhire in die Ge-
gend des Forts Kumberland kam; ſie zogen in eine
kleine Huͤtte, und ernaͤhrten ſich vom. Fiſchfang.
Unvorhergeſehene Ungluͤcksfaͤlle hatten ſie ſo tief herun-
tergebracht, nachdem ſie fruͤherhin einer anſehnlichen
Fabrik zu Portsmouth vorgeſtanden hatten. Anfaͤng-
lich verſchaffte ihnen der tuͤgliche Fiſch⸗Abſatz eln zlem-
lich gemaͤchliches Leben; als aber ein fuͤrchterlicher
Orkan ihr kleines Boot zertruͤmmerte, ward ihuen
auch dieſer lezte muͤhſelige Erwerb geraubt, und ihr
Leiden ſtieg aufs hoͤchſte, als die beiden Alten er-
krankten, und nun aͤlle im tlefſten Elende ſchmach-
teten. Der junge Mann haͤtte den eigenen Mangel
wohl ertragen, aber der traurige Anblick ſeine ver-
ehrten Eltern, auf armſeligem Lager, von Kaͤlte er-
ſtarrt, faſt verhungern zu ſehen, brachte ihn zur
Verzweiflung, ja dieſe Verzweiflung ward zur Ra-
ſerei, wenn er in das eingeſunkene Auge ſeines Va-
ters blickte, wenn er die abgehaͤrmten Wangen, die
keidende Geſtalt ſeiner Großmutter betrachtete, und
ihnen auch nicht einen ſtaͤrkenden Trunk, nicht elnen
Biſſen Brod zur Erquickung reichen konnte. Schreck-
liche Enrwuͤrfe bruͤteten in ſeiner Seele. Kaum war
eines. Tages ſein Vater, der ſich eben ein wenig er-
hohliehatte zum Gouverneur des Forts gegangen,
um ſein Mitleiden zu erflehen, als der Raſende,
mit 2 Sackpiſtolen bewaffnet, aus der Huͤtte ſtuͤzte,
feſt entſchloſſen, jeden an der Landſtraſſe Voruͤber-
gehenden zu berauben. Dunkel war die Nacht, alles
finſter um ihn her, die Winde heulten, die Meereswo-
gen bruͤllten, die Seevoͤgel kraͤchzten, furchtbar war
die Natur, ſchreckhaft die Szene. So eilt der Un-
gluͤckliche vorwaͤrts, und ſeine Seele vermaͤhlt ſich
mit den duͤſtern Schauern einſamer Umgebung. Ein
ſchweres den ganzen Tag hindurch drohendes Gewitter
zog uͤber das Meer herauf, praſſelnd rollt der Donner
uͤber ſein Haupt, und zuckende Blitze zeigen ſeinen
Augen das Hochgericht, woran er eben voruͤberging
Da ſinkt ihm zum erſten Male der Muth, ſtolpernd
eilt er uͤber die unbegrabenen Gebeine der Verbrecher
hinweg, die klirrenden Ketten der zulezt Gehangenen
ſchlagen an ſein Ohr, und fuͤrchterlich zeigt ſich m ſeln.
eigenes Geſchick im Fall der Entdeckung. Horch!
jetzt vernimmt er den Schall entfernter Fußtritte,
die uͤber die moorige Heide auf ihn zukommen; die
Tritte kommen immer naͤher, und eine dunkle tief
uestert.
fuͤr
Leben und Literatur; Poeſie und Kunſt
Redarteur und Herausgeber: Fr. K. Sreiherr v. Erlac.
Dieſes Blatt erſcheint
jeden Mittwoch und Sonnabend, und kann
— —
ein Abonnement mit 1 fl. 30 kr. vierteljährig auf daſſelbe eröffnet werden.
No
Mannheim, den 21.
Juli, 1821.
Der Batermorder an5 Sohnesliebe.
Cine e nach ernren Blättern von Emmerich Weſthofen. 7
Es ſin nd. jezt. ohngefaähr 30 Jahr, als ein junger
Mann mit ſeinem alten Vater und ſeiner uralten
Großmutter, an der Kuͤſte von Hampſhire in die Ge-
gend des Forts Kumberland kam; ſie zogen in eine
kleine Huͤtte, und ernaͤhrten ſich vom. Fiſchfang.
Unvorhergeſehene Ungluͤcksfaͤlle hatten ſie ſo tief herun-
tergebracht, nachdem ſie fruͤherhin einer anſehnlichen
Fabrik zu Portsmouth vorgeſtanden hatten. Anfaͤng-
lich verſchaffte ihnen der tuͤgliche Fiſch⸗Abſatz eln zlem-
lich gemaͤchliches Leben; als aber ein fuͤrchterlicher
Orkan ihr kleines Boot zertruͤmmerte, ward ihuen
auch dieſer lezte muͤhſelige Erwerb geraubt, und ihr
Leiden ſtieg aufs hoͤchſte, als die beiden Alten er-
krankten, und nun aͤlle im tlefſten Elende ſchmach-
teten. Der junge Mann haͤtte den eigenen Mangel
wohl ertragen, aber der traurige Anblick ſeine ver-
ehrten Eltern, auf armſeligem Lager, von Kaͤlte er-
ſtarrt, faſt verhungern zu ſehen, brachte ihn zur
Verzweiflung, ja dieſe Verzweiflung ward zur Ra-
ſerei, wenn er in das eingeſunkene Auge ſeines Va-
ters blickte, wenn er die abgehaͤrmten Wangen, die
keidende Geſtalt ſeiner Großmutter betrachtete, und
ihnen auch nicht einen ſtaͤrkenden Trunk, nicht elnen
Biſſen Brod zur Erquickung reichen konnte. Schreck-
liche Enrwuͤrfe bruͤteten in ſeiner Seele. Kaum war
eines. Tages ſein Vater, der ſich eben ein wenig er-
hohliehatte zum Gouverneur des Forts gegangen,
um ſein Mitleiden zu erflehen, als der Raſende,
mit 2 Sackpiſtolen bewaffnet, aus der Huͤtte ſtuͤzte,
feſt entſchloſſen, jeden an der Landſtraſſe Voruͤber-
gehenden zu berauben. Dunkel war die Nacht, alles
finſter um ihn her, die Winde heulten, die Meereswo-
gen bruͤllten, die Seevoͤgel kraͤchzten, furchtbar war
die Natur, ſchreckhaft die Szene. So eilt der Un-
gluͤckliche vorwaͤrts, und ſeine Seele vermaͤhlt ſich
mit den duͤſtern Schauern einſamer Umgebung. Ein
ſchweres den ganzen Tag hindurch drohendes Gewitter
zog uͤber das Meer herauf, praſſelnd rollt der Donner
uͤber ſein Haupt, und zuckende Blitze zeigen ſeinen
Augen das Hochgericht, woran er eben voruͤberging
Da ſinkt ihm zum erſten Male der Muth, ſtolpernd
eilt er uͤber die unbegrabenen Gebeine der Verbrecher
hinweg, die klirrenden Ketten der zulezt Gehangenen
ſchlagen an ſein Ohr, und fuͤrchterlich zeigt ſich m ſeln.
eigenes Geſchick im Fall der Entdeckung. Horch!
jetzt vernimmt er den Schall entfernter Fußtritte,
die uͤber die moorige Heide auf ihn zukommen; die
Tritte kommen immer naͤher, und eine dunkle tief



