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Charis: rhein. Morgenzeitung für gebildete Leser (1) — 1821

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No 52 (1821)
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https://doi.org/10.11588/diglit.20602#0209

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Charis.

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fuͤr

Leben und Literatur; Poeſie nd Kung.

Redakteur u nd Herausgeber; ör, K. Freiherr v. S1



—Gꝛ¹?-ꝛ

5

—— — —— —

No 52.

Mannheim, den 29. September, 1821.

„Dans le jardin de Cythère.“

In Chytherens ſtillem Haine,
Unter elnem Ulmenbaum,
Fuͤhrte mich bei Mondenſcheine
Neben dich ein leichter Traum.
Ach! in deinen Reitzen trunken,

In die Arme dir geſunken,
Ruͤhrte dich mein leiſes Flehn.

Doch der Liebesgott, der Wachk
Neidete mein ſchoͤnes Gluͤck
und du bleibſt, da ich erwache,
Nur im Herzen mir zuruͤck.
Alles flieht mit dieſem Traume,
Nichts bleibt von dem Bilde mein,

Von dem holden Gaukeltraume —

Als dein Zauber/ meine Pein.

du, meines Lebens Wonne!
Feßle mich durch Zaͤrtlichkeit,
Werde meiner Tage Sonne,
Ganz ſey dir mein Herz geweiht.
Lindre meines Buſens Sehnen,
Gieb der Liebe ſebgen Kuß,
Und fuͤr jede Nacht voll Waͤhnen
Eines Augenblicks Genuß.

Chartes Atar.

— — Cypris iſt nicht halb ſo. ſchoͤn —

eEE ö

lLSortſetzuns. 1*
Er eilte auf ſie zu; ſie neigte ihren gopf a an ſeine

ö Bruſt; Thraͤnen und Seufzer waren lange Zeit ihre
einzige Sprache. Endlich ermannte ſich Kamilla und ö
ſpdrach: „Lothario, Geliebter, taͤuſchen wir uns nicht!
Ich fuͤhl es: der Tod verlangt ſein Opfer. Laß uns

denn dieſe lezten Augenblicke nicht in vergeblichen Troͤ⸗
ſtungen verſchwenden! Unterbrich mich nicht, ſondern

merk' auf dle Worte deiner Freundin, und gewaͤhre

ihr den einzigen Troſt, der uns uͤbrig bleibt! Wahr

iſt es: Jugend, Schoͤnheit, Reichthum ſind große

Guͤter; ich beſaß die einen davon wirklich, und das

andere legte die Meinung der Welt mir bei. Haͤtte

ich mich da nicht gluͤcklich preiſen ſollen? — und doch
ward ich es erſt durch die Liebe. — O Lothario, wie
liebten wir us! Kann man es mehr ? unmöguch:
Und wir ſollten uns trennenꝰ?ꝰ. .4
Schluchzen des erſchuͤtterten Juͤnglings unterbrach

ö ſe. Mit wachſender Begeiſterung fuhr ſie fort:

„Nein, Lothario, wir ſind unzertrennlich! des Todes
„Macht iſt zu ſchwach, wenn du mich liebſt⸗ wie ich
„ dich! hen
Hier richtete ſie ſi ich im Bett' empor, ſtreckte be-

iheurend die rechte Hand aus, indem ſie die linke dem

Juͤngling reichte, und war im Begriff eifrig fortzu-
reden, als Franziſta ein Geraͤuſch vernahm. Sie ſah
 
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