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lacheln, und dachte, von der Graat ahan ö
ergriffen:
„So vergehn des Lebens Herrlchketen „
»So verſinkt im ſchnellen Lauf der Zeiten
„Was die Erde träͤgt, in oͤde Nacht.
Da ſchlaͤgt elne unſichtbare Hand noch ein Blatt in
dem großen Buche. um.
richte entzaubert dachte ).
Ich malte mir die Szene ſo gut ich vermochte aus,
und ſah, dem pruͤfenden Richter im Scharlachmantel
gegenuͤber, wo einſt entzuͤckte Ohren ſchwelgten, wo
Kunſt, Wiſſenſchaft und Natur Arm in Arm innig
vertraut den Muſen ihre edelſten reinſten Opfer brach-
ten, Raͤuber und Moͤrder zittern, ſah das ſtarre blut-
triefende peinliche Geſetzbuch aufgeſchlagen, wo ſonſt
alles Liebe und Seelen⸗ Genuß athmete — hoͤrte das
niederſchmetternde Todesurtheil ausſprechen, wo ſich
einſt die erhabenſten Gefuͤhle zum Himmel empor
ſchwangen — O Freund! hinweg! hinweg von
ſolchen widerwaͤrtigen Bildern der leztern Zelten, die
mich in unſelizen Vergleichungen an weit fuͤhren
koͤnnten. —
* Oie SorHtEα 6olsth 2
Das lawenmävchen. *
Eine Etzählung von Karl Blumauer
Helene war das einzige Kind frommer Eltern und
die aufbluͤhende Hoffnung eines Vaters, in der er
ſich uͤber den ſeit einem Jahr' erlittenen Verluſt einer
geliebten Gattin und Mutter tröͤſten ſollte. Außer-
dem 'kannté er kein Eigenthum, als ein kleines Häus-
chen in der Vorſtadt, verbunden mit einem Gaͤrtchen,
doß fleißige Bearbeitung und kluge Benutzung ihm den
Ertrag ſeines Unterhalts immer nothduͤrftig geſichert
Mir ſchauderte, als ich
mir dieſen Tempel himmliſcher Wehe durch Blutge-
bald in Straͤußen verſorgte.
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Sommer und Winter hindurch, in der ganzen Umge-
gend beruͤhmt war und er dle Erſten der Stadt mit
der auserleſenſten Zier jedes Monats, bald in Toͤpfen-
In friſcherer und uͤp⸗
pig⸗ duftenderer Farbenbluͤthe konnte man wohl die
Hyaeinthen, Roſen, Nelkeu, Levkojen, Primeln, Au-
rikeln, und alles geruchvolle gruͤne Gepflaͤnze, z. B.
die Mirte, das Heliotrop, die Geranlen, das Muskaten-
kraut, Immergruͤn, die Sinnpflanze, Reſeda, Va-
nille, nicht finden, als bel dem Gaͤrtner Lens! Das
wußte er auch, und war darauf nicht wenlg ſtolz.
wenn er wieder ein Mal ſo eine Reihe Blumenſtoͤcke
zum Kauf ausmuſtern oder einen ganzen Korb voll
ſeiner Augenluſt abſchneiden und in die Stadt ſenden
konnte. Lezteres war bisher immer durch ſein treues
Lenchen geſchehen, die nicht allein durch das ſanfte
wohlgefaͤllge Gemuͤth ihrer ſeligen Mutter, ſondern
auch durch eine gute, ſorgfaͤltige Erziehung, worauf
man gern den lezten Sparpfennig der Armuth ver-
wandr, ſelbſt zu einer ſo lleblichen Blume aufgeknos-
pet war, daß ihre Anmuth, jungfraͤuliche Schuͤch⸗ ö
ternheit, zarte Sitte, und Unſchuld des Wortes Je-
dermann fuͤr ſie einnahm und den anderen Blumen,
um der lieben Geberin willen, einen noch freundli-
chern Blick und kaufluſtigern Sinn zuwenden mochte.
Naͤchſtdem war ſie keine von den ſonſt gewoͤhnlichen
hatte, denn er bebaute das Stuͤckchen Land, alle an-
decen Zwecke damit aufgebend, lediglich fuͤr die Zucht
der Blumen; darin hatte er es aber auch ſo weit ge-
bracht, daß er, ſeines ſchoͤnen Blumenflors wegen den
*) In dem Konzertſaale des Kurfürſten wurden die Ver
böre des Johann Bückler (Schinderhannes) und ſeiner
Gefahrten im Jahre 1803 bebalten.
Blumenverkaͤuferinnen, ſondern ſie trieb wie der tie-
fere Menſch uͤberhaupt in Alles einen tiefern Sinn
legt, ihr Geſchaͤft mit einer Art weiblicher Kunſtooll-
kommenheit. Von ihrem Vater ſelbſt und aus eini-
gen alten botaniſchen Buͤchern deſſelben kannte ſie
die wiſſenſchaftlichen Namen und Eigenſchaften der
bekannteſten Pflanzen und Blumen, und ihr eigener
Naturblick wußte ihnen Seele und Bedeutung zu
lethen. So war es ihr nicht darum zu thun, daß
ſie das ſchoͤnfarbigr Gemiſch der Flora, vortheil-
haft ins Auge fallend etwa nur, in Straͤuße band,
nein, ſie hatte ⸗ ſich eine Reihe von Ideen gebildet,
nach welchen ſie dieſe irdiſch eingekleideten Geiſter
des Himinels geſellig ordnere und zu einem ſchoͤnen
Sprache Bunde vereinigte.
0 Sortſetzung⸗ heiat
——
lacheln, und dachte, von der Graat ahan ö
ergriffen:
„So vergehn des Lebens Herrlchketen „
»So verſinkt im ſchnellen Lauf der Zeiten
„Was die Erde träͤgt, in oͤde Nacht.
Da ſchlaͤgt elne unſichtbare Hand noch ein Blatt in
dem großen Buche. um.
richte entzaubert dachte ).
Ich malte mir die Szene ſo gut ich vermochte aus,
und ſah, dem pruͤfenden Richter im Scharlachmantel
gegenuͤber, wo einſt entzuͤckte Ohren ſchwelgten, wo
Kunſt, Wiſſenſchaft und Natur Arm in Arm innig
vertraut den Muſen ihre edelſten reinſten Opfer brach-
ten, Raͤuber und Moͤrder zittern, ſah das ſtarre blut-
triefende peinliche Geſetzbuch aufgeſchlagen, wo ſonſt
alles Liebe und Seelen⸗ Genuß athmete — hoͤrte das
niederſchmetternde Todesurtheil ausſprechen, wo ſich
einſt die erhabenſten Gefuͤhle zum Himmel empor
ſchwangen — O Freund! hinweg! hinweg von
ſolchen widerwaͤrtigen Bildern der leztern Zelten, die
mich in unſelizen Vergleichungen an weit fuͤhren
koͤnnten. —
* Oie SorHtEα 6olsth 2
Das lawenmävchen. *
Eine Etzählung von Karl Blumauer
Helene war das einzige Kind frommer Eltern und
die aufbluͤhende Hoffnung eines Vaters, in der er
ſich uͤber den ſeit einem Jahr' erlittenen Verluſt einer
geliebten Gattin und Mutter tröͤſten ſollte. Außer-
dem 'kannté er kein Eigenthum, als ein kleines Häus-
chen in der Vorſtadt, verbunden mit einem Gaͤrtchen,
doß fleißige Bearbeitung und kluge Benutzung ihm den
Ertrag ſeines Unterhalts immer nothduͤrftig geſichert
Mir ſchauderte, als ich
mir dieſen Tempel himmliſcher Wehe durch Blutge-
bald in Straͤußen verſorgte.
574
Sommer und Winter hindurch, in der ganzen Umge-
gend beruͤhmt war und er dle Erſten der Stadt mit
der auserleſenſten Zier jedes Monats, bald in Toͤpfen-
In friſcherer und uͤp⸗
pig⸗ duftenderer Farbenbluͤthe konnte man wohl die
Hyaeinthen, Roſen, Nelkeu, Levkojen, Primeln, Au-
rikeln, und alles geruchvolle gruͤne Gepflaͤnze, z. B.
die Mirte, das Heliotrop, die Geranlen, das Muskaten-
kraut, Immergruͤn, die Sinnpflanze, Reſeda, Va-
nille, nicht finden, als bel dem Gaͤrtner Lens! Das
wußte er auch, und war darauf nicht wenlg ſtolz.
wenn er wieder ein Mal ſo eine Reihe Blumenſtoͤcke
zum Kauf ausmuſtern oder einen ganzen Korb voll
ſeiner Augenluſt abſchneiden und in die Stadt ſenden
konnte. Lezteres war bisher immer durch ſein treues
Lenchen geſchehen, die nicht allein durch das ſanfte
wohlgefaͤllge Gemuͤth ihrer ſeligen Mutter, ſondern
auch durch eine gute, ſorgfaͤltige Erziehung, worauf
man gern den lezten Sparpfennig der Armuth ver-
wandr, ſelbſt zu einer ſo lleblichen Blume aufgeknos-
pet war, daß ihre Anmuth, jungfraͤuliche Schuͤch⸗ ö
ternheit, zarte Sitte, und Unſchuld des Wortes Je-
dermann fuͤr ſie einnahm und den anderen Blumen,
um der lieben Geberin willen, einen noch freundli-
chern Blick und kaufluſtigern Sinn zuwenden mochte.
Naͤchſtdem war ſie keine von den ſonſt gewoͤhnlichen
hatte, denn er bebaute das Stuͤckchen Land, alle an-
decen Zwecke damit aufgebend, lediglich fuͤr die Zucht
der Blumen; darin hatte er es aber auch ſo weit ge-
bracht, daß er, ſeines ſchoͤnen Blumenflors wegen den
*) In dem Konzertſaale des Kurfürſten wurden die Ver
böre des Johann Bückler (Schinderhannes) und ſeiner
Gefahrten im Jahre 1803 bebalten.
Blumenverkaͤuferinnen, ſondern ſie trieb wie der tie-
fere Menſch uͤberhaupt in Alles einen tiefern Sinn
legt, ihr Geſchaͤft mit einer Art weiblicher Kunſtooll-
kommenheit. Von ihrem Vater ſelbſt und aus eini-
gen alten botaniſchen Buͤchern deſſelben kannte ſie
die wiſſenſchaftlichen Namen und Eigenſchaften der
bekannteſten Pflanzen und Blumen, und ihr eigener
Naturblick wußte ihnen Seele und Bedeutung zu
lethen. So war es ihr nicht darum zu thun, daß
ſie das ſchoͤnfarbigr Gemiſch der Flora, vortheil-
haft ins Auge fallend etwa nur, in Straͤuße band,
nein, ſie hatte ⸗ ſich eine Reihe von Ideen gebildet,
nach welchen ſie dieſe irdiſch eingekleideten Geiſter
des Himinels geſellig ordnere und zu einem ſchoͤnen
Sprache Bunde vereinigte.
0 Sortſetzung⸗ heiat
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