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576
Blicke auf Kunf und Wi Hlenſoaft.
— — —.——
erosbennean Haubühne in Mannheim,
Dienſtag, den 27. Novem ber, 1821.
Johann von Paris. Oper in 2 Abtheilungen.
Muſik von Boyeldieu. (Dritte Vorſtelung
in dieſem Jahre. Siehe No. 7. 9)
Mittwoch, den 28. Rovember, 182r.
Konzert
im großen Saale.
Eine große neue Symphonie von Spohr eröffnete das heutige
Konzerr.
dies Meiſterwerk des genialen Tonſetzers entzücken und im
böchſten Grade befriedigen. Welche ſchöne, gediegene Arbeit! —
Spohr ſchrieb dieſe Symphonie in England, und nach allen
mnſikaliſchen Berichten, wurde ſie nicht nur überall mit En-
thuſtasmus aufgenommen / ſondern auch ihr Schöpſer durch
würdige Anerkennung belohnt. Das erſte im ſechs viertel Takt
geſchriebene Allegro iſt ſeelenvoll und innig gearbeitet, das
originelle Tempo giebt ihm eine gewiße tiefrührende, und er-
greifende Schwere.
führt/ und ein grozer Stil beherrſcht das Ganze. Eden ſo.
Die Hauptthemas ſind herrlich durchge-
vorzüglich iſt das Adagio dieſer Symphonie. Ein höchſt ori-
gineller Menuet — vielleicht der wohlgelungenſte Satz — und
ſein pompöſer Uebergang in Dur heim eintretenden forte im
zweiten Theile, weckt den Zuhörer aus ſeiner ſchwermüthigen
Betäubung/ die beim darauf folgenden nale in frohe Heiter-
keit übergeht. Die ganze Symphonie wurde von hirſiger Ka-
pelle vortrefflich exekutirt, wird aber bei ihrer Wiederholung
eine noch höhere Stufe der Einheit erlangen; ſo wie ſie auch
mehr als einmal gehört werden muß, um all ihre Schönhei-
ten recht zu genießen, welches wohl auch die urſache geweſen
ſeyn mag, daß das zaͤhlreich verfammelte Auditorium nicht
mit lautem Beifall über ihren Werth entſchijd. —
Hierauf falgte eine Arie, aus der Oper Ariodano, von
Herrn Kapellmeiſter Strauß, und von ſeiner Gattin mit gro-
ßer Geſangfertigkeit vorgetragen. Frau Strauß beurkundete
hbeute wieder die bedeutende Sängerin, bei der man die dem
Gefange ſo nöthige gute Schule recht deutlich wahrnahm.
AIbre Stimme war anhaltend ſchön und kräftig, welche Kraft
ſelbſt durch das dem Allegro vorangehende lange Adagio nicht
ermüdet werden konnte. Von ungleich grö ßerer Wirkung mag
wohl dieſe Arie ſeyn wenn ſie im Zuſammenhang der Oyer
vorgetragen und von der Handlung gehörig unterſtüzt wird.
Den Beſchluß der erßen Abtheilung machte ein Hoboe Kon ·
IFIFIFIIIIIIIITTTTPTWTTTT
Verleger: Schwan u. Gößziſche Buchhandlung.
erkennung verdient.
Jeden Kenner und aufmerkſamen Zuhörer muß
zert von Cramer/ vorgetragen von unſerm erſten Hoboiſten
Herrn Maas. Die Kompoſition dieſes Konzerts iſt leicht und
faßlich, beſonders aber auf den Effekt dieſes Inſtruments be-
rechnet. Wer die Schwierigkeiten dieſes jezt ſo ſelten gut
behandelten Inſtruments kennt, wird wohl nicht in Abrede
ſeyn, daß die Zartheit und Gleichheit, Kraft und Ausdauer
des Tons, den Herr Maas ſeinem Inſtrumente entlockt, und
durch ſeinen anhaltenden Fleiß errungen hat, die höchſte An-
Die Verbindungen der tiefen Töne mit
den höchſten dieſes Inſtruments, ſein herrlicher Vortrag des
Adagio und⸗die Nettigkeit der darin angebrachten Verzierun-
gen, ſowie auch die Reinheit ſeines Staccato, ſind allerdings
eine ſchwere Aufgabe, und nur ein ſo raſtloſes Studium, wie
das unſeres geſchazten Künſtlers, konnten ihm die ſo ſeltne
Sicherheit und Lieblichkeit ſeines Spiels verſchaffen. Wir
glauben nur das Verdienſt, wie billig iſt, zu ehren, wenn
wir dieſes Stück für die Krone des heutigen Konzerts
anerkennen.
Die zweite Abtheilung eröffnete Cherubinis vortreffiche Ou-
vertüre zur Oper Anakreon, die im Geiſte ſüßer Tändelei,
von Wein und Liebe dichtend, auch vom Orcheſter mit Fleiß,
Kraft/ und Liebe ausgeführt wurde.
Ihr folgte ein ſchön ⸗komponirtes Violinkonzert von Mau-
rer/ vorgetragen von Hrn. Schmitt. Wiewohl ſolches von bedeu-
tender Länge iſt, wird es doch rückſichtlich ſeiner aneinander
gereihten Schönheiten nie den Zuhörer ermüden, und wenn
es gleich gewagt iſt, ein Konzert ſo ſtark, mit Blasinſtrumen-
ten zu begleiten/ macht es dennoch eine herrliche Wirkung-
wenn es ſo gelungen wie heute ins Leben tritt. Hrn. Schmitts
Fortſchritte auf der Violine ſind bedeutend, und gereichen da-
her dem jungen Künſtler zu nicht geringer Ehre. Sein Bo-
genütrich iſt pett und feſ, und der Ausdruck ſeines Spiels be-
urkundet bei großem Fleiß ein tiefes Gefühl. Sollte Herr
Schmitt dieſes Konzert noch einmal wiederholen, ſo wünſch-
ten wir ihm eine beſſere Geige als die ſeinige, welche durch
die ſtarke Juſtrumentirung nicht hinlänglich durchtönt.
Hierauf ein Quintett aus der Mozartſchen Oper: Cosi fan
tutte, geſungen von Frau Strauß/ Fräulein Ringelmann,
den Herrn Courtin, Grua d. A. und Lay.
Es würde der
Konzertdirektion zur großen Ehre gereichen, wenn ſie gefäl-
ligſt fortfahren mögte, uns bisweilen den erfreulichen Genuß
eines ſo vortrefflichen Enſemble⸗Stücks zu gönnen.
Den völligen Beſchluß machte ein gut vorgetragenes Alle-
gro von Haydn, welches aber leider einen ſogenannten muſt-
kaliſchen Abgang bereitete. Dieſe üble Gewohnheit des Au-
ditoriums entſpricht aber keinesweges der Bemühung ausge-
zeichneter Künſller, und iſt nicht geeignet Luſt und Liebe für
die Kunſt zu erwecen.
ISISISIISIS----
Hofüuchdrucker Kaufmann.
Druckerei:
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Blicke auf Kunf und Wi Hlenſoaft.
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erosbennean Haubühne in Mannheim,
Dienſtag, den 27. Novem ber, 1821.
Johann von Paris. Oper in 2 Abtheilungen.
Muſik von Boyeldieu. (Dritte Vorſtelung
in dieſem Jahre. Siehe No. 7. 9)
Mittwoch, den 28. Rovember, 182r.
Konzert
im großen Saale.
Eine große neue Symphonie von Spohr eröffnete das heutige
Konzerr.
dies Meiſterwerk des genialen Tonſetzers entzücken und im
böchſten Grade befriedigen. Welche ſchöne, gediegene Arbeit! —
Spohr ſchrieb dieſe Symphonie in England, und nach allen
mnſikaliſchen Berichten, wurde ſie nicht nur überall mit En-
thuſtasmus aufgenommen / ſondern auch ihr Schöpſer durch
würdige Anerkennung belohnt. Das erſte im ſechs viertel Takt
geſchriebene Allegro iſt ſeelenvoll und innig gearbeitet, das
originelle Tempo giebt ihm eine gewiße tiefrührende, und er-
greifende Schwere.
führt/ und ein grozer Stil beherrſcht das Ganze. Eden ſo.
Die Hauptthemas ſind herrlich durchge-
vorzüglich iſt das Adagio dieſer Symphonie. Ein höchſt ori-
gineller Menuet — vielleicht der wohlgelungenſte Satz — und
ſein pompöſer Uebergang in Dur heim eintretenden forte im
zweiten Theile, weckt den Zuhörer aus ſeiner ſchwermüthigen
Betäubung/ die beim darauf folgenden nale in frohe Heiter-
keit übergeht. Die ganze Symphonie wurde von hirſiger Ka-
pelle vortrefflich exekutirt, wird aber bei ihrer Wiederholung
eine noch höhere Stufe der Einheit erlangen; ſo wie ſie auch
mehr als einmal gehört werden muß, um all ihre Schönhei-
ten recht zu genießen, welches wohl auch die urſache geweſen
ſeyn mag, daß das zaͤhlreich verfammelte Auditorium nicht
mit lautem Beifall über ihren Werth entſchijd. —
Hierauf falgte eine Arie, aus der Oper Ariodano, von
Herrn Kapellmeiſter Strauß, und von ſeiner Gattin mit gro-
ßer Geſangfertigkeit vorgetragen. Frau Strauß beurkundete
hbeute wieder die bedeutende Sängerin, bei der man die dem
Gefange ſo nöthige gute Schule recht deutlich wahrnahm.
AIbre Stimme war anhaltend ſchön und kräftig, welche Kraft
ſelbſt durch das dem Allegro vorangehende lange Adagio nicht
ermüdet werden konnte. Von ungleich grö ßerer Wirkung mag
wohl dieſe Arie ſeyn wenn ſie im Zuſammenhang der Oyer
vorgetragen und von der Handlung gehörig unterſtüzt wird.
Den Beſchluß der erßen Abtheilung machte ein Hoboe Kon ·
IFIFIFIIIIIIIITTTTPTWTTTT
Verleger: Schwan u. Gößziſche Buchhandlung.
erkennung verdient.
Jeden Kenner und aufmerkſamen Zuhörer muß
zert von Cramer/ vorgetragen von unſerm erſten Hoboiſten
Herrn Maas. Die Kompoſition dieſes Konzerts iſt leicht und
faßlich, beſonders aber auf den Effekt dieſes Inſtruments be-
rechnet. Wer die Schwierigkeiten dieſes jezt ſo ſelten gut
behandelten Inſtruments kennt, wird wohl nicht in Abrede
ſeyn, daß die Zartheit und Gleichheit, Kraft und Ausdauer
des Tons, den Herr Maas ſeinem Inſtrumente entlockt, und
durch ſeinen anhaltenden Fleiß errungen hat, die höchſte An-
Die Verbindungen der tiefen Töne mit
den höchſten dieſes Inſtruments, ſein herrlicher Vortrag des
Adagio und⸗die Nettigkeit der darin angebrachten Verzierun-
gen, ſowie auch die Reinheit ſeines Staccato, ſind allerdings
eine ſchwere Aufgabe, und nur ein ſo raſtloſes Studium, wie
das unſeres geſchazten Künſtlers, konnten ihm die ſo ſeltne
Sicherheit und Lieblichkeit ſeines Spiels verſchaffen. Wir
glauben nur das Verdienſt, wie billig iſt, zu ehren, wenn
wir dieſes Stück für die Krone des heutigen Konzerts
anerkennen.
Die zweite Abtheilung eröffnete Cherubinis vortreffiche Ou-
vertüre zur Oper Anakreon, die im Geiſte ſüßer Tändelei,
von Wein und Liebe dichtend, auch vom Orcheſter mit Fleiß,
Kraft/ und Liebe ausgeführt wurde.
Ihr folgte ein ſchön ⸗komponirtes Violinkonzert von Mau-
rer/ vorgetragen von Hrn. Schmitt. Wiewohl ſolches von bedeu-
tender Länge iſt, wird es doch rückſichtlich ſeiner aneinander
gereihten Schönheiten nie den Zuhörer ermüden, und wenn
es gleich gewagt iſt, ein Konzert ſo ſtark, mit Blasinſtrumen-
ten zu begleiten/ macht es dennoch eine herrliche Wirkung-
wenn es ſo gelungen wie heute ins Leben tritt. Hrn. Schmitts
Fortſchritte auf der Violine ſind bedeutend, und gereichen da-
her dem jungen Künſtler zu nicht geringer Ehre. Sein Bo-
genütrich iſt pett und feſ, und der Ausdruck ſeines Spiels be-
urkundet bei großem Fleiß ein tiefes Gefühl. Sollte Herr
Schmitt dieſes Konzert noch einmal wiederholen, ſo wünſch-
ten wir ihm eine beſſere Geige als die ſeinige, welche durch
die ſtarke Juſtrumentirung nicht hinlänglich durchtönt.
Hierauf ein Quintett aus der Mozartſchen Oper: Cosi fan
tutte, geſungen von Frau Strauß/ Fräulein Ringelmann,
den Herrn Courtin, Grua d. A. und Lay.
Es würde der
Konzertdirektion zur großen Ehre gereichen, wenn ſie gefäl-
ligſt fortfahren mögte, uns bisweilen den erfreulichen Genuß
eines ſo vortrefflichen Enſemble⸗Stücks zu gönnen.
Den völligen Beſchluß machte ein gut vorgetragenes Alle-
gro von Haydn, welches aber leider einen ſogenannten muſt-
kaliſchen Abgang bereitete. Dieſe üble Gewohnheit des Au-
ditoriums entſpricht aber keinesweges der Bemühung ausge-
zeichneter Künſller, und iſt nicht geeignet Luſt und Liebe für
die Kunſt zu erwecen.
ISISISIISIS----
Hofüuchdrucker Kaufmann.
Druckerei:



