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Charis: rhein. Morgenzeitung für gebildete Leser (1) — 1821

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No 55 (1821)
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https://doi.org/10.11588/diglit.20602#0221

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Charis.

unterhettengsbtett.

fuͤr

Leben und Literatur; Poeſie und Kunf.

NRedakteur und Berausgeber: Fr. 4. Sreiberr v. 21146.

Nꝰ 55.

Mannheim, den 10. October, 182.

—————— 2——— —

Roſen und Lerbeern. „Die Ehre ſprach ſe/ in ein Blatt /
* ö ö Das einſam ſtzt am Aſte:
Och trug ſchon früh ein Lorbeerreis ö Des einzeln Blattes wirſt du ſatt/
In meinen blonden Haaren, „ Dann hungre du und faſie!
Es war ein rechter ſeltner Preis Doch Lieb', ein hundertfültig Blatt,
Bei meinen jungen Jahren. Wie hier die Roſen haben/
Das Reis verſprach ſo friſch und grün „ Sie füllt dein Herz und macht nicht ſatt,
So üppig aufgeſchoſſen, ö um immer dich zu Jaben. .
Sich ganz um meine Stirn zu ziehn ,/ ö vuUnd niemals welkt die Roſenluſt
Wenn alles erſt im Sytoſſen. — Man darf ſie nur recht warten;
Ich hab', ſo arm an Jabrenzahl „ ‚ Sie blüh'n den Winter in der Bwü/
Was mir's erwarb, vergeſſen; Den Sommer dir im Garten.
Doch würb ich wieder hundertma „/ Du innaſ ſi in ein wumes Haus
Die Stirn damit zu meſſen. 3Bu einer neuen Sonne:
Da kommt ein Mädchen mir daher ö D weilt die Pracht und dauert aus/
Mit einem Korb voll Roſen, Als wie in Frühlingewonne..
Sie ſcherzet und ſie tändelt ſehr unnd wie ſie ſpricht und zärtlich ſchilt / *
und weiß ſo hübſch zu koſen. .— Erblick' ich eine Quelle;
„Was trägſt du, ſpricht ſie, in dem Haarꝰ Ich ſinne noch, da faͤut mein Bilb
Wie täuſcht ihr ihn, v Gottern — Auf eine ſtille Wele:
und reicht mir ihre Noſen dart: — ö Ich ſeh' den Lorbeer/ meine Luſt *
VNimm Glumen hin ſtatt Wuntrr Aus ihren Roſen ragen/
Ich wußte nicht wie mir geſchah , und wie von eines Mädchens Bruſt
Ich ſaß wie feſtgebunden; Gehoben und getragen!
Mit einmal waren Roſen da/ OD, ſprach ich, unter Kuß und Druc / ö
Der Lorbeer war verſchwunden. Du weißt es, zu verbinden.
Ach! ſprach ich, nach dem erlen Rauſch, Aann ich auf Erden boldern Samuc,
Fafl weinend unter Küſſen: Ais Noſ' und Lorbeer ünden/
Für Lorbeern Roſen! Welch ein Tauſch! Nimm, Noſe/ mich/ ich bin nun dein,
ö Was baſ du mir entriſſen! Dein für mein ganzes Leben!
Des immergruͤnen Zwelgs beraubtt uud lap mich deinen Lorbeer ſeyn/
Für Blumen, die nicht währen! Den deine Blätter hehen
Wie kann die Roſe je mein Haupt „V. xberiecke.

Se wie der Lorbeer ehren! * —
 
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